Projekte

Archäologie ist eine Wissenschaft mit vielen Fachbereichen. Im LVR-Archäologischen Park kommen sie zusammen.

Zwei Forschende gehen über ein Feld, der Mann zieht etwas wie einen Rasenmäher, die Frau trägt einen Laptop in einem Bauchladen

Forschung und Projekte

Der LVR-APX bewahrt ein archäologisches Bodendenkmal von europäischem Rang, das zum UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes gehört. Permanente Ausgrabungen und vielfältige Forschungsprojekte machen Xanten zu einem bedeutenden Schauplatz für die römische Archäologie. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Haues arbeiten in enger Vernetzung mit Universitäten, Museen und anderen Forschungseinrichtungen. Hier finden Sie eine Übersicht über die aktuellen Projekte.

1. Geophysikalische Prospektionen

Bearbeitung: Dr. Martin Müller, PD Dr. Armin Becker, Dr. Bernhard Rudnick

Der LVR-APX führt auch weiterhin geophysikalische Prospektionen durch. Ziel ist es mit technisch verbessertem Gerät und angepasster Methodik an ausgewählten Bereichen der CUT die Messergebnisse hinsichtlich des Detailgrades deutlich zu verdichten. Diese Forschungen haben wesentliche neue Ergebnisse zur Stationierung von Militär innerhalb der CUT, zum Forum und zum anschließenden Repräsentationsbau gebracht. Die geophysikalischen Prospektionen stellen eine zentrale Grundlage für weitere Forschungen dar.

2. Geophysikalische Prospektionen (Geomagnetik) d. Univ. Hamburg

Leitung Prof. Dr. Martina Seifert
Dissertationsvorhaben von Dr. Nikola Babucic

Das Institut für Klassische Archäologie der Universität Hamburg führt seit 2013 im Rahmen einer Summerschool geophysikalische Prospektionen mit der Geomagnetik und dem Georadar auf dem Gelände der CUT durch.

3. Die Bebauung auf Insula 11/18 südwestlich des Forums

Bearbeitung: Dr. Regina Franke

Das Projekt widmet sich der wissenschaftlichen Auswertung der Baustrukturen und Funde aus den Insulae 4, 11 und 18 der Colonia Ulpia Traiana. Die Materialien stammen überwiegend aus Notgrabungen von 1957 bis 1962, den bis heute flächenmäßig größten Aufdeckungen innerhalb der Koloniestadt, die jedoch nie abschließend publiziert wurden.

Das Quartier schließt südwestlich an das Forum an und nimmt einen zentralen Teil des Stadtraumes ein. Ein Binnenhof mit langrechteckigen Gebäuden, einem Badetrakt und einem Großbau mit Apsiden führte in der Forschung zur Interpretation als Verwaltungspalast.

Ziel ist die Klärung von Chronologie und Funktion der Baulichkeiten, um ihre städtebauliche Rolle zu erfassen und die Diskussion um private oder öffentliche Nutzung auf eine fundierte Basis zu stellen.

4. Siedlungsentwicklung auf Insula 17

Bearbeitung: Dr. Lisa Krieger und Dr. Bernd Liesen

Durch 2006 durchgeführte Georadaruntersuchungen nordöstlich der Großen Thermen ließen sich im Bereich von Insula 17 ein 20 m breiter Bau und eine lineare, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Struktur, wohl eine Straße, vermuten. Um Genaueres in Erfahrung zu bringen, wurde der Bereich ausgegraben. Dabei wurde zunächst ein Gebäude mit einer Kanalheizung freigelegt, dass erst gegen Mitte des 3. Jahrhunderts errichtet wurde. Nach Abtrag der Gebäudestrukturen konnten umfängliche Mörtel- und Werkzollhorizonte freigelegt werden, die vermutlich bei Baumaßnahmen an den Großen Thermen entstanden. Darunter fand sich ein Abschnitt der jüngsten vorcoloniazeitlichen Limesstraße, die das Lager Vetera Castra I auf dem Fürstenberg bei Xanten mit dem Lager in Burginatium (Kalkar) verband.

