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26. Juli 2021 | Kultur
Archive im Rheinland: Hilfe nach dem verheerenden Unwetter
LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum koordiniert und unterstützt vor Ort

Pulheim-Brauweiler. 26. Juli 2021. Die Unwetterkatastrophe in weiten Teilen Westdeutschlands hat auch in zahlreichen Archiven im Rheinland große Schäden verursacht. Bereits am nächsten Tag erreichten das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ), den Ansprechpartner für die nichtstaatlichen Archive im Rheinland, erste Schadensmeldungen. Seitdem sind die Kolleginnen und Kollegen des LVR-AFZ in Brauweiler unermüdlich im Einsatz. Vier Teams mit jeweils zwei bis vier Personen sind an unterschiedlichen Orten präsent. Zusätzlich koordiniert das LVR-AFZ die Einsätze, Hilfsangebote und Materialbeschaffung.

Durch die in Brauweiler eingehenden Informationen und die Einsätze vor Ort zeichnet sich ein erster Eindruck von der Schadenslage ab. In einigen Archiven sind die gesamten Bestände durch Wasser, Schlamm und Schadstoffe durchnässt und verunreinigt. Hinzu kommen erhebliche Schäden durch mechanische Einwirkungen wie Schutt, Geröll oder zusammengebrochene Regalanlagen.

Zu den schwer geschädigten Archiven zählen unter anderem die Kommunalarchive in Stolberg, Kall, Bad Münstereifel, Leichlingen und das Archiv des Nationalparks Eifel in Gemünd. Dort sind die Bestände in ihrer Gesamtheit betroffen. Die Schadensbilder sind vielfältig. Das Ausmaß der Schäden und damit auch die zu erwartenden Kosten für die konservatorische Behandlung lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Dies ist erst nach Abschluss der Bergungsarbeiten möglich, sobald ein Überblick über die Menge des konservatorisch zu behandelnden Archivguts und die Art der Schäden gewonnen ist.

Die Bedingungen für den Einsatz an den besonders betroffenen Orten sind außerordentlich schwierig. Einzelne Orte sind nur schwer zu erreichen, da die Zufahrtstraßen zerstört sind. Für eine angemessene Bergung und konservatorische Erstversorgung fehlt es in der Regel bereits an den wesentlichen Voraussetzungen: Es gibt kein klares Wasser zum Abwaschen des Schmutzes und keinen Strom. Die Unterlagen sind von Wasser, Schlamm, Schadstoffen (v.a. Öl) und Fäkalien durchtränkt. Durch die Kraft des Hochwassers wurden selbst Rollregale verbogen, verschoben und weggespült. Der Zugang zu den Archivalien ist daher oft erst nach dem Einsatz von schwerem Gerät zur Räumung möglich.

Ziel der Arbeiten ist eine möglichst vollständige Bergung der Archivunterlagen. Danach folgt eine notdürftige Reinigung (Abspülen), das Einwickeln mit Stretchfolie, die Ablage in Boxen und der Transport in ein Kühlhaus zum Einfrieren. Zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt eine Gefriertrocknung der Unterlagen – ein Verfahren, um durchnässtes Archivgut wiederherzustellen. Hierfür stehen spezielle Anlagen, unter anderem bei der Stadt Köln und im Bundesarchiv in Koblenz, zur Verfügung. Anschließend wird das getrocknete Archivgut gereinigt und neuverpackt. Nach Möglichkeit werden im Zuge der Erstversorgung Bergungslisten erstellt.

Erfreulicherweise sind die Archive, selbst in den besonders stark betroffenen Regionen wie den Kreisen Euskirchen, Rhein-Erft, Rhein-Sieg und Düren, nicht flächendeckend geschädigt. So blieben, aufgrund ihrer Lage, auch Archive in besonders stark überfluteten Städten und Gemeinden wie Erftstadt, Rheinbach und Swisttal verschont. In den beiden letztgenannten Orten sind jedoch die städtischen Aktenkeller vom Hochwasser getroffen worden. Auch hier bergen Helfer mit Unterstützung des LVR-AFZ Unterlagen, die für die Tätigkeit der Stadtverwaltung noch dringend benötigt werden, zum Beispiel Bebauungspläne und Personalakten.

Einsatz, Beratung und Koordinierung der Hilfsleistungen
Die Leitung der Einsätze in den Archiven übernehmen die örtlichen Archivkräfte. Externe Kräfte sind vor allem beratend tätig. Wo örtliche Mitarbeitende nicht einsatzfähig sind, übernimmt das LVR-AFZ die Koordination.

Das LVR-AFZ leistet nicht nur Hilfe vor Ort: In einem derzeit leerstehenden Gebäude des LVR konnte ein provisorisches Reinigungszentrum und Zwischenlager eingerichtet werden, in dem besonders anspruchsvoll zu bearbeitende Unterlagen (v.a. Urkunden und Pläne) vorgereinigt und zum Trocknen ausgelegt werden. Andere Unterlagen werden für die Gefriertrocknung vorbereitet. Das LVR-AFZ bemüht sich außerdem um zentrale Lagerflächen.

Zusätzlich unterstützen Mitarbeitende kommunaler Archive, deren Häuser nicht betroffen sind (Aachen, Bonn, Bornheim, Köln, Meckenheim, Siegburg u.a.), die Hilfseinsätze.

Weitere Hilfsangebote aus dem In- und Ausland
Das LVR-AFZ erreichen auch zahlreiche Hilfsangebote von nicht betroffenen Archiven und Einrichtungen aus dem In- und Ausland. Kurz nach Bekanntwerden der Katastrophe meldete sich als erstes das Bundesarchiv. Neben vielen nichtstaatlichen Archiven im Rheinland haben auch Archive und Bibliotheken aus Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Frankreich und Italien sowie die Fachhochschule Potsdam und das Landesarchiv NRW ihre Unterstützung angeboten. Schon jetzt ist abzusehen, dass auch bei der späteren konservatorischen Behandlung der getrockneten Archivalien Hilfe benötigt wird.

Kontakt und Information zum LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) bietet seit 1929 Serviceleistungen für die nichtstaatlichen Archive im Rheinland an. Zu seinen Partnern und Kunden zählen die Archive von Kommunen, Adel, Wirtschaft, Kirchen, Vereinen, Verbänden und Stiftungen. Etwa 580 Archive nehmen den Service des LVR-AFZ für die nichtstaatlichen Archive im Rheinland in Anspruch. Das Team der Archivberatung steht ihnen in allen archivfachlichen Fragen mit seinem Know-how als Ansprechpartner zur Verfügung.

Koordination der Notfallhilfen beim LVR-AFZ:
Zentrale Rufnummer 02234 9854-225
Matthias Senk 02234 9854-248, matthias.senk@lvr.de
Bettina Rütten 02234 9854-237, bettina.ruetten@lvr.de
Weitere Informationen:
www.afz.lvr.de

Pressekontakt:
Natalie Bußenius
Landschaftsverband Rheinland
LVR-Fachbereich Kommunikation
Tel. 0221 809-3563
Mail natalie.bussenius@lvr.de

Vom Hochwasser zerstörtes Archivgut im Stadtarchiv Bad Münstereifel, Foto: LVR-AFZ
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Aktuelle Informationen des LVR zum Coronavirus finden Sie auf unserer Sonderseite www.lvr.de/corona
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Über den LVR:

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 20.000 Beschäftigten für die 9,7 Millionen Menschen im Rheinland. Mit seinen 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, dem Landesjugendamt sowie dem Verbund Heilpädagogischer Hilfen erfüllt er Aufgaben, die rheinlandweit wahrgenommen werden. Der LVR ist Deutschlands größter Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich für Inklusion in allen Lebensbereichen. „Qualität für Menschen“ ist sein Leitgedanke.

Die 13 kreisfreien Städte und die zwölf Kreise im Rheinland sowie die StädteRegion Aachen sind die Mitgliedskörperschaften des LVR. In der Landschaftsversammlung Rheinland gestalten gewählte Mitglieder aus den rheinischen Kommunen die Arbeit des Verbandes.

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