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15. Oktober 2019 | Jugend
Kinderarmut: „Finanzielle Armut ist nicht selbstverschuldet“
Einladung zur Berichterstattung: Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober 2019 / Interview mit Alexander Mavroudis, Leiter der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut

Die Vereinten Nationen erklärten 1992 den 17. Oktober zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut. Wie steht es aktuell um die Kinder- und Jugendarmut in Deutschland?

Einerseits gibt es inzwischen viele verschiedene sozialpolitische Initiativen zum Thema Kinderarmut. Andererseits bleiben die Armutszahlen trotz wachsender Konjunktur in den letzten Jahren relativ konstant: Etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen wachsen in Deutschland in finanzieller Armut auf. Das ist sehr beunruhigend und zeigt, dass mit den bisherigen Maßnahmen noch nicht wirklich die Ursachen von Armut angegangen wurden, zu denen zum Beispiel der Niedriglohnsektor gehört.

Wie wirkt sich Armut konkret auf den Alltag eines Kindes oder Jugendlichen aus?

Finanzielle Armut kann die Teilhabe in allen Bereichen des Aufwachsens beeinträchtigen. Kinder und Jugendliche haben das Gefühl, einen unsichtbaren „Armutsrucksack“ zu tragen, der behindert, sie runterdrückt. Ein Beispiel: Wer nicht an sportlichen Aktivitäten oder Freizeitangeboten teilnehmen kann und wenig Zuversicht in die Zukunft hat, fühlt sich ausgeschlossen.

Was tut die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut, um die Folgen von Kinder- und Jugendarmut abzumildern?

Wir arbeiten eng mit den Jugendämtern der Kommunen im Rheinland zusammen und unterstützen sie dabei, Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien bedarfsgerecht auszubauen und besser aufeinander abzustimmen. In Netzwerken der Kommunen tauschen engagierte Fachkräfte kontinuierlich Wissen und Erfahrungen aus. Die Präventionsarbeit des LVR und der Jugendämter unterstützt gelingendes Aufwachsen – verändert aber nicht die finanzielle Armut der Familien.

Was kann jeder einzelne gegen Kinder- und Jugendarmut tun?

Da hätte ich drei ganz konkrete Tipps: Erstens armutssensibel sein, also nicht die Augen vor finanzieller Not verschließen, beispielsweise, wenn in der Schule Klassenfahrten oder Ausflüge geplant werden. Zweitens versuchen, Stigmatisierungen zu verhindern: Finanzielle Armut ist eben in der Regel nicht selbst verschuldet. Drittens, den Menschen wertschätzend begegnen und dort Unterstützung anbieten, wo sie selbst diese wünschen. Sie sind Experten in eigener Sache und können deshalb am besten sagen, welche Hilfen sie benötigen. Deshalb ist Beteiligung ganz wichtig!

Weitere Informationen
www.kinderarmut.lvr.de

Ansprechpartner für redaktionelle Rückfragen:

Till Döring
LVR-Fachbereich Kommunikation
Telefon: 0221 809-7737
Mail: till.doering@lvr.de

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Porträt von Alexander Mavroudis "Die Präventionsarbeit des LVR und der Jugendämter unterstützt gelingendes Aufwachsen", sagt Alexander Mavroudis im Interview. Foto: Uwe Weiser / LVR
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Über den LVR:

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 20.000 Beschäftigten für die 9,7 Millionen Menschen im Rheinland. Mit seinen 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, dem Landesjugendamt sowie dem Verbund Heilpädagogischer Hilfen erfüllt er Aufgaben, die rheinlandweit wahrgenommen werden. Der LVR ist Deutschlands größter Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich für Inklusion in allen Lebensbereichen. „Qualität für Menschen“ ist sein Leitgedanke.

Die 13 kreisfreien Städte und die zwölf Kreise im Rheinland sowie die StädteRegion Aachen sind die Mitgliedskörperschaften des LVR. In der Landschaftsversammlung Rheinland gestalten gewählte Mitglieder aus den rheinischen Kommunen die Arbeit des Verbandes.

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