Was hat Spielen mit Demokratie zu tun?

Melanie Litta fand in den "Spielräumen Demokratie" im LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen überraschende Antworten.

Zwei Frauen stehen in einem Ausstellungsraum. Eine Frau sieht sich einen Hut, der an der Decke hängt, an. Die zweite Frau liest einen Ausstellungstext.

Demokratie? Kann ich doch.

Ich bin glücklicherweise in unsere demokratische Gesellschaft hineingeboren. Wählen gehen, die eigene Meinung sagen, mitbestimmen – vieles davon erscheint selbstverständlich. Doch aktuelle politische Entwicklungen zeigen immer wieder, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist.

Als Mitarbeiterin des LVR, der sich für Demokratie und Vielfalt einsetzt, beschäftige ich mich regelmäßig mit demokratischen Werten. Trotzdem habe ich mich gefragt: Kenne ich eigentlich die Grundlagen unserer Demokratie wirklich? Und was bedeutet Demokratie im Alltag – jenseits von Wahlen und politischen Debatten?

Eine Frau mit Brille und schulterlangen Haaren hat einen Text in der Hand, der verkehrt geschrieben ist. Mit einem Spiegel liest sie den Text.
Im Raum Presse wartet das Escape-Game "Der Luparius-Trojaner: Solinger Rundschau in Gefahr!" auf Sie. Um das Rätsel zu lösen, liest Melanie einen Brief mithilfe eines Spiegels.

Grundprinzipien unserer Demokratie erspielen!

Mit diesen Fragen habe ich die Dauerausstellung "Spielräume Demokratie" im LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen besucht. Mein erster Gedanke? "Spielen? Was gibt es denn da zu spielen, wenn es um so große, wichtige und oft komplexe Themen der Demokratie geht?"

In den vier interaktiven Ausstellungsräumen habe ich Antworten auf meine Fragen bekommen und auf spielerische Weise wichtige Grundprinzipien unserer Demokratie kennengelernt. Dazu gehören Kompromissbildung und die damit verbundenen Fähigkeiten Empathie, Geduld und die Bereitschaft, die eigenen Standpunkte zu hinterfragen, sowie Presse- und Meinungsfreiheit, Rechte und Freiheiten, Partizipation und Teilhabe. Zu jedem Thema gibt es interaktive Spiele:

  • ein Diskussionsspiel, in dem unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen und durch Kompromisse gelöst werden sollen,

  • ein Escape-Game, das sich mit Mediengeschichte, Informationen und Desinformationen, Cybermobbing und Whistleblowing beschäftigt, sowie

  • ein digitales Spiel, in dem man fiktive Persönlichkeiten kennenlernt, die sich für ihre Freiheit und Selbstbestimmung einsetzen.

  • Ein Brettspiel vermittelt zudem die Themen Partizipation und Teilhabe. Dabei geht es um den Wert aktiver Mitgestaltung, die Förderung benachteiligter Gesellschaftsgruppen und die Bedeutung persönlichen Engagements für unser Miteinander.

Besonders beeindruckt hat mich, wie greifbar die Themen werden. Demokratie wird hier nicht nur erklärt, sie wird vor allem erlebbar - und das spielerisch.

Eine Ziegelwand mit zwei Plakaten. Davor ein Absperrgitter. Text auf Plakat 1: Art. 2 GG. Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Text Plakat 2: Kein Mensch bekämpft die Freiheit, er bekämpft höchstens die Freiheit der anderen. (Karl Marx)
Im Raum Freiheit hängen zwei Banner: Eines mit dem Zitat von Karl Marx: "Kein Mensch bekämpft die Freiheit, er bekämpft höchstens die Freiheit der anderen.", das andere mit Artikel 2 des Grundgesetztes: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich [...]."

Die Ausstellung hat mir dadurch gezeigt: Demokratie steckt nicht unbedingt in komplizierten politischen Theorien, die ich im Studium auswendig lernen musste, sondern in jedem und jeder von uns. Sie zeigt sich darin, wie wir miteinander umgehen, einander zuhören, unterschiedliche Meinungen aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen. Sie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und sich einbringen. Die Spiele machen genau das erfahrbar. Sie zeigen, dass Meinungsvielfalt, Kompromissfindung, Teilhabe und Mitgestaltung keine abstrakten Begriffe sind, sondern Teil unseres Alltags. Das bleibt hängen - sehr viel effektiver als die trockenen Theorien im Studium - und macht Mut, es selbst im Alltag auszuprobieren.

Zwei Frauen stehen in einem Ausstellungsraum. Eine Frau sieht sich einen Hut, der an der Decke hängt, an. Die zweite Frau liest einen Ausstellungstext.
Im Raum Kompromisse geht es unter anderem um das Thema Online-Shopping und damit verbunden darum, unterschiedliche Meinungen zu einem Thema zu akzeptieren und konstruktive Lösungen zu finden.

Inspiration und Motivation für den Alltag

Für meine Arbeit beim LVR ist mir ein demokratisches Miteinander wichtig. Das lebe ich in meinem Arbeitsalltag und wünsche es mir auch von meinen Kolleg*innen. Genauso wünsche ich es mir von meinen Mitmenschen im Privaten. Denn Demokratie macht nur Spaß, wenn alle mitmachen.

Ob gemeinsam mit Freund*innen, Kolleg*innen, dem Verein, in dem man aktiv ist, oder auch als Me-Time – an zahlreichen Stationen der Ausstellung gibt es die Möglichkeit, sich vertiefend mit den vielen Themen auseinanderzusetzen. Dabei hat mir mein Besuch in den "Spielräumen Demokratie" Inspiration und Motivation gegeben, Demokratie nicht als selbstverständlich zu sehen, sondern sie aktiv, auch im vermeintlich kleinen, mitzugestalten.

Denn Demokratie lebt davon, dass Menschen mitmachen.

Zwei Frauen in einem Gang einer Ausstellung. Sie schauen sich jeweils Texte an den Wänden an.
Im Raum Presse spielt Melanie das Escape-Game "Der Luparius-Trojaner: Solinger Rundschau in Gefahr!".

Die Menschen hinter der Story

Text: Melanie Litta, LVR-Dezernat Kultur
Redaktion: Ebru Turan, LVR-Dezernat Kultur

Eine Frau mit Brille und schulterlangen Haaren und eine frau mit Kopftuch sitzen an einem Spieltisch in einer Ausstellung. Sie drehen ein Interview mit Handy, Handylicht und einem Mini-Mikrofon.