Provenienzforschung
Provenienzforschung untersucht Herkunft und Besitzgeschichte von Kunstwerken und Kulturgütern.
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Provenienzforschung untersucht die Herkunft und Besitzgeschichte von Objekten – insbesondere von Kunstwerken, Büchern, Kulturgütern, historischen Sammlungen oder auch archäologischen Funden.
Es geht darum herauszufinden:
woher ein Objekt stammt,
wer es in welchem Zeitraum besessen hat,
ob es rechtmäßig erworben wurde.
Eine besondere Rolle spielt Provenienzforschung bei NS-Raubkunst, also von den Nationalsozialisten enteigneter Kunst und bei Kulturgütern aus kolonialen Kontexten. Provenienzforschung verbindet dabei Geschichte, Kunstgeschichte, Archivarbeit, Recht und auch Naturwissenschaften, z. B. bei Materialanalysen.
Den Anstoß für die Gründung einer Koordinationsstelle für Provenienzforschung in Nordrhein-Westfalen, kurz KPF.NRW und damit für eine flächendeckende und nachhaltige Infrastruktur der Provenienzforschung in nordrhein-westfälischen Museen gab das Projekt "Provenienzforschung in NRW". Es wurde von der LVR-Museumsberatung initiiert und von 2017 bis 2019 in Kooperation mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen durchgeführt. Ziel des Projektes war es, ein Konzept zur Etablierung, Systematisierung sowie strukturellen Verbesserung der Provenienzforschung an den Museen in NRW zu erstellen. Für die Ermittlung musealer Bedarfe in der Provenienzforschung und der Dokumentation von Museumssammlungen wurde im Rahmen des Projekts im Jahr 2019 u. a. eine Online-Umfrage durchgeführt.
Die Projektergebnisse sind im Projektabschlussbericht "Provenienzforschung in NRW – Informationen und Empfehlungen für eine systematische, flächendeckende und nachhaltige Provenienzforschung" publiziert, der hier zum Download zur Verfügung steht.
Die KPF.NRW ist die "Koordinationsstelle für Provenienzforschung in Nordrhein-Westfalen". Sie unterstützt Museen, Bibliotheken, Archive und weitere Akteure bei der Erforschung der Herkunft von Kulturgütern.
Die KPF.NRW wurde 2022 vom Land NRW gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gegründet. Ihr Ziel ist es, die Provenienzforschung – also die Erforschung der Herkunft von Kunst- und Kulturgütern – in Nordrhein-Westfalen systematisch auszubauen und zu vernetzen.
Zu den zentralen Aufgaben der KPF gehören:
Beratung und Unterstützung von Museen, Bibliotheken, Archiven, Kommunen und auch Privatpersonen bei Fragen der Provenienzforschung,
Aufbau einer landesweiten Forschungs- und Informationsinfrastruktur,
Vernetzung von Einrichtungen und Forschenden,
Sichtbarmachung und Bündelung von Forschungsergebnissen,
Entwicklung gemeinsamer Standards und Methoden,
Förderung von Austausch, Fortbildungen und Kooperationen.
Inhaltlich beschäftigt sich die KPF insbesondere mit Kulturgut, das in historischen Unrechtskontexten entzogen wurde. Dazu zählen vor allem:
NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter,
Kulturgutverluste in der SBZ und DDR,
Kulturgüter aus kolonialen Kontexten.
Im LVR-Landesmuseum Bonn wird seit den 1990er-Jahren systematisch untersucht, ob sich in den Sammlungen Objekte befinden, die während der NS-Zeit unrechtmäßig entzogen wurden. Dabei werden Erwerbungen von 1933 bis 1945 sowie spätere Ankäufe überprüft. Dazu gehört auch die Erforschung der Herkunft der Bibliotheksbestände des LVR-Landesmuseums.
Seit Kurzem bietet das LVR-Landesmuseum in lockeren Abständen Führungen zu Einblicken in die Arbeitsweise der Provenienzforschung am Museum an. Besucher*innen erfahren anhand von fünf Fakten die Herkunft von fünf ausgewählten Kunstobjekten aus der Dauerausstellung WELT IM WANDEL. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Herkunft der Museumsbestände zwischen 1933 und 1945 und dem sogenannten verfolgungsbedingten Entzug von Kunstwerken durch die Nationalsozialisten.