Wir kriegen die Krise!

Krise im Alltag – Alltag in der Krise

Friedhof der Tötungsanstalt Hadamar, die Einzelgräber tarnen dabei kleine Massengräber, vom amerikanischen Militär aufgenommen, Foto: Peters A. Troy, 15.4.1945

Krisenphänomene erforschen

Kennen Sie die Redewendung vom „grauen Alltag“? Sie tut dem täglichen Leben mit seinen vertrauten Routinen, Regeln und Abläufen ein wenig Unrecht. Denn der Alltag mag mitunter farblos – im Sinne von eintönig – erscheinen und mit wenig Abwechslung aufwarten, aber mit dem Erwartbarem geht auch Sicherheit und Vertrautheit einher. Man stelle sich vor, wir müssten jeden Tag von Grund auf neu regeln, in welcher Form wir miteinander umgehen und wie wir auf wiederkehrende Ereignisse reagieren! Was es mit uns macht, wenn vermeintlich Selbstverständliches in Frage gestellt wird, haben wir eindringlich während der Corona-Pandemie erfahren. Solche Erschütterungen des Alltags angesichts derer sich Individuen und Gesellschaften neu orientieren und vereinbaren müssen, können wir als Krisen bezeichnen.

Krisen sind keine punktuellen Ereignisse, sondern zeichnen sich durch ihre Prozesshaftigkeit aus, mit der oftmals eine Zuspitzung einhergeht. Charakteristisch ist, dass Krisen ambivalent sind, ihr Ausgang ist zunächst offen. Doch egal, ob diese Wendepunkte zum Besseren oder Schlechteren führen, Krisen erzwingen in der Regel eine Revision des bisherigen Status Quo, zum Beispiel ein Überdenken überkommener Werte und Traditionen. Mit genau solchen Phänomenen setzt sich die Abteilung Alltagskultur und Sprache in ihrem Projekt „Alltag in der Krise – Krise im Alltag“ auseinander. Es ist ein weiteres Projekt der Abteilung, das belegt, dass der Alltag aus Sicht der Kulturanthropologie keineswegs grau und farblos ist. Er ist vielmehr ein hochinteressantes Forschungsfeld, an dem sich viel über kulturellen und gesellschaftlichen Wandeln ablesen lässt.

Hausansicht: Im Fenster hängt ein Bettlaken mit der Aufschrift " Die Krise ist kein Ausnahmezustand.
„Krisen-Kommunikation“ an Hauswand
Krisen stellen bestehende Alltagsordnungen in Frage und stoßen Veränderungen an. Insofern können sie auch zu Innovationstreibern werden. Krisen sind also nicht immer nur negativ.

Gabriele Dafft M.A.

Wissenschaftliche Referentin, LVR-ILR

Projektgrundlagen