Audismussensible Schule

Unsere Haltung: Wir diskriminieren niemanden aufgrund seines Hörstatus und seiner Kommunikation. Taub-sein & Hörend-Sein sowie Gebärdensprache & Lautsprache sind gleich viel wert.

Gebärdenbilder zum Begriff: Audismussensible Schule.

Was ist Audismus?

Manche Menschen denken, dass nur Hören richtig ist. Sie glauben zum Beispiel, dass hörende Menschen alles besser können. Sie glauben, dass Gebärdensprache nicht so wichtig oder dass Gebärdensprache nur ein Hilfsmittel sei. Ein Hilfsmittel, das man braucht, weil es über die Lautsprache nicht geht.

Das stimmt aber nicht. Menschen können auf verschiedene Arten miteinander kommunizieren. Manche hören mit den Ohren und sprechen mit der Stimme. Manche sehen mit den Augen und gebärden mit den Händen.

Formen von Audismus

Alle Arten der Kommunikation sind wertvoll.

Audismus bezeichnet Vorurteile, Benachteiligungen oder gesellschaftliche Strukturen, die hörende Menschen und Lautsprache bevorzugen und dabei Taube oder schwerhörige Menschen abwerten oder ausschließen.

Das kann unterschiedlich aussehen. Es sind Aussagen, wie:

[Offener Audismus]

  • „Gebärdensprache verhindert die Sprachentwicklung.“
  • „Ein hörendes Kind hat grundsätzlich bessere Chancen.“

Oder auch:
[Unbewusster Audismus]

  • Keine DGS-Dolmetschende auf Schulveranstaltungen
  • Person spricht weiter, obwohl Taube Personen anwesend sind
  • Taube Erwachsene werden gefragt, ob sie „trotzdem“ arbeiten können

In der heutigen Forschung wird Taubsein häufig nicht nur als medizinische Beeinträchtigung betrachtet, sondern auch als sprachliche und kulturelle Identität. Viele Taube Menschen sehen sich als Teil einer Gebärdensprachgemeinschaft. Audismus entsteht dort, wo diese Sprache und Kultur als weniger wertvoll angesehen werden.

Unsere Schule möchte alle Kommunikationsformen wertschätzen.
Deutsche Gebärdensprache und Lautsprache sind gleichwertige Wege, miteinander zu kommunizieren.

Audismussensible Schule

Gebärde für den Begriff "Audismussensible Schule"

Grafik zur Gegenüberstellung einer audistischen Sicht und einer audismussensiblen Schule. Text oberhalb.

Wir wollen audismussensible Schule werden!

Folgende Gegenüberstellung zur Verdeutlichung. Wir wollen uns auf den Weg machen, eine audismussensible Schule zu werden.

Audistische Sicht

  • Keine Deutsche Gebärdensprache. DGS ist unsichtbar.
  • Schlechte Akustik. Viele Hintergrundgeräusche, schlechte Raumakustik.
  • Keine Untertitel oder Visualisierungen. Informationen sind nicht zugänglich.
  • Keine Dolmetschung. Wichtige Inhalte bleiben unverständlich.
  • Anspassungsdruck. Das Kind muss sich anpassen.

Audismussensible Sicht

  • DGS ist sichtbar und wertgeschätzt. Gebärdensprache hat ihren Platz.
  • Gute Akustik und Beleuchtung. Ruhige Räume, gute Lichtverhältnisse.
  • Untertitel und Visualisierung. Informationen sind für alle zugänglich.
  • Dolmetschung ist selbstverständlich. Bei allen Anlässen.
  • Teilhabe für alle. Jedes Kind kann so kommunizieren, wie es kann und möchte.
Grafik zur Gegenüberstellung einer audistischen Sicht und einer audismussensiblen Schule. Text oberhalb.

