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26. Juni 2020 | Kultur
Einzigartige archäologische Anlage entdeckt
Bei Swisttal wurde erstmalig im Rheinland eine Kreisgrabenanlage gefunden

Swisttal-Ollheim. 25. Juni 2020. Im Rhein-Sieg-Kreis untersuchen die Archäologinnen und Archäologen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) einen für die Region bislang einzigartigen Fundplatz. Bei Swisttal-Ollheim stießen sie auf drei kreisförmig angelegte Gräben, die konzentrisch um einen zentralen Innenbereich herum verlaufen. Bisher sind die genaue Funktion und vor allem die Datierung dieser im Außendurchmesser circa 65 Meter großen Anlage noch unklar. Aus diesem Grund führt das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR) derzeit eine Ausgrabung an diesem besonderen Fundplatz durch, um nähere Erkenntnisse zu gewinnen.

Vergleichbare Grabenkonstruktionen sind aus Sachsen-Anhalt, Bayern und vor allem Österreich bekannt. Diese Anlagen variieren in ihrem Aussehen hinsichtlich der Anzahl von Gräben und der Position der Unterbrechungen in den Grabenverläufen. Oftmals gibt es auch noch zusätzlich Palisaden und Wälle. Allen gemeinsam ist allerdings die Kreisform der Gräben. „Über die Funktion dieser Anlagen wird in der Forschung viel diskutiert. Die Vermutungen reichen von Befestigungsanlagen über Kultplätze bis hin zu astronomischen Observatorien“, erläutert Dr. Erich Claßen, Leiter des LVR-ABR. „Über die Anlage in Ollheim wissen wir aber derzeit noch zu wenig, um sie einordnen zu können.“ Die bisher bekannten Fundplätze mit drei Kreisgräben datieren hauptsächlich in die mittlere Jungsteinzeit. Daher ist es naheliegend, dass auch die Anlage bei Ollheim aus dieser Zeit stammt (im Rheinland circa 4900 bis 4300 vor Christus). „Sicher können wir uns da aber erst sein, wenn wir aussagekräftige Funde in der Hand halten, die eine Datierung erlauben“, so Claßen.

Bereits 2015 wurde die Kreisgrabenanlage vom Luftbildfotografen Andreas Schmickler entdeckt. Aus Flugzeugen aufgenommene Fotos lassen archäologische Strukturen im Boden anhand von Merkmalen im Bewuchs auf Feldern und Wiesen sichtbar werden. Je nachdem, welche Überreste sich im Boden verbergen, wachsen Pflanzen darauf unterschiedlich gut und geben so indirekt ein Abbild der Strukturen im Boden wieder. Auch die drei kreisförmigen Gräben in Ollheim sind auf diese Weise auf der Oberfläche sichtbar. Aufgrund der Luftbilder wurden vor Ort über die Jahre verschiedene zerstörungsfreie Untersuchungen durchgeführt. Unter anderem wurde eine geomagnetische Prospektion vorgenommen. Bei dieser Methode können mithilfe des Erdmagnetfelds Bodenstrukturen nachgewiesen werden. Auf diese Weise konnten die Gräben aus dem Luftbild bestätigt werden ohne in den Boden einzugreifen.

Doch um die Funktion der Anlage und ihr Alter zu bestimmen, ist es notwendig eine Ausgrabung vorzunehmen. „Leider ist die Kreisgrabenanlage nicht mehr vollständig erhalten“, erklärt Dr. Jens Berthold, Leiter der zuständigen Außenstelle Overath des LVR-ABR. „Insbesondere in der Mitte der Anlage stören moderne Überbauungen den Befund.“ Die Expertinnen und Experten des LVR sind dennoch optimistisch, genügend Informationen zum Auswerten nach Abschluss der Ausgrabungen zu gewinnen.

Für die Grundlage dieser Auswertung sorgt gegenwärtig Alexandra Ziesché, die unter der wissenschaftlichen Leitung von Jens Berthold die Grabung zusammen mit weiteren Kollegen vornimmt. Für sie ist dies nicht nur wegen der einzigartigen Kreisgrabenanlage ein besonderes Projekt. Sie absolviert beim LVR-ABR eine Fortbildung zur Grabungstechnikerin und führt in Ollheim ihre Prüfungsgrabung durch. „Die im Luftbild und in der Geomagnetik sichtbaren Gräben haben wir durch die Ausgrabungen erfasst“, führt Ziesché an. „Wir hoffen, dass wir durch die Untersuchungen vor Ort bald mehr über die Anlage sagen können.“

Bilder zum Download:
Vor Ort auf der Grabung präsentieren Dr. Erich Claßen (re.), Alexandra Ziesché und Dr. Jens Berthold vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen in Swisttal-Ollheim. Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
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Auch bei sommerlichen Temperaturen gehen Alexandra Ziesché (li.) und ihre Kollegen vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland der Kreisgrabenanlage in Swisttal-Ollheim auf den Grund. Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
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Die angehende Grabungstechnikerin Alexandra Ziesché bestimmt mit Hilfe einer Farbtafel die Farbe des Sediments: eine unverzichtbare Methode bei der fachgerechten Beschreibung der archäologischen Schichten. Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
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Bereits nach Abtrag des Oberbodens mit dem Bagger zeichnen sich die drei Grabenverläufe (rote Pfeile) der Anlage bei Swisttal-Ollheim ab. Foto: Tanja Dujmovic//LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
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Über den LVR:

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 21.000 Beschäftigten für die 9,7 Millionen Menschen im Rheinland. Mit seinen 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, dem Landesjugendamt sowie dem Verbund Heilpädagogischer Hilfen erfüllt er Aufgaben, die rheinlandweit wahrgenommen werden. Der LVR ist Deutschlands größter Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich für Inklusion in allen Lebensbereichen. „Qualität für Menschen“ ist sein Leitgedanke.

Die 13 kreisfreien Städte und die zwölf Kreise im Rheinland sowie die StädteRegion Aachen sind die Mitgliedskörperschaften des LVR. In der Landschaftsversammlung Rheinland gestalten gewählte Mitglieder aus den rheinischen Kommunen die Arbeit des Verbandes.

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