200 Gäste feiern 100 Jahre LVR-Klinik Bedburg-Hau
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens würdigt Expertise der psychiatrischen Fachklinik /Festakt im Gesellschaftshaus LVR-Klinik Bedburg-Hau
Bedburg-Hau. Köln. 26. Juni 2012. 100 Jahre LVR-Klinik Bedburg-Hau zeigen eine wechselvolle Geschichte und spiegeln gleichzeitig die gesellschaftlichen und medizinischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit wider. Im Jahr 2012 erfüllt die Fachklinik alle Anforderungen an eine moderne, hoch kompetente psychiatrisch-neurologische Einrichtung. Sie verfügt über insgesamt 942 stationäre und tagesklinische Behandlungsplätze sowie spezialisierte Fachambulanzen. Mit über 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spielt die LVR-Klinik als größter Arbeitgeber in der Region eine gewichtige Rolle. Heute feierten rund 200 geladene Gäste in Anwesenheit von NRW-Ministerin Barbara Steffens und LVR-Direktorin Ulrike Lubek sowie des Klinikvorstandes das 100-jährige Bestehen des psychiatrischen Zentrums mit einem Festakt im Gesellschaftshaus der Klinik.

In Anwesenheit von NRW-Ministerin Barbara Steffens (2.v.r.), Lorenz Bahr (Stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, l.) und LVR-Direktorin Ulrike Lubek (2.v.l.) feierten rund 200 geladene Gäste das hundertjährige Bestehen der LVR-Klinik Bedburg-Hau.Unter Ihnen waren (v.l.n.r.) der Fachbereichsarzt der Forensik Dr. Jack Kreutz, Pflegedirektorin Christa Kreuzhof, die Ärztliche Direktorin Dr. Marie Brill, der Maßregelvollzugsbeauftragte des Landes, Uwe Dönisch-Seidel, sowie der Klinikvorstandsvorsitzende Stephan Lahr. (Foto: LVR, Kornblum)
Lorenz Bahr (Bündnis90/Die Grünen, Wuppertal), der stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, führte in seiner Festrede durch 100 Jahre Klinikgeschichte, zeichnete das Bild einer modernen psychiatrischen Einrichtung mit einem umfassenden Behandlungsspektrum und widmete sich auch den zukünftigen Aufgaben der Klinik: „Dies alles sorgt für ein Gleichgewicht zwischen einer gemeindenahen Grundversorgung und Spezialangeboten von überregionaler Bedeutung," unterstrich Bahr.
Mit Blick auf den Standort als forensische Klinik stellte der Politiker fest: „Die Qualität der Arbeit dieses Fachkrankenhauses erfüllt hohe Ansprüche. Grundlage sind wissenschaftliche begründete Therapien und ein engagierter Einsatz der Behandlungsteams." Lorenz Bahr setzte sich auch mit der Geschichte der Klinik zur Zeit des Nationalsozialismus auseinander: „Mehr als 2.200 Patientinnen und Patienten wurden deportiert und nur wenige überlebten." Er appellierte, das Schicksal der ermordeten Patientinnen und Patienten namentlich zu erforschen, um diesen Menschen dadurch ihre Würde zurückzugeben.

Im Rahmen des Festaktes sprachen Lorenz Bahr als stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, Ministerin Barbara Steffens für die Landesregierung sowie Landrat Wolfgang Spreen und Bürgermeister Peter Driessen. (Foto: LVR, Kornblum)
Der Vertreter der Landschaftsversammlung Rheinland vermittelte auch das Bild der psychiatrischen Behandlung in den 60er und 70er Jahren, als in der LVR-Klinik Bedburg-Hau 3.800 Patientinnen und Patienten lebten und das Krankenhaus „aus allen Nähten platzte": „Um der Überbelegung zu begegnen wurde eine Reihe von Neubauten geplant. Die Baupläne sollten nicht nur die Bettenzahlen erhöhen, sondern auch die Umwandlung der Anstalt zum Krankenhaus vorantreiben", charakterisierte Bahr diese Zeit.
Geschichtlich wurde es auch, als Lorenz Bahr die unterschiedlichen Bezeichnungen der Klinik chronologisch erklärte: Angefangen als 8. Provinzial-, Heil- und Pflegeanstalt der Rheinprovinz, hieß die Klinik bis 1977 Landeskrankenhaus und dann Rheinische Landesklinik. Heute heißt sie LVR-Klinik Bedburg-Hau. Die Namensänderungen gingen auch einher mit einem Wechsel der Organisationsformen: Erst Außendienststelle des Landschaftsverbandes Rheinland, dann Eigenbetrieb in Trägerschaft des LVR. Gegenwärtig arbeitet die Klinik wie ein mittelständisches Unternehmen. Seit 1975 gab es zudem einen zuständigen Krankenhausausschuss, der die politische Verantwortung für den Betrieb der Klinik übernahm.

Im Anschluss an den Festakt wurden 13 Objekte aus dem Kunstprojekt "Gefangene Geheimnisse" mit Maßregelvollzugspatienten der LVR-Klinik Bedburg-Hau erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. NRW-Ministerin Barbara Steffens hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen, das noch eine Woche im Gesellschaftshaus der Klinik - nach Voranmeldung - besichtigt werden kann. (Foto: LVR, Kornblum)
Im Anschluss an den Festakt wurde das Maßregelvollzugs-Kunstwerk „Gefangene Geheimnisse" präsentiert. Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, unterstützt die Arbeit mit ihrer Schirmherrschaft. Unter der Leitung der Kölner Künstlerin Cony Theis, der Kunsttherapeutin Veronika Nowakowski und mit Hilfe des Psychiaters Dr. Dieter Pfaff ist eine künstlerische Arbeit aus 13 Holzwaben entstanden, in denen 13 forensische Patienten ihre Lebensgeschichten erzählen, porträtiert werden und sich selbst darstellen. Auf der Bühne des Gesellschaftshauses erklärten die Künstlerin Theis und Veronika Nowakowski zusammen mit den beteiligten Patienten die künstlerischen Arbeiten. Beteiligt daran sind die LVR-Klinik Bedburg-Hau, das LVR-Dezernat Klinikverbund und Verbund Heilpädagogischer Hilfen in Kooperation mit dem LVR-Landesmuseum Bonn sowie der Sozial- und Kulturstiftung des LVR, die das Projekt finanziell förderte und unterstützte.
Als Vertreter des Kreises und der Stadt Bedburg-Hau richteten Landrat Wolfgang Spreen sowie Bürgermeister Peter Driessen Grußworte an die Festgäste.
Eine Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Klinik wird voraussichtlich im Herbst erscheinen.
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