Das Wohnhaus der Familie Ullmann
Im Haus finden sich Spuren seiner jüdischen Vergangenheit. Diese werden durch eine umfangreiche Ausstellung ergänzt.
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Im Wohnhaus und in der ehemaligen Synagoge wurden bei der Sanierung viele, oft unscheinbare Spuren gefunden, die gesichert oder wieder sichtbar gemacht wurden.
Die Spuren sind eigenständige Exponate, die Geschichten erzählen – über die Menschen, die hier lebten, ihre Religion, ihre Art zu wohnen und sich einzurichten, ihre Arbeit oder über die Baugeschichte des Hauses.
Schon im ersten Raum findet man am Türrahmen Spuren einer Mesusa (hebr. Türpfosten), die von der jüdischen Familie angebracht wurde.
Über der Tür erinnert der Abdruck eines Kreuzes an die christliche Familie, die anschließend hier lebte.
Die Tapeten- und Farbschichten geben Auskunft über die Wandgestaltung von den 1920er Jahren bis heute.
Von 1789 bis 1934 war das Rödinger Wohnhaus der Lebensmittelpunkt der Familie Ullmann. Die Geschichte der Ullmanns und ihrer Nachkommen kann über 200 Jahre rekonstruiert werden. Sie ist in vielerlei Hinsicht typisch für die Geschichte der Juden im Rheinland im 19. und 20. Jahrhundert.
Sibilla Ullmann war die letze jüdische Bewohnerin des Wohnhauses. Sie musste 1934 ihr Elternhaus verlassen, nachdem ihre Familie aufgrund der Diskriminierung und der Berufsbeschränkungen für Jüdinnen und Juden in finanzielle Schwierigkeiten geriet und das Haus verkaufen musste.
Sie zog in das jüdische Altersheim Rheydt, wo sie bis 1942 lebte. Aus dieser Zeit stammt die einzige Fotografie von Sibilla Ullmann. Sie ist in der Aufnahme in der zweiten Reihe von unten als dritte Person von rechts zu sehen.
Sibilla Ullmann wurde Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Im Alter von 82 Jahren wurde sie mit einem Sammeltransport von Düsseldorf nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.
In der Ausstellung erzählen wir Ihnen die Geschichte der Familie Ullmann. Sie erfahren, wann sie sich angesiedelt haben, welche Berufe sie ausübten und wie es dazu kam, dass hinter ihrem Wohnhaus eine Synagoge erbaut wurde.
Ich hoffe, dass viele Schulkinder hierher kommen, sich das Haus und die Synagoge ansehen und den Jugendlichen erklärt wird, wie Juden auf dem Land gelebt haben. Es soll ein Ort der Besinnung und Erinnerung sein.
Ellen Eliel-Wallach war Ehrengast bei der Eröffnung des LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen. Sie war ihrer Großtante „Billchen“, die bis 1934 in Rödingen wohnte, und damit dem Rödinger Gebäudeensemble eng verbunden.
Der Familie von Ellen Eliel-Wallach wurde durch die Deutschen unendlich viel Leid zugefügt. Sie mussten in die Niederlande fliehen, wurden seit Dezember 1942 in verschiedene Lager deportiert. Die Großtante Sibilla Ullmann starb einen gewaltsamen Tod und der geliebte Vater Richard Wallach wurde in Auschwitz ermordet.
Umso dankbarer sind wir, dass sie bereit war, uns über ihr Schicksal und das ihrer Familie zu berichten. Durch viele Gespräche und Begegnungen ist es uns möglich, die Geschichte der Familie Ullmann vom Ende des 18. Jahrhunderts bis heute im LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen vorzustellen. Es ist eine individuelle Familiengeschichte, die aber auch beispielhaft für viele rheinischjüdische Familien steht. Durch die Geschichte der Familie Ullmann erhalten Sie Einblicke in „Jüdisches Leben im Rheinland“ vom 18. Jahrhundert bis heute.
Recherchen zur jüdischen Familie Ullmann haben ergeben, dass heute Nachfahren in der ganzen Welt leben. Viele Ullmann-Nachkommen aus Argentinien, Israel, den Niederlanden, Kanada und Uruguay kommen regelmäßig zu Besuch. Für sie ist das LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen ein wichtiger Erinnerungsort und wiedergewonnener Teil ihrer Identität geworden.
Die Küche war der zentrale Ort im Haus der Familie Ullmann. Von hier aus ließen sich alle Räume erreichen. Hier wurde gekocht und gegessen.
In der Ausstellung werden in der früheren Küche der Ullmanns die jüdischen Speisevorschriften (Kaschrut) vorgestellt.
Die Regeln der koscheren Küche sind überall auf der Welt (fast) dieselben. Sie werden auf göttliche Gebote in der Bibel und im Talmud zurückgeführt. So ist genau festgelegt, welche Lebensmittel koscher (rein, tauglich, geeignet) sind und in welchen Zusammenstellungen sie gegessen werden dürfen, wie die Speisen zubereitet werden und was bei der Einrichtung der Küche zu beachten ist.
Die moderne Lebensmitteltechnologie mit ihren zahlreichen Zusatzstoffen macht es schwer zu beurteilen, ob ein Produkt koscher ist oder nicht.
Sind Gummibärchen koscher? Oder dürfen bestimmte Zutaten gemäß der religiösen Speisevorschriften nicht gegessen werden?
In der Ausstellung zeigen wir Ihnen, wie Sie koschere Produkte anhand des Hechscher (ein Koscher-Zertifikat) erkennen können und warum Gummibärchen, die als Halal gekennzeichnet sind, nicht auch automatisch koscher sind.
In der Bibel heißt es an drei Stellen: "Du sollst ein Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen." In der jüdischen Tradition entwickelte sich daraus eine völlige Trennung von Fleisch- und Milchprodukten: Töpfe, Geschirr und Besteck für "Milchiges und "Fleischiges" müssen getrennt gehalten werden.
In unserer Ausstellung zeigen wir Ihnen exemplarisch speziell gekennzeichnetes Geschirr des jüdischen Wohlfahrtzentrums Köln.
Mit dem Entzünden der sternförmigen Schabbat-