Umgang an unserer Schule

Wir verstehen Vielfalt in der Kommunikation als Bereicherung. Als Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation setzen wir uns aktiv dafür ein, audistische Barrieren abzubauen und gleichberechtigte Teilhabe für alle Schüler*innen zu ermöglichen.

Audismussensibilität bedeutet für uns, dass wir nicht das Kind an die Umgebung anpassen wollen, sondern die Umgebung so gestalten, dass Kommunikation, Lernen und soziale Teilhabe für alle zugänglich werden.

Daher verfolgen wir an unserer Schule folgende Ziele:

  • Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist ein fester Bestandteil unseres Schulalltags und wird in allen Klassen unterrichtet.
  • DGS und Deutsch werden als gleichwertige Sprachen wertgeschätzt.
  • Viele Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeitende und weitere Beschäftigte nehmen regelmäßig an Fortbildungen zu Audismus, Deaf Studies, Gebärdensprachdidaktik und barrierefreier Kommunikation teil.
  • Audismussensibilität ist ein fortlaufendes Thema in Schulentwicklungsprozessen,
    Teamsitzungen und pädagogischen Konferenzen.
  • Informationen werden möglichst barrierefrei bereitgestellt, beispielsweise durch DGS-
    Videos, visuelle Aufbereitung oder einfache Sprache.
  • Elternbriefe und wichtige schulische Informationen werden nach Möglichkeit in Deutscher Gebärdensprache zugänglich gemacht.
  • Bei schulischen Veranstaltungen werden Eltern ermutigt, den Einsatz von Gebärdensprachdolmetschenden zu prüfen und zu ermöglichen.
  • Unterrichtsräume und schulische Abläufe werden so gestaltet, dass visuelle Kommunikation unterstützt wird, beispielsweise durch gute Lichtverhältnisse, geeignete Sitzordnungen und den bewussten Einsatz visueller Hilfen.
  • Technische Unterstützungssysteme wie Höranlagen oder weitere assistive Technologien werden bedarfsgerecht eingesetzt.
  • Taube und schwerhörige Vorbilder, die Geschichte der Taubengemeinschaft sowie Taube Kultur werden im Unterricht und im Schulleben sichtbar gemacht (z.B. Tag der Gebärdensprachen oder der Come Together Day).
  • Unterschiedliche Kommunikationsformen werden respektiert und anerkannt.
  • Diskriminierende Aussagen oder Verhaltensweisen gegenüber Tauben und schwerhörigen Menschen werden thematisiert und nicht toleriert.
  • Schüler*innen werden darin gestärkt, ihre Kommunikationsbedürfnisse selbstbewusst
    zu vertreten und für ihre Rechte einzutreten.

Unser Ziel ist eine Schule, in der jedes Kind gesehen, verstanden und wertgeschätzt wird, unabhängig davon, wie es hört, spricht oder kommuniziert.

Fußnote: Wir schreiben Taub bewusst groß. Damit machen wir deutlich, dass Taubsein nicht nur eine Frage des Hörens ist, sondern auch mit Sprache, Kultur, Identität und Gemeinschaft verbunden sein kann.

Grafik mit Titel: Gleichwertig. Gleich wichtig. Text unterhalb.

Text in Grafik:

Gleichwertig. Gleich wichtig. Zwei Sprachen - eine Gemeinschaft.

Gebärdensprache:

  • Unsere visuelle und gestische Sprache
  • Gebärdensprache verbindet uns
  • Kultur, Geschichte und Traditionen
  • Identität, Stolz und Selbstbestimmung
  • Gleich viel wert.

Lautsprache:

  • Unsere gesprochene und geschriebene Sprache
  • Gemeinschaft und Zusammenhalt
  • Kultur, Geschichte und Traditionen
  • Identität, Ausdruck und Selbstbestimmung
  • Gleich viel wert.

BEIDE sind gleichwertig.
BEIDE bereichern uns.
BEIDE ermöglichen Teilhabe.

Verschiedene Wege. Gleiches Ziel: Verständnis, Respekt und Teilhabe für alle.