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Was ist Klicksonar?

Mit Hilfe der Klicksonar-Methode können blinde Menschen ihre Umgebung "hören". Junge Kinder können schon nach dem Laufen-Lernen spielerisch an die Methode herangeführt werden.

Ein kleiner blinder Junge läuft mit einem Blindenlangstock an eine bunt bemalte Mauer entlang. Er hält einen Klickfrosch in der Hand.
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Foto: Lothar Kornblum / LVR

Beim Klicksonar wird mit der Zunge oder mit einem Klickfrosch ein Klick- oder Schnalzlaut erzeugt. Dieser wird von Gegenständen oder Gebäuden in der Umgebung als Echo reflektiert und gibt dem blinden Menschen Aufschluss darüber, wo und in welcher Entfernung sich die Dinge befinden. Aus dem zurückfallenden Echo eines scharfen Zungenklicks generiert das Gehirn ein differenziertes dreidimensionales Bild der Umgebung, ähnlich wie bei sehenden Menschen. Bei jedem Zungenklick wird die Umwelt blitzartig festgehalten, daher auch der Name der Methode Klicksonar, englisch Flash Sonar.

Echoortung im Tierreich

Das Vorbild für diese Technik findet man in der Natur: Delfine und Fledermäuse orientieren sich in der Dunkelheit mit einem ganz ähnlichen Verfahren. So senden Fledermäuse Ultraschallwellen aus und können anhand des Echos sogar Insekten präzise lokalisieren, ohne sie zu sehen.

Technik wird weltweit angewandt

Die Methode des Klicksonars hat der US-Amerikaner Daniel Kish bekannt gemacht, der mit einem Jahr erblindete und von seinen Eltern zu einem möglichst hohen Maß an Selbstständigkeit erzogen wurde. Mittlerweile gibt der Entwicklungspsychologe Seminare in über 30 Ländern der Welt – er selbst hat mit Hilfe von Klicksonar sogar das Fahrradfahren erlernt. In Deutschland setzt sich der Berliner Verein "Anderes Sehen" e.V. für die Einführung und Verbreitung der Methode aktiv ein.

Klicksonar in Kombination mit Langstock

Klicksonar ist ergänzend zum Mobilitätstraining mit dem Langstock anzuwenden, weil abfallende Kanten, Oberflächen mit flacheren Winkeln, Löcher sowie sehr kleine oder schmale Objekte kaum Echoresonanz verursachen. In dieser Hinsicht bleibt der Blindenstock unerlässlich. Internationale Fachkräfte empfehlen daher, das Langstocktraining ab dem Laufen-Lernen im zweiten Lebensjahr spielerisch mit der Echolokalisation zu kombinieren.

Schon in jungem Alter anfangen

Die Methode funktioniert und kann bereits von jungen Kindern ab einem Alter von etwa zwei Jahren erlernt werden. Seit 2011 werden beispielsweise am Frühförderzentrum der LVR-Severin-Schule in Köln blinde Kinder zwischen zwei und sechs Jahren mit großem Erfolg in der Anwendung von Klicksonarunterrichtet.

Diese Erfolgsgeschichte setzt der LVR mit seinem neuen Projekt fort und weitet sie auf vier weitere Frühförderstellen aus. Am 01.02.2016 fiel der Startschuss für das Projekt "Mit den Ohren sehen – Klicksonar an den LVR-Förderschulen".