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Studie zum Schicksal ehemaliger „Heimkinder" in Einrichtungen des LVR / Design und erste Ergebnistendenzen vorgestellt
Köln. 30. April 2009. Seit einigen Jahren beginnen ehemalige „Heimkinder", die vom Kriegsende bis in die 1970er Jahre in Einrichtungen der „öffentlichen Erziehung" untergebracht waren, ihre Erfahrungen aufzuarbeiten. Sie organisieren sich in Vereinen und stellen ihre Anliegen öffentlich dar. Seit Mitte 2008 untersucht der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Unterbringung in seinen Einrichtungen mit einer „Heimkinderstudie". Nun wurden in Köln erste Ergebnistendenzen vorgestellt. Der Abschlussbericht der 185.000 Euro teuren Studie ist für Sommer 2010 geplant.
Leitfragen der Studie sind etwa, wie es zu der häufig mangelnden oder gänzlich fehlenden Qualifikation und persönlichen Eignung des Erziehungspersonals kam, ob Arbeit als Erziehungsmittel missbraucht und Entgelte für geleistete Arbeit vorenthalten oder Rentenbeiträge nicht abgeführt wurden. Überdies prüft die Studie, ob unnötig harte oder entwürdigende Strafen üblich waren und ob es im Sinne von Einzelverfehlungen zu Misshandlungen oder anderen Straftaten kam. Ziel aus Sicht des LVR ist es dabei, zu einer angemessenen Selbstkritik zu finden. Erste Ergebnistendenzen zeigen schon: Die damaligen Heime müssen – vielleicht vorrangig – unter dem Aspekt der Disziplinierung abweichenden Verhaltens verstanden werden.

So fand Prof. Jürgen Rolle, der Vorsitzende des LVR-Landesjugendhilfeausschusses, schon zu Beginn der Veranstaltung klare Worte: „Ich möchte für mich persönlich und auch stellvertretend für den LVR ausdrücken, dass ich tief betroffen über die Bedingungen bin, unter denen Kinder und Jugendliche in Heimen, auch in denen des LVR, leben mussten. Und ich bedaure, dass ich in einem ersten Schritt nicht mehr tun kann, als hier und jetzt öffentlich eine Entschuldigung dafür auszusprechen."

In der fraglichen Zeit war der LVR Träger von sechs Landesjugendheimen: Erlenhof (Euskirchen), Fichtenhain (Krefeld), Halfeshof (Solingen), Dansweiler Hof (Freimersdorf, später Abtshof Hennef), Haus Hall (Ratheim) sowie Viersen. Die Belegungszahlen beliefen sich auf jährlich rund 1.000 Kinder und Jugendliche. Ab 1961 war der LVR zudem für die Heimaufsicht im Rheinland zuständig.
Michael Mertens, LVR-Dezernent für Schule und Jugend, richtete seinen Blick in die Zukunft: „Die Ergebnisse der Studie werden wir der Öffentlichkeit zugänglich machen und danach über die Frage eines Entschädigungsfonds beraten. Außerdem besteht die Idee, eine Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit Betroffenen oder ihren Interessenverbänden einzurichten." Weiter führte Mertens aus, dass sich die Situation von Kindern und Jugendlichen in stationären Jugendhilfeeinrichtungen heute gänzlich anders darstelle. So gebe es die ehemals riesigen und anonymen Heime so nicht mehr. Mertens weiter: „Durch die Heimaufsicht, über die fortlaufende Hilfeplanung der örtlichen Jugendämter und über das Einbeziehen der Erziehungsberechtigten ist heute, anders als damals, für Transparenz gesorgt. Über das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen wachen sozusagen mehrere Anwälte. Aktuell erwägen wir zudem die Einrichtung von Ombudspersonen in der Jugendhilfe."
Wo möglich, versucht der LVR bereits vor Fertigstellung der Studie zu helfen und hat daher für ehemalige „Heimkinder" aus den genannten Einrichtungen eine Hotline eingerichtet. Sie ist montags von 10 bis 14 Uhr, mittwochs von 13 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 02 21 – 809 – 40 01 zu erreichen. Diese Möglichkeiten wurden bisher von knapp 100 Personen genutzt. Einige der Anrufer wurden an Traumaambulanzen vermittelt.
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