Pädagogik bei Krankheit
Unterricht während einer psychischen Erkrankung schafft Stabilität, ermöglicht Lernen und unterstützt Schüler*innen auf dem Weg zurück in den schulischen Alltag.
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Eine Klinikschule ist eine Schule für Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer Erkrankung für längere Zeit nicht ihre Heimatschule besuchen können. An der LVR-Hanns-Dieter-Hüsch-Schule werden Schüler*innen während ihres Aufenthalts in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Viersen unterrichtet.
Das Schulverhältnis zur Heimatschule bleibt bestehen. Die Klinikschule übernimmt den Unterricht während des Klinikaufenthalts und arbeitet dabei eng mit der Heimatschule zusammen. Ziel ist es, schulisches Lernen trotz der Erkrankung zu ermöglichen und die Rückkehr in die Heimatschule vorzubereiten.
Klinikschule unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von einer allgemeinen Schule. Die Schüler*innen kommen aus unterschiedlichen Schulformen und Bildungsgängen zusammen. Gleichzeitig befinden sie sich in sehr unterschiedlichen gesundheitlichen und persönlichen Situationen.
Der Unterricht muss deshalb flexibel gestaltet werden. Lerninhalte, Unterrichtsform, Umfang und Anforderungen werden an die individuelle Situation und Belastbarkeit der Schüler*innen angepasst. Einzel- und Kleingruppenunterricht sowie unterschiedliche Lernformen ermöglichen es, auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen.
Auch der Schulalltag ist anders: Schüler*innen kommen neu in die Gruppe hinzu, andere verlassen die Klinikschule wieder. Unterricht und Therapie müssen miteinander vereinbar sein. Die Lehrkräfte arbeiten deshalb in einem besonderen pädagogischen und klinischen Umfeld.
Bei psychischen Erkrankungen können sich gesundheitliche Belastungen unmittelbar auf das Lernen, die Konzentration, die Motivation und das soziale Miteinander auswirken. Für die pädagogische Arbeit bedeutet das, nicht nur den Lernstoff, sondern auch die aktuelle Situation der Schüler*innen im Blick zu behalten.
Dabei geht es nicht darum, Therapie zu ersetzen. Die Schule hat einen eigenen pädagogischen Auftrag. Unterricht kann jedoch dazu beitragen, den Alltag zu strukturieren, Fähigkeiten zu erhalten und weiterzuentwickeln und positive Erfahrungen mit Lernen und Schule zu ermöglichen.
Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Normalität. Schule bietet einen vertrauten Rahmen und ermöglicht den Schüler*innen, trotz ihrer Erkrankung weiterhin Schüler*in zu sein. Gleichzeitig kann der Unterricht ein geschützter Raum sein, in dem sie sich wieder an schulische Anforderungen herantasten und neue Erfahrungen sammeln können.
Die besondere Situation der Schüler*innen erfordert eine verlässliche und wertschätzende Beziehung zwischen Lehrkräften und Schüler*innen. Vertrauen, klare Strukturen und eine angemessene Haltung sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen.
Dabei geht es darum, die Schüler*innen mit ihren Stärken und Möglichkeiten wahrzunehmen und gleichzeitig ihre individuellen Grenzen zu berücksichtigen. Die Lehrkräfte schaffen einen Rahmen, in dem Lernen möglich ist und in dem Schüler*innen schrittweise wieder Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln können.
Die Klinikschule begleitet Schüler*innen nicht nur während ihres Klinikaufenthalts. Sie unterstützt auch den Übergang zurück in die Heimatschule oder eine andere Schule. Die Schullaufbahnberatung spielt im Alltag der Klinikschule daher eine zentrale Rolle.
Die LVR-Hanns-Dieter-Hüsch-Schule ist Mitglied im Arbeitskreis Schule und Psychiatrie (SchuPs). Der bundesweite Arbeitskreis vernetzt Lehrkräfte aus Klinikschulen und fördert den fachlichen Austausch zur Pädagogik bei Krankheit.