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die siedlungsgeschichtlichen Abläufe im ergrabenen Geländeausschnitt durch die Analyse der Funde und Befunde zu klären und im Kontext der Stadtentwicklung zu bewerten.

5. Wohnbebauung auf Insula 22

Lehrgrabung des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln
Projektleitung: Prof. Dr. Eckhard Deschler-Erb, Archäologie der Römischen Provinzen, Archäologisches Institut der Universität zu Köln.

Das Archäologische Institut der Universität zu Köln bot seinen Studierenden zwischen 2016 und 2019 und im Rahmen jährlicher Forschungskampagnen im APX die Möglichkeit, alle Aspekte der modernen Grabungsmethodik zu erlernen. Primäres Ziel ist die Erforschung eines mehrphasigen Großbaus auf Insula 22, zu dem unter anderem ein umfangreich gestalteter Eingangsbereich mit Wasserbecken gehört. Unterhalb dieser Bebauung liegen materialreiche Erdgruben aus der Vorcoloniazeit.

Um neue Wege für die vollständige dreidimensionale Erfassung einer archäologischen Ausgrabung zu entwickeln und antike Tier- und Pflanzenreste in die Auswertung und Interpretation einzubeziehen, arbeitet das Archäologische Institut der Universität zu Köln mit der Technischen Hochschule Köln (Institut für Baubetrieb und Vermessung und Institut für Informatik) sowie der Integrativen und prähistorischen naturwissenschaftlichen Archäologie (IPNA) der Universität Basel/CH zusammen. Die Ergebnisse werden durch Prof. Dr. Deschler-Erb und Studierende der Universität zu Köln publiziert.

6. Die Forumsinsula der Colonia Ulpia Traiana

Bearbeitung: Dr. Valeria Selke, Dr. Regina Franke, Dr. Bernhard Rudnick, PD Dr. Armin Becker

Ziel des Projekts ist die Vorlage sämtlicher Befunde und ausgewählter Funde auf der Forumsinsula (Insula 25) der CUT. In diesem zentralen Bereich der Colonia liegt eine reiche Stratigrafie vor, die ältesten Befunde weisen auf einen eisenzeitlichen Bestattungsplatz hin. Darüber folgen mehrere vorcoloniazeitliche, vermutlich bereits in spätaugusteischer Zeit einsetzende Holzbauphasen mit Gebäuden ungeklärter Funktion und mehreren Brunnen. Ein Teil der Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts verfolgte die gezielte Freilegung der Fundamentreste und Ausbruchsgräben des mittelkaiserzeitlichen Forums. Die Untersuchung verspricht Aufschlüsse über die unterschiedlichen Bauphasen auf der Forumsinsula und ihren Bezug zur umgebenden Siedlungsbebauung. Auch eine denkbare spätantike Nutzung des Komplexes soll untersucht werden.

7. Das Amphitheater der CUT

Bearbeitung: Dr. Martin Müller, Dr. Elisabeth Krieger, Prof. Dr. Renate Thomas, PD Dr. Werner Oenbrink, PD Dr. Armin Becker

Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Aufarbeitung der Funde und Befunde der Grabungen unter Prof. Dr. Harald von Petrikovits 1934/35 und der Grabungen des APX von 2010 und 2018. Die Grabungen der 1930er Jahre haben das Amphitheater fast flächendeckend aufgedeckt; ferner wurden der römische Fahrstuhl und dessen gut erhaltene Holzkonstruktionen untersucht. Ziel ist die Vorlage der Befunde und der Funde aus diesen Grabungen auf Grundlage der lückenhaft überlieferten Dokumentation der Altgrabungen. Eigene Untersuchungen erfahren die Bauornamentik und die Wandmalereien an der Innenwand der Arena.

