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Wohnbezogene Hilfen im Rheinland: Daten und Fakten

Der LVR als Leistungsträger für Wohnhilfen

Das Land NRW hat 2003 entschieden, den beiden Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) die Zuständigkeit nicht nur für die Betreuung im Wohnheim sondern auch für ambulante Unterstützung in der eigenen Wohnung zu übertragen. Sie sind somit zuständig für alle wohnbezogenen Unterstützungsleistungen nach dem SGB XII.

Bis dahin gab es nicht in jedem Kreis oder jeder Stadt für Menschen mit einer Behinderung die Möglichkeit, ambulante Unterstützung in der eigenen Wohnung zu bekommen. Da es in ihrem Wohnort keine andere Unterstützungsmöglichkeit gab, blieb vielen Menschen mit Unterstützungsbedarf nur die Möglichkeit in ein Wohnheim zu ziehen, obwohl sie eigentlich in einer eigenen Wohnung hätten leben können und wollen.

Da Unterstützung in einem Wohnheim oft teurer ist als ambulante Hilfe, sind auch die Kosten für stationäre Hilfen stetig angestiegen. Zudem lässt die demographische Entwicklung einen Anstieg der Zahl erwachsener Menschen mit Behinderung erwarten, für die Unterstützungsleistungen bereitgestellt und finanziert werden müssen.

Mit der Übertragung der Zuständigkeit für alle Wohnhilfen an die Landschaftsverbände verband das Land NRW u.a. die Zielsetzung, den Ausbau ambulanter Hilfe zu verbessern, dafür Sorge zu tragen, dass es in allen Kreisen und Städten ambulante Unterstützungsmöglichkeiten gibt und der steigenden Zahl von Menschen, die in ein Wohnheim ziehen, und damit auch den steigenden Kosten entgegenzuwirken.

Mehr selbstständiges Wohnen

Dem LVR ist es seitdem gelungen, sichtbare Erfolge bei der Weiterentwicklung der Wohnhilfen für Menschen mit Behinderung zu erzielen. Heute können deutlich mehr Menschen mit Behinderung selbstständig, mit ambulanter Unterstützung, wohnen und leben. Allein, als Paar, oder in einer Wohngemeinschaft – ganz wie der- oder diejenige es möchte.

Während zu Beginn der Zuständigkeitsverlagerung im Jahr 2003 nur rund 20 Prozent der Empfängerinnen und Empfänger von Wohnhilfen in den eigenen vier Wänden lebten, sind es heute gut 50 Prozent. Bei den Angeboten für ambulante Wohnunterstützung gibt es auch keine weißen Flecken mehr auf der Rheinland-Karte: In allen Städten und Kreisen im LVR-Gebiet finden Menschen mit Behinderung entsprechende Dienstleister. Über 600 Leistungsanbieter bieten nunmehr im Rheinland ambulante Unterstützungsleistungen für Menschen mit Behinderung an.

Platzabbau in Wohnheimen

Gleichzeitig konnten in den vergangenen Jahren Plätze in Wohnheimen abgebaut werden. Dies gelang insbesondere durch klare und ehrgeizige Zielvereinbarungen mit den Wohlfahrtsverbänden und Wohnheimträgern. Von 2005 bis 2010 wurden so mehr als 1.000 Wohnheimplätze abgebaut. Dieser Erfolg findet große Beachtung.

Steuerungsinstrumente des LVR

Weitere Instrumente, die der LVR entwickelt hat, um die Veränderungsprozesse gestalten und steuern zu können, sind z.B. der Individuelle Hilfeplan und die Hilfeplankonferenzen vor Ort in den Kreisen und Städten, die Implementierung von Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstellen (KoKoBe) in allen Kreisen und Städten des Rheinlands oder die Einführung der Fachleistungsstunde zur Finanzierung für die ambulanten Unterstützungsleistungen.

Kosten steuern

Durch die Erfolge beim Umsteuern von stationär nach ambulant und den Abbau von Heimplätzen werden der LVR und die Städte und Kreise im Rheinland ab 2010 jährlich um knapp sechs Millionen Euro entlastet.

Dennoch steigen die Kosten insgesamt weiter. Denn die Zahl der Menschen mit Behinderung, die Unterstützung im Bereich Wohnen benötigen, steigt jährlich im Rheinland um rund 3.000 Personen. Allerdings konnte durch die Umsteuerungsaktivitäten des LVR der zu erwartende hohe Kostenanstieg für die kommunalen Kassen zumindest abgemildert werden. 2010 hat der LVR rund zwei Milliarden Euro an Leistungen der Eingliederungshilfe für rund 60.000 Menschen mit Behinderung im Rheinland gezahlt.

Teilhabe ermöglichen: Menschen mit Behinderung als Experten in eigener Sache

Zentral bei der Arbeit des LVR steht jedoch die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Selbstbestimmung und Teilhabe sind Menschenrecht -für Menschen mit und ohne Behinderung. Dies bedeutet für den LVR nicht zuletzt, für eine Beteiligung der Menschen mit Behinderung „auf Augenhöhe“ zu sorgen. Menschen mit Behinderung wollen und sollen nicht länger Objekt wohlmeinender Fürsorge durch Fachleute sein.

Hier setzen z.B. der Individuelle Hilfeplan und die Arbeit der LVR-Fallmanagerinnen und -Fallmanager an: Menschen mit Behinderung sind gefragt, ihre Ziele selbst zu formulieren. Sie werden als Expertinnen und Experten für ihre eigene Lebensgestaltung angesehen. Fachleute stehen Ihnen zur Seite, wenn Sie hierbei Unterstützung brauchen.

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