Fluchtpunkt Paris.
Gisèle Freund, Rogi André, Madame dʼOra

15. Oktober 2026 bis 7. Februar 2027

Eine schwarz-weiße Fotografie einer Frau im eleganten Kleid, die vor einem geöffneten Fenster steht.

Während der 1920er-Jahre zog Paris Intellektuelle und Kunstschaffende aus ganz Europa an – so auch die jungen Fotografinnen Gisèle Freund, Rogi André und Dora Kallmus alias Madame dʼOra. Die drei Künstlerinnen widmeten sich dem pulsierenden Kulturleben der Metropole und hielten es in eindrucksvollen Aufnahmen fest. Jenseits der künstlerischen und intellektuellen Milieus, in denen die drei Frauen verkehrten, verband sie ihre jüdische Herkunft sowie die Erfahrung von Verfolgung und Exil.

Die Ausstellung „Fluchtpunkt Paris“ zeichnet die künstlerischen Entwicklungen der drei Fotografinnen nach, bringt ihre Werke miteinander ins Gespräch und fragt nach Gemeinsamkeiten wie Unterschieden. Im Mittelpunkt stehen jene fotografischen Gattungen, denen sich Freund, André und dʼOra gleichermaßen widmeten, wenn auch in unterschiedlichen Intensitätsgraden und mit variierenden Bildsprachen.

Die Porträtfotografie war für Freund, André und dʼOra gleichermaßen zentral. Daneben widmeten sie sich der Mode-, Akt- und Tanzfotografie. Noch kurz vor dem Eintreffen deutscher Truppen in Paris fotografierte Freund 1940 elegante Pariser Modeschauen, womit sie eine Welt betrat, in der dʼOra bereits seit vielen Jahren zu Hause war. Einen dritten Schwerpunkt bildete die sozialkritische Reportagefotografie: Freund, André und dʼOra suchten immer wieder jene Orte auf, an denen sich soziale Spannungen und gesellschaftspolitische Konflikte schonungslos zu erkennen gaben.

Die Aufnahmen spiegeln exemplarisch die wechselvollen Biografien dreier Künstlerinnen im Zeitraum zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Neuordnung Europas nach 1945. Sie erzählen von einem selbstbewussten Aufbruch im Paris der Avantgarde, von weiblicher Emanzipation und künstlerischer Mission, von Verfolgung und drohender Deportation, von Eleganz und Leidenschaft, von Resignation und Verzweiflung, von großem Mut und sozialkritischem Engagement. Nicht zuletzt zeugen die Fotografien von vielfältigen Strategien des Überlebens, Weiterlebens und Weiterarbeitens.

Die Ausstellung entsteht mit Unterstützung des Institut Mémoires de l'édition contemporaine (IMEC), der Bibliothèque nationale de France und des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Das Rahmenprogramm wird unterstützt vom Institut français in Bonn.