8. Corpus der römischen Bronzegefäße aus Xanten

Bearbeitung: Prof. Dr. Christoph Eger

Christoph Eger bereitet auf der Grundlage der Vorarbeiten von Dr. Hans-Joachim Schalles eine Publikation über die römischen Bronzegefäße aus Xanten und Umgebung vor. Mit den Funden aus den Ausgrabungen der römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana, insbesondere den Funden aus den Kiesgruben im Bereich des alten Rheinlaufs bei Xanten, verfügt das APX über die umfangreichste Sammlung römischer Bronzegefäße in der Region. Die Publikation wird aus zwei Teilen bestehen: Im Fundkatalog werden die einzelnen Bronzeobjekte und ihr Fundkontext detailliert beschrieben; darüber hinaus wird jedes Bronzeobjekt dokumentiert. Im auswertenden Teil folgt eine typologische und chronologische Analyse.

9. Der gallo-römische Umgangstempel auf Insula 13

Bearbeiterin: Dr. Elisabeth Krieger

Zwischen 2017 und 2020 fanden auf Insula 13 Grabungen im Bereich eines gallo-römischen Umgangstempels statt. Das Projekt beschäftigt sich mit der ausführlichen Auswertung der Grabungsergebnisse. In einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Archäologie, Archäobotanik und Archäozoologie werden besonders die Grubenbefunde hinsichtlich ihrer Aussagekraft zu Kulthandlungen während der römischen Kaiserzeit bearbeitet. Weitere Beiträge von Fachexperten umfassen das Architekturmaterial (Dr. Werner Oenbrink) und die Wandmalerei (Prof. Dr. Renate Thomas).

10. Das Südkastell

Projektleitung: Martin Müller

Ganz im Süden der CUT wurde durch Geoprospektionen und archäologische Ausgrabungen auf den Insulae 6, 7, 13 und 14 eine Befestigungsmauer mit zwei Toranlagen festgestellt, von denen eine vollständig archäologisch untersucht wurde. Die Innengliederung deutet auf eine militärische Funktion hin, die möglicherweise mit dem sogenannten „Gallischen Sonderreich“ in Verbindung steht.

Das Ziel ist es, die bisher bekannten Befunde und Funde mit Hilfe eines Wissenschaftler*innen-Teams vorzulegen und auszuwerten.

11. Römische Handwerkerhäuser

Bearbeitung: Dr. Peter Kienzle

Die 2015 eröffneten römischen Handwerkerhäuser stellen typische Wohn- und Arbeitsverhältnisse der einfachen Stadtbevölkerung dar. Die tragenden Wände bestehen aus massivem Stampflehm. Die Rekonstruktion der Häuser stellte die Bauforscher neben der wissenschaftlichen Untersuchung der originalen Architektur vor besondere Herausforderungen, weil das fachliche und handwerkliche Wissen um die alten Lehmbautechniken in Europa heutzutage weitgehend verlorengegangen ist. Im Rahmen des Projektes werden die beim Nachbau gesammelten Daten hinsichtlich des Bauprozesses, des Aufwands, der Dauer, Kosten und Bauabfolge etc. ausgewertet werden. Auch die seither gemachten Beobachtungen hinsichtlich Bauunterhalt und Verfallsprozessen fließen in die Arbeit ein.

12. Herbergsthermen – Sanierung und Betrieb

Bearbeitung: Dr. Peter Kienzle

Die rekonstruierten Herbergsthermen im APX waren von 1989 bis 2005 in Betrieb. Seitdem wurden sie nicht mehr beheizt, weil Rauchgase in die Baderäume eindringen. Wurde die Anlage falsch rekonstruiert, fehlerhaft betrieben oder hatten bereits die Römer vergleichbare Probleme? Zusammen mit der FH Düsseldorf (Prof. Kameier) werden mit hochdetaillierten Computermodellen der Thermenanlage strömungstechnisch Abläufe bei der Anfeuerung und dem Betrieb der Thermen untersucht. Ein großer Teil der bekannten Bauschäden lässt sich durch das Modell inzwischen erklären und die entsprechenden baulichen Veränderungen werden nun mit dem Ausgrabungsbefund in Xanten und Detaillösungen anderer Grabungen abgeglichen. Parallel entwickelt das Institut für Ziegelforschung in Essen eine neue Rezeptur für den Estrichboden mit einem geringeren Ausdehnungskoeffizienten.

Der gallo-römische Umgangstempel auf Insula 13

Bearbeiterin: Dr. Elisabeth Krieger

Zwischen 2017 und 2020 fanden auf Insula 13 Grabungen im Bereich eines gallo-römischen Umgangstempels statt. Das Projekt beschäftigt sich mit der ausführlichen Auswertung der Grabungsergebnisse. In einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Archäologie, Archäobotanik und Archäozoologie werden besonders die Grubenbefunde hinsichtlich ihrer Aussagekraft zu Kulthandlungen während der römischen Kaiserzeit bearbeitet. Weitere Beiträge von Fachexperten umfassen das Architekturmaterial (Dr. Werner Oenbrink) und die Wandmalerei (Prof. Dr. Renate Thomas).

13. Das Forschungsprojekt „CostruEnS“ des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA)

Projektleitung: Prof. Dr. Dominik Maschek, Leiter des Kompetenzbereichs „Römische Archäologie“ und Stellvertreter der Generaldirektorin am LEIZA

Der APX beteiligt sich am interdisziplinären und überregionalen Forschungsprojekt des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) mit dem Titel „ConstruEnS – Construction, Environment, and Society on the Rhine and Danube Frontiers of the Roman Empire“. Das Forschungsteam untersucht mit innovativen Methoden den Einfluss römischer Monumentalbauten entlang des nördlichen Grenzgebiets auf die Entwicklung des Römischen Reiches. Erstmals werden die Wechselwirkungen zwischen römischer Architektur und gesellschaftlichen und umweltbezogenen Strukturen systematisch aufgearbeitet. Der APX stellt neben weiteren führenden Denkmal- und Forschungseinrichtungen entlang der ehemaligen römischen Nordgrenzen Europas wichtige Daten für die methodische Auswertung zur Verfügung.

Das Projekt wird durch einen „ERC Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) gefördert.

Ausgrabungen

Im LVR-Archäologischen Park finden fast das ganze Jahr über Ausgrabungen statt. Ihre Ergebnisse bereichern das Bild der römischen Stadt mit immer neuen Facetten. Sie bilden die Grundlage der Rekonstruktionen und aller Ausstellungsbereiche im Park und im LVR-RömerMuseum.

Da die Colonia Ulpia Traiana die einzige Römerstadt nördlich der Alpen ist, die seit der Antike kaum überbaut wurde, liegen ihre Überreste nur wenige Zentimeter unter den Wiesen und sind somit gut zugänglich für die Forschung. Diese Situation macht Xanten zu einem Forschungsstandort von internationalem Rang: Nur hier besteht die Möglichkeit, eine ganze römische Stadt zu untersuchen. Trotz neuster Technologien sind Grabungen weiterhin notwendig. Aktuelle Projekte zeigen: Selbst die ausgeklügelte Technik zeigt nicht vollumfänglich, welche Schätze im Boden warten. Die Ergebnisse der Ausgrabungen werden anschließend in den Xantener Berichten publiziert.

1. Internationale Archäologische Sommerakademie Xanten (IASX)

Betreut durch Sabine Leih M. A.; Grabungsleitung jährlich wechselnd

Seit 2008 findet auf Insula 38 für acht Wochen im Jahr die Internationale Archäologische Sommerakademie Xanten statt. Jeweils im Sommer untersuchen 30 Studierende aus mehreren europäischen Ländern die Überreste von römischen Wohnhäusern aus den Jahrhunderten nach Christus. In den Häusern konnten Wohnräume und Hinweise auf Werkstattbereiche von Handwerkern nachgewiesen werden.

2. Lehrgrabung Köln-Nijmegen

Lehrgrabung des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln und des Radboud Institute for Culture & History der Universiteit Nijmegen

Seit 2023 findet im LVR-APX eine Lehrgrabung des Provinzialrömischen Instituts der Universität zu Köln und des Radboud Institute for Culture & History der Universiteit Nijmegen statt. Einmal jährlich kommen Studierende der beiden Universitäten zusammen und graben für vier Wochen gemeinsam auf Insula 29 im Norden der antiken Stadt. Die Studierenden lernen bei der Lehrgrabung nicht nur die Arbeit im Feld, sondern auch das Waschen der Funde und die gesamte Dokumentation.