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29. Januar 2016 | Kliniken+HPH
LVR: Klinikalltag offenbart Fehler des Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Kliniken PEPP
Erste Erfahrungen bestätigen Risiken und Fehlanreize zu Lasten Langzeiterkrankter / Psychiatrische Versorgung von Patientinnen und Patienten in Gefahr / LVR erprobt alternative Versorgungsmodelle

Rheinland. 29. Januar 2016.„Die Schwächen und Risiken wurden schnell und deutlich erkennbar“ - erste Praxiserfahrungen mit dem umstrittenen Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Kliniken (PEPP) bestärken die zahlreichen Kritikerinnen und Kritiker. So auch beim LVR-Klinikverbund, der als großer deutscher Träger psychiatrischer Kliniken das neue Entgeltsystem in seinen neun Fachkliniken im Rheinland eingeführt hat. Auf Einladung des Landschaftverbandes Rheinland (LVR) wurden heute die Auswirkungen des neuen Systems vorgestellt und diskutiert. 280 Gäste einer Fachtagung, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Krankenkassen, Mitglieder des Gesundheitsausschusses und der Krankenhausausschüsse des LVR, Vorstände und Beschäftigte der LVR-Kliniken, der LVR-Verbundzentrale sowie weiterer Kliniken, bewerteten die Klinikerfahrungen, formulierten ihre Forderungen und stellten alternative Versorgungs- und Vergütungskonzepte vor.

Qualität der psyschiatrischen Versorgung in Gefahr

Kernpunkt der Kritik: Das diagnoseorientierte neue Vergütungssystem gefährdet die bisherige Qualität der psychiatrischen Versorgung. Anders als eine Blinddarmoperation oder ein gebrochener Arm, erfordern psychiatrische Erkrankungen oftmals intensive Therapien über längere Zeiträume. Das neue PEPP-Entgeltsystem belohnt jedoch kurze Verweildauern von Patientinnen und Patienten und setzt damit Fehlanreize zu Lasten eben dieser psychisch schwer kranken Menschen.

„Die psychiatrische Leistungserbringung ist in hohem Maße nicht von der Diagnose bestimmt, sondern sehr individuell auf das aktuelle Befinden und das gesamte Lebens- und Beziehungsgefüge der Patientinnen und Patienten ausgerichtet. Ein leistungsorientiertes Vergütungssystem muss dies berücksichtigen und sich daher am tatsächlichen Aufwand orientieren“, bekräftigte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses der Landschaftsversammlung Rheinland, Margret Schulz, während der Fachtagung.

LVR-Dezernentin fordert bedarfsorientiertes System

„Gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft fordert der LVR-Klinikverbund ein bedarfsorientiertes System. Eine Lösung sehen wir darin, dass die starren PEPPs in einzelne Bausteine zerlegt werden. Der ärztliche Dienst hat damit die Möglichkeit, jedem Menschen individuell den Hilfebedarf zukommen zu lassen, den er tatsächlich braucht“, so auch Martina Wenzel-Jankowski, die LVR-Dezernentin Klinikverbund und Verbund Heilpädagogischer Hilfen.

Die Kritik an dem vorgesehenen PEPP-System ist so massiv, dass 17 psychiatrische Fachverbände ein alternatives System abgestimmt und dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt haben. „Die Verbesserung einer qualitätsgesicherten Versorgung steht im Mittelpunkt des Konzeptes“, führte Prof. Deister als ein Autor des Konzeptes auf der Fachtagung aus. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat bereits signalisiert, die Kritik an dem System aufzugreifen und will bereits im Februar mit den Verbänden das Gespräch suchen.

LVR erprobt neue Versorgungsmodelle

Als Alternative zu PEPP hat der LVR zusammen mit der AOK Rheinland/Hamburg ein eigenes modulares Entgeltsystem entwickelt. Das Modell „Bedarfsorientierte Behandlung psychisch Erkrankter“ ist ein bedarfsorientiertes, budgetfinanziertes und modulares Entgeltsystem.

Gemeinsam mit dem LVR-Institut für Versorgungsforschung wird seit 1. Januar 2016 im LVR-Klinikum Düsseldorf gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg das Modell „Bedarfsorientierte Behandlung psychisch Erkrankter“ umgesetzt. Es umfasst neben dem vollstationären und teilstationären auch den ambulanten Bereich. Im Gegensatz zu vielen anderen Modellen wurde im stationären wie im ambulanten Bereich eine durchgängige und einheitliche Vergütung auf Basis von Behandlungsmodulen eingeführt.

„Dadurch müssen Patientinnen und Patienten bei zeitweise intensiveren Behandlungsbedarf nicht mehr zwangsläufig ins Krankenhaus, so dass viele Aufenthalte entbehrlich werden“, so Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Ärztlicher Direktor des LVR-Klinikums Düsseldorf.

Ebenfalls zu Jahresbeginn führte die LVR-Klinik Bonn gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse und der DAK das von der LWL-Klinik Bochum entwickelte System von „Stationsunabhängigen Leistungen“ ein. Diese beziehen sich aber allein auf den ambulanten Bereich. Der stationäre Bereich wird weiterhin über PEPP abgerechnet. Der LVR-Klinikverbund verspricht sich davon eine Finanzierung seiner Home-Treatment Projekte (Behandlung im gewohnten sozialen Umfeld).

Der Landschaftsverband Rheinland versorgt in seinen neun psychiatrischen Fachkliniken jährlich rund 60.000 psychisch erkrankte Menschen und ist für die Pflichtversorgung von bis zu 5,4 Millionen Menschen im Rheinland zuständig.

Ihre Ansprechpartnerin für redaktionelle Rückfragen:

Katharina Landorff
LVR-Fachbereich Kommunikation
Telefon: 0221 809-2527
E-Mail: katharina.landorff@lvr.de

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Der LVR-Klinikverbund rückt das neue Entgeltsystem PEPP in den Mittelpunkt der Fachtagung "Wo geht die Reise hin?". Die Referentinnen und Referenten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Wolfgang Gaebel (Ärztlicher Direktor LVR-Klinikum Düsseldorf), Margret Schulz (Vorsitzende Gesundheitsausschuss), Stefan Thewes (LVR-Fachbereichsleiter), Martina Wenzel-Jankowski (LVR-Dezernentin Klinikverbund und Verbund Heilpädagogischer Hilfen), Günter van Aalst (unten, TK NRW), Prof. Dr. Arno Deister (oben, Chefarzt Klinikum Itzehoe), Michael van Brederode (unten, Kaufmännischer Direktor LVR-Klinik Düren) sowie Urban Roths (oben, DKG). Foto: Matthias Jung / LVR
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Großes Interesse an PEPP: 280 Gäste bewerteten die Klinikerfahrungen, formulierten ihre Forderungen und stellten alternative Versorgungs- und Vergütungskonzepte vor. Foto: Matthias Jung / LVR
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Über den LVR:

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 20.000 Beschäftigten für die 9,7 Millionen Menschen im Rheinland. Mit seinen 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, dem Landesjugendamt sowie dem Verbund Heilpädagogischer Hilfen erfüllt er Aufgaben, die rheinlandweit wahrgenommen werden. Der LVR ist Deutschlands größter Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich für Inklusion in allen Lebensbereichen. „Qualität für Menschen“ ist sein Leitgedanke.

Die 13 kreisfreien Städte und die zwölf Kreise im Rheinland sowie die StädteRegion Aachen sind die Mitgliedskörperschaften des LVR. In der Landschaftsversammlung Rheinland gestalten gewählte Mitglieder aus den rheinischen Kommunen die Arbeit des Verbandes.

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