Dauerausstellung
Wo alles begann
Ende des Seitenheaders.
Es war nicht Essen, Bochum oder Duisburg, sondern Klosterhardt: Die Geburtsstunde der Eisen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet schlug in der St. Antony-Hütte. 1758 floss in dem kleinen, beschaulichen Oberhausener Stadtteil erstmals glühendes Roheisen. Von hier aus nahmen die gewaltigen Umwälzungen der Industrialisierung ihren Lauf, die bis heute Arbeit und Leben in der Region und weit darüber hinaus prägen. Die damit verbundene Geschichte und Geschichten holt die St. Antony-Hütte nach mehr als 250 Jahren zurück nach Klosterhardt.
Von dem ehemaligen Hüttenwerk, in dem zu Hochzeiten rund 100 Menschen unter äußerst beschwerlichen Bedingungen arbeiteten, ist nur das Wohnhaus des Hüttendirektors vollständig erhalten geblieben. Es stammt aus dem Gründungsjahr der Hütte und beherbergt eine Dauerausstellung zu den Anfängen der Verhüttung im Revier.
Die Geschichte der St. Antony-Hütte ist eine Geschichte von Aufbruch und Pioniergeist, aber auch von Eigensinn und Konflikten. Und ihre Protagonisten, wie Franz von der Wenge, Maria Kunigunde von Sachsen, Gottlob Jacobi, Helene Amalie Krupp oder Franz und Gerhard Haniel, sind noch heute bekannte Namen im Ruhrgebiet. Was sich damals genau zugetragen hat und warum es fast zehn Jahre dauerte, bis Franz von der Wenge überhaupt die Erlaubnis zum Bau der Eisenhütte erhielt, darüber berichtet die Dauerausstellung. Sie zeichnet auch die weitere Entwicklung nach: Wie die St. Antony-Hütte zusammen mit zwei benachbarten Eisenhütten zum späteren Weltkonzern Gutehoffnungshütte (GHH) aufstieg und wie der Hochofen schließlich im Jahr 1843 ausgeblasen wurde. Lediglich als Eisengießerei blieb die St. Antony-Hütte noch gut 30 Jahre in Betrieb. 1877 wurde die Produktion dann endgültig eingestellt.
Die Eintrittskarte fürs Museum öffnet auch die Tür zum Industriearchäologischen Park, dessen außergewöhnliche Dachkonstruktion aus Stahlschindeln einem Segel im Wind gleicht und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Auf den ersten Blick wirken die darunterliegenden Fundamente und Grundmauern der früheren Produktionsstätte ein wenig wie durcheinander gewürfelt. Ihr System erschließt sich jedoch beim Gang durch die Ausgrabungsstätte. Denn multimediale Animationen erwecken die St. Antony-Hütte wieder zum Leben. Sie ermöglichen eine virtuelle Tour über das ehemalige Hüttengelände mitsamt Kesselhaus, Hochofen und Schmiede.
Einem Hochofen nachempfunden ist der Turm mit Rutsche, Kletterwänden, Hangelleitern, einem Schrägaufstieg und Rohrtelefonen auf dem angrenzenden Spielplatz. Er ist ein beliebter Treffpunkt für die Kinder aus der Nachbarschaft. Denn die St. Antony-Hütte, die direkt in ihre Umgebung eingebunden ist, ist ein Ort für alle. Hier treffen sich Familien und Menschen, die sich für Industriegeschichte interessieren. Die Nachbarschaft und Museumsgäste sitzen im gemütlichen Café beieinander oder genießen die ländliche Idylle im angrenzenden Park mit seinem wild bewachsenen Hüttenteich. Ein befreundeter Imker produziert eigens für das Museum St. Antony-Honig.
Biologische Vielfalt an der St. Antony-Hütte
Auf einer ungenutzten Brachfläche von 600 Quadratmetern ist das Projekt „EssKultur“ zu finden. Der öffentlich zugängliche Nutzgarten mit Hochbeeten, einer kleinen Obstbaumallee, Sitz- und Spielelementen ist hauptsächlich aus Recycling-Material entstanden. Besonderen Wert wird auf die gärtnerische und biologische Vielfalt und eine jahreszeitliche und regional orientierte Bepflanzung gelegt. Zudem fördert und gestaltet das Projekt sozialen Zusammenhalt.
Die Gäste des Gartens erfreuen sich nicht nur an den jahreszeitlich blühenden Pflanzen, wie Osterglocken und Hyazinthen im Frühjahr oder Sonnenblumen und Cosmeen im Sommer, sondern auch an den zahlreichen Nutzpflanzen und Kräutern, die zeigen, womit man sich gesund ernährt. Sie steigern die Wertschätzung für regionale Lebensmittel. Radieschen, Kohlrabi, Blattsalate, Schnittlauch, Petersilie und vieles mehr wachsen und gedeihen in den Beeten.
Das kommt auch den Honigbienen zu Gute, die im Hüttengarten angesiedelt wurden und den beliebten „St. Antony-Honig“ produzieren.
Ob jäten oder ernten: Bei der „EssKultur“ heißt es für alle: „Betreten erwünscht“ und „Pflücken erlaubt“.
Ermöglicht wird das Projekt durch eine gemeinsame Initiative des LVR-Industriemuseums mit der RUHRWERKSTATT – Kultur-Arbeit im Revier e. V., einem gemeinnützigen Anbieter sozialer Dienste und kultureller Angebote in Oberhausen. Im Rahmen einer durch das Jobcenter Oberhausen geförderten Maßnahme werden fortlaufend Langzeitarbeitslose qualifiziert, die den Garten pflegen.
Das Projekt wird als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird vorbildlichen Projekten verliehen, die mit ihren Aktivitäten auf die Chancen aufmerksam machen, die die Natur mit ihrer biologischen Vielfalt für den sozialen Zusammenhalt bietet.
Es wird ein deutliches Zeichen für das Engagement an der Schnittstelle von Natur und sozialen Fragen in Deutschland gesetzt. Diese Aktivitäten haben die UN-Dekade-Fachjury beeindruckt. Neben der offiziellen Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhielt die „EssKultur an der St. Antony-Hütte“ einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die Naturvielfalt steht.
Entdecken Sie unsere St. Antony-Hütte von oben.
Rundgang durch das Museum und das Außengelände
Ende der Auflistung.