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02. Februar 2018 | Kultur
Weseler Karnevalstreiben im Blick
Künftiges LVR-Niederrheinmuseum Wesel zeigt Grafiken mit Fastnachtsbräuchen des Spätmittelalters

Wesel./Köln. 2. Februar 2018. Wenn in den nächsten Tagen die Karnevalsjecken auch in Wesel wieder das Kommando übernehmen, kommt wohl nur wenigen in den Sinn, dass die Bräuche rund um diese Tradition auch schon im Spätmittelalter eine Rolle spielten. Wer sich davon ein Bild machen möchte, kann dies bald schon in der Sonderausstellung „Wesel und die Niederrheinlande. Schätze, die Geschichte(n) erzählen" im künftigen LVR-Niederrheinmuseum, das am 18. März nach Sanierung wieder öffnet. Neben vielen Weseler Zeugnissen, können Interessierte dann die Narrenpredigten des damals populären Volkspredigers Johannes Geilers (1445–1510) kennenlernen. Johannes Geilers deckte Laster und Mängel seiner Zeit schonungslos auf und schreckte nicht davor zurück, Klerus und Ordensgeistliche wie auch die weltliche Obrigkeit auf sarkastische Weise an den Pranger zu stellen.

In dem Weseler Exemplar der Geilerschen Narrenpredigten von 1511 finden sich viele der zahlreichen Holzschnitte – eine Art grafische Narrentypologie. Wohl aus dem Kreis der Weseler Mönche legte man in einigen Fällen Hand an diese Darstellungen und fügte wie im Comicstrip über den Köpfen der Narrengestalten Redepassagen in roter Schrift hinzu oder färbte Bilddetails rot ein. Auch der Text Geilers wurde bei den Weseler Dominikanern mit roter Tinte kräftig durchgearbeitet: Wohl ein Beleg, dass auch hier das Bewusstsein einer grundlegenden Reform von Kirche und christlicher Gesellschaft vorhanden war.

Natürlich darf in dieser Narrentypologie der „Fastnachtsnarr“ nicht fehlen. Auch in Wesel herrschte an den närrischen Tagen ein buntes Treiben. Spätestens am Vorabend des letzten Sonntags vor Beginn der Fastenzeit pflegte der Weseler Rat, städtische und außerstädtische Prominenz zu einem Festschmaus auf das Rathaus oder in Gaststätten einzuladen. Bei diesen Gelagen waren Fastnachtsscherze ein fester Programmpunkt.

So ist für 1542 belegt, dass der Rat den Stadtboten und anderen Gästen die Haare scheren und ihnen anschließend ein „rotes oirmußken“, eine Kappe mit Mäuseohren, aufsetzen ließ. Das Fastnachtstreiben des Weseler Stadtvolkes fand übrigens erst später, am Fastnachtsdienstag oder Aschermittwoch, seinen Höhepunkt. Hierzu gehörte auch ein Turnier geharnischter Reiter auf dem Großen Markt, bei dem es galt, mit der an der Spitze abgerundeten Lanze eine Wanne zu treffen: Ein Schauspiel, das dann später mit der Hatz auf eine Gans fortgesetzt wurde. Unter der protestantischen Stadtherrschaft bis Ende des 16. Jahrhunderts erfuhr das Fastnachtsbrauchtum kaum merkliche Einschränkungen. Einige Anzeichen sprechen dafür, dass dies unter der reformierten Herrschaft Anfang des 17. Jahrhunderts anders wurde.

Ab dem 18. März sind diese und andere Bräuche im künftigen LVR-Niederrheinmuseum Wesel in der Ausstellung „Wesel und die Niederrheinlande. Schätze, die Geschichte(n) erzählen" für alle zu sehen.

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Pressekontakt:

Birgit Ströter
LVR-Fachbereich Kommunikation
Tel. 02 21 / 809 - 77 11

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"Fastnachts-Narren" aus: Johannes Geiler von Kaysersberg, Navicula sive Speculum fatuorum, Straßburg 1511, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
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