LVR-Fachtagung diskutiert Wege zu besserem Gewaltschutz in der Eingliederungshilfe
 
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09. November 2022 | Soziales

Von Prüfpflichten, Beziehungsarbeit, Fachkräftemangel und Partizipation

LVR-Fachtagung diskutiert Wege zu besserem Gewaltschutz in der Eingliederungshilfe
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Rheinland/Köln, 9. November 2022. Mehr als 600 Fachleute aus dem Bereich der Leistungen für Menschen mit Behinderungen verfolgten am Montag (7. November 2022) live im LVR-Landesmuseum Bonn oder im Online-Stream eine Fachtagung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zum Gewaltschutz in der Eingliederungshilfe. In Fachvorträgen und Gesprächsrunden wurden unterschiedliche Ansätze und Handlungsfelder zur Verbesserung von Prävention und Schutz vor Gewalt diskutiert – und zwar sowohl im Hinblick auf die Menschen mit Behinderung als auch auf die Mitarbeitenden in den Einrichtungen und Diensten.

LVR-Direktorin Ulrike Lubek machte direkt zur Einführung klar: „Gewaltschutz ist keine Wohltätigkeit, sondern die Umsetzung von Menschenrechten für alle.“ Der LVR beschäftige sich seit mehreren Jahren sehr intensiv mit dem Thema und stelle sich und sein Handeln dabei auch selbstkritisch auf den Prüfstand. Bei der gerade gestarteten Landesinitiative Gewaltschutz in NRW werde man sich aktiv beteiligen und Impulse für die Diskussion einbringen. So sei das erklärte Ziel der Initiative, in gemeinsamer Zusammenarbeit mit Institutionen der Selbsthilfe und Selbstvertretungen, der Leistungsträger und Leistungsanbieter sowie dem Land den Gewaltschutz in Einrichtungen und Diensten der Eingliederungshilfe in NRW zu verbessern und die Behindertenhilfe weiterzuentwickeln.

Impulse für die fachliche Diskussion gab es zahlreiche in der Tagung: von den Handlungsansätzen der Expertenkommission unter Leitung von Günter Garbrecht über die Vorstellung eines Beratungsansatzes durch Externe in besonderen Krisensituationen, bei der die Bedürfnisse der Klient*innen und die Beziehungsarbeit zu den Mitarbeitenden im Mittelpunkt stehen, den Überlegungen zu gemeinsamen Prüfungen von WTG-Behörde und Landschaftsverbänden und den Ansätzen in den eigenen heilpädagogischen Einrichtungen des LVR zu Partizipation und Personalentwicklung bis hin zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen zur Dezentralisierung von Wohnangeboten aus den USA und Kanada.

In einer Podiumsdiskussion zogen LVR-Sozialdezernent Dirk Lewandrowski, die LVR-Dezernentin für den Klinikverbund und den Verbund Heilpädagogischer Hilfen, Martina Wenzel-Jankowski, der Koordinator der Landesinitiative Gewaltschutz, Thomas Wallenhorst, und Bärbel Brüning als Vertreterin der Selbsthilfe NRW ihr Fazit aus der Tagung und den Diskussionen und benannten ihre jeweiligen Schwerpunkte. Für Wenzel-Jankowski lauten die wichtigsten Veränderungshebel „Partizipation, Personenzentrierung und Empowerment“, die auch für Lewandrowski zentral sind. Er betonte zudem die Bedeutung der individuellen Bedarfsermittlung als Grundlage für die Gestaltung von passgenauen Unterstützungssettings gerade auch für Menschen mit herausforderndem Verhalten und nannte als Haupthindernis den Fachkräftemangel: „Individuelle Unterstützungs-Settings scheitern meist nicht an den Finanzen, sondern am Personal“, so seine Erfahrung. Wallenhorst benannte als einen Baustein seiner Arbeit, Beispiele guter Praxis aus NRW bekannt zu machen, und lud ein, ihm entsprechende Informationen zukommen zu lassen. Brüning betonte die Notwendigkeit unterschiedlicher Ansätze, um den vielen verschiedenen Facetten von Gewalt und den unterschiedlichen Zielgruppen gerecht werden zu können. Die guten Erfahrungen mit der Vernetzung der Werkstatträte müssten zudem auf die Nutzerbeiräte in den besonderen Wohnformen und die Unterstützungsbedarfe in ambulanten Betreuungsformen ausgeweitet werden.

Die Fachtagung des LVR war Ergebnis eines politischen Auftrags der Landschaftsversammlung Rheinland. Martina Zsack-Möllmann, Vorsitzende des Sozialausschusses, und Ute Krupp, Vorsitzende des Ausschusses für den HPH-Verbund, freuten sich über die rege Teilnahme und das große Interesse der unterschiedlichen Akteur*innen in der Eingliederungshilfe an der Tagung und am Thema. Ein besserer Gewaltschutz sei eine Mammutaufgabe, die unter anderem auch durch bessere Kooperation und Vernetzung verschiedener Systeme, auch zum Beispiel des medizinischen und psychotherapeutischen Bereichs, bearbeitet werden müsse.

Der Online-Stream der Fachtagung steht drei Monate unter folgendem Link zur Verfügung: www.lvr.de/gewaltschutztagung

 

Fotos zum Download

Martina Wenzel-Jankowski, LVR-Dezernentin für den Klinikverbund und den Verbund Heilpädagogischer Hilfen, LVR-Sozialdezernent Dirk Lewandrowski, der Koordinator der Landesinitiative Gewaltschutz, Thomas Wallenhorst, und Bärbel Brüning (v.l.n.r.) als Vertreterin der Selbsthilfe NRW zogen in einer von Tina Kraus (M.) moderierten Podiumsdiskusson ihr Fazit aus der Tagung.
Foto: Geza Aschoff / LVR
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Die Fachtagung des LVR war Ergebnis eines politischen Auftrags der Landschaftsversammlung Rheinland. Bei den unterschiedlichen Akteur*innen in der Eingliederungshilfe stieß diese auf sehr großes Interesse. Auf dem Foto sind nur einige der Teilnehmenden zu sehen.
Foto: Geza Aschoff / LVR
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Pressekontakt

Michael Sturmberg

Pressereferent
LVR-Dezernat Schulen, Inklusionsamt, Soziale Entschädigung
LVR-Dezernat Soziales

 

Über den LVR

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 21.000 Beschäftigten für die 9,7 Millionen Menschen im Rheinland. Mit seinen 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, dem Landesjugendamt sowie dem Verbund Heilpädagogischer Hilfen erfüllt er Aufgaben, die rheinlandweit wahrgenommen werden. Der LVR ist Deutschlands größter Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich für Inklusion in allen Lebensbereichen. „Qualität für Menschen“ ist sein Leitgedanke.

Die 13 kreisfreien Städte und die zwölf Kreise im Rheinland sowie die StädteRegion Aachen sind die Mitgliedskörperschaften des LVR. In der Landschaftsversammlung Rheinland gestalten gewählte Mitglieder aus den rheinischen Kommunen die Arbeit des Verbandes.