Versorgt! Betriebliche Fürsorge bei der GHH

Fotoausstellung vom 10. Juli 2026 bis 16. Mai 2027

Historische schwarz-weiß Aufnahme von zwei Kindern bei einer Kinderspeisung.

„Von der Wiege bis zur Bahre“ – so könnte man die vielfältigen Beziehungen umschreiben, die sich schon lange vor dem Industriezeitalter zwischen Unternehmern und Arbeitskräften entwickelten und die weit über das eigentliche Arbeitsverhältnis hinausgingen. Geleitet von patriarchalem Verantwortungsbewusstsein, christlichem Auftrag oder unternehmerischem Kalkül entstanden bereits erste Formen betrieblicher Fürsorgeeinrichtungen, bevor im 19. Jahrhundert die „soziale Frage“ im Zuge der Industrialisierung in den Fokus rückte.

Mit der Industriellen Revolution setzte eine umfassende Veränderung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ein. Große, kapitalistisch organisierte Unternehmen benötigten immer mehr Arbeitskräfte. Diese kamen meist vom Lande und lebten und arbeiteten in den neuen Industriezentren unter prekären Umständen. Arbeitsschichten von über zwölf Stunden am Tag, Kinderarbeit, Verdienste an der Grenze des Existenzminimums, fehlender Arbeitsschutz und Wohnungsnot prägten die Lebenssituation der Zeitgenossen. Es gab keine Absicherungen im Krankheitsfall oder im Alter. Gleichzeitig war es den Unternehmen jedoch im eigenen Interesse daran gelegen, Motivation und Leistungsbereitschaft der Belegschaften zu stärken und die Fluktuation der Arbeitskräfte einzudämmen. Nur so konnten Produktion und Produktivität gesichert und ausgebaut werden. Vor diesem Hintergrund gewann die betriebliche Sozialfürsorge als ein Teil innerbetrieblicher Anreizsysteme an Bedeutung.

Historische schwarz-weiß Aufnahme von einem Rind auf einer Weide vor einer Scheune.
Gutshof Fernewald, 1928

Wie bei den anderen großen Ruhrkonzernen des 19. und 20. Jahrhunderts war auch für die Oberhausener Gutehoffnungshütte (GHH) die betriebliche Sozialpolitik von besonderer Bedeutung. Sie entsprang dem Selbstverständnis einer strengen aber fürsorglichen Zuwendung zur Belegschaft. Disziplinierung und Bindung, insbesondere von Facharbeitern, waren zwei Seiten einer Medaille. Zudem trug eine gelungene Sozialpolitik zur positiven Außendarstellung des Unternehmens bei. Im Laufe der Zeit entstand so ein immer umfassenderes System sozialer Leistungen. Davon profitierten alle – vom Kleinkind bis zum Greis.

Historische schwarz-weiß Aufnahme einer Sanitätskolonne, die auf der Straße für das Foto posiert.
Sanitätskolonne der GHH, um 1910

Die werksfotografische Abteilung der Guthoffnungshütte (GHH) in Oberhausen hat unzählige Aufnahmen der unterschiedlichen Bereiche des einst größten Stahl- und Maschinenbaukonzerns in Deutschland gemacht. Heute ist es mit seinen über 200.000 Aufnahmen und den 16.000 Glasplattennegativen einer der besonderen Schätze des Museums. Die Ausstellung „Versorgt!“ gibt nun einen Einblick in die betriebliche Fürsorge der GHH. Ob Jubiläumsfeiern, Sanitätseinrichtungen, Wohnungsbau, Kinderfeste oder Konsumanstalten. Die Fotografien spiegeln auf eindrucksvolle Weise Leben und Alltag der mit der GHH verbundenen Menschen.

Historische schwarz-weiß Aufnahme von zwei Frauen an der Warenausgabe der GHH Kantine.
Waren- und Lebensmittelausgabe in der GHH Kantine Sterkrade, um 1910

Laufzeit
10. Juli 2026 bis 16. Mai 2027

Weitere Infos
Kulturinfo Rheinland
Telefon: 02234 9921-555 (Montag bis Freitag: 8 bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 bis 15 Uhr)
E-Mail: info@kulturinfo-rheinland.de