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Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ im LVR-Landeshaus in Köln eröffnet

Multimediale Ausstellung und Rahmenprogramm läuft vom 17.04. – 22.06.2015 / Jürgen Wilhelm: „Aufarbeitung der Nazi-Psychiatrie („Euthanasie“) ist ein notwendiger Akt der Glaubwürdigkeit des LVR“ / Ausstellung mit vielen barrierefreien Angeboten für Menschen mit Behinderungen

Köln. 17. April 2015. Welchen Wert hat das Leben des Einzelnen? Im Nationalsozialismus galten Menschen mit Behinderungen und Nervenkrankheiten als Belastung für die „Volksgemeinschaft“. Sie wurden deshalb gnadenlos verfolgt.
Ihrem Schicksal – aber auch den Täterinnen und Tätern – widmet sich die Wanderausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“, die ab heute im Landeshaus des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in Köln-Deutz zu sehen ist.

„Für den Landschaftsverband Rheinland sind die Ausstellung und das umfangreiche Begleitprogramm Teil der Aufarbeitung der Geschichte seiner Vorgängerorganisation, dem Rheinischen Provinzialverband mit seinen damals sechs Heil- und Pflegeanstalten. Denn wenn der LVR heute als Anwalt für psychisch kranke Menschen und Menschen mit Behinderung agiert, kann er das nur glaubwürdig tun, wenn auch die schrecklichen Abschnitte der Vergangenheit während der Nazizeit benannt werden“, erläuterte Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, bei der gestrigen feierlichen Eröffnung der Ausstellung.

Vier Personen stehen vor einem Ausstellungsplakat
V.l.n.r.: Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland), Ulrike Lubek (LVR-Direktorin), Dr. Ralf Seidel (ehem. ärztlicher Direktor LVR-Klinik Mönchengladbach), Prof. Dr. Frank Schneider (Vorstandsmitglied DGPPN). Foto: Marion Koell / LVR

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus stand lange nicht auf der Agenda der psychiatrischen Fachgesellschaft in Deutschland. Dabei gehört diese Zeit zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte der deutschen Medizin“, erläutert Prof. Dr. Frank Schneider, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Projektleiter der Ausstellung.

Bis zu 400.000 Menschen wurden ab 1934 gegen ihren Willen sterilisiert, mehr als 200.000 in den damaligen Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Dies geschah inmitten der deutschen Gesellschaft. Bei der Selektion der Patientinnen und Patienten stand der vermeintliche „Wert“ des Menschen im Vordergrund. Psychiater, Neurologen, Kinder- und andere Fachärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsfachleute urteilten nach Maßgabe von „Heilbarkeit“, „Bildungsfähigkeit“ oder „Arbeitsfähigkeit“ über die ihnen Anvertrauten.

An die Opfer wollte nach 1945 für lange Zeit kaum jemand erinnern. Auch in vielen betroffenen Familien wurde ihre Geschichte verschwiegen. Manche Täter und Tatbeteiligte setzten hingegen ihre Karrieren im Nachkriegsdeutschland nahtlos fort.

Die Wanderausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ richtet sich gezielt an ein breites Publikum. Sie ist durchzogen von der Frage nach dem Wert des Lebens und beschäftigt sich mit den gedanklichen und institutionellen Voraussetzungen der Morde, sie fasst das Geschehen von Ausgrenzung und Zwangssterilisationen bis hin zur Massenvernichtung zusammen und beschäftigt sich exemplarisch mit Opfern, Täterinnen und Tätern, Tatbeteiligten sowie Opponenten.

Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet die Gegenwart. In 15 Videointerviews reflektieren Angehörige von Opfern, Patientinnen und Patienten, Ärzte und Pflegepersonal die damaligen Geschehnisse und deren Bedeutung für sie persönlich.

Die Ausstellung wird umrahmt von einem umfangreichen Begleitprogramm mit Vorträgen und Führungen, das der LVR in Kooperation mit der Stadt Köln und dem Landesbehindertenrat NRW organisiert hat. Dazu gehören beispielsweise Besichtigungen des Denkmals der „Grauen Busse“, mit dem der LVR an den Massenmord an fast 10.000 Psychiatriepatientinnen und –patienten während des Nationalsozialismus erinnert.

Ausstellungsplakat

Praktische Informationen zur Ausstellung und zu Materialien:

Die Ausstellung im LVR-Landeshaus (Kennedy-Ufer 2, 50679 Köln) ist geöffnet:

  • Mo. bis Fr. 9 bis 18 Uhr
  • an Wochenenden und an Feiertagen 9 bis 15 Uhr

Anmeldungen zu Führungen unter info@kulturinfo-rheinland.de oder 02234 9921555.

Zur Ausstellung sind ein umfangreicher Katalog sowie eine Broschüre in leichter Sprache erschienen. Weitere barrierefreie Angebote sind ausleihbare Medienguides mit Videos für gehörlose Menschen in deutscher Gebärdensprache und Audioguides in leicht verständlicher Sprache und für Menschen mit Sehbehinderungen.

Informationen zum Rahmenprogramm gibt es unter www.erfasst-verfolgt-vernichtet.lvr.de

Pressebilder zur Ausstellung erhalten sie unter www.dgppn.de/ausstellung oder per Mail (karin.knoebelspies@lvr.de). Die Pressebilder dürfen ausschließlich im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Wanderausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ und nur mit entsprechenden Quellenangaben verwendet werden.

Ansprechpartnerin für redaktionelle Rückfragen:

Landschaftsverband Rheinland
LVR-Fachbereich Kommunikation
Karin Knöbelspies
Tel 0221 809-7714
Mail karin.knoebelspies@lvr.de

Bilddownloads:

  1. Vier Personen stehen vor einem Ausstellungsbanner

    V.l.n.r.: Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland), Ulrike Lubek (LVR-Direktorin), Dr. Ralf Seidel (ehem. ärztlicher Direktor LVR-Klinik Mönchengladbach), Prof. Dr. Frank Schneider (Vorstandsmitglied DGPPN). Foto: Marion Koell / LVR

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  2. Ausstellungsplakat

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  3. Inschrift "Wohin bringt ihr uns?" auf dem Denkmal der Grauen Busse. Im Hintergrund: Die Silhoutte des Kölner Doms.

    Denkmal der "Grauen Busse" vor dem Landeshaus in Köln-Deutz. Foto: Lothar Kornblum / LVR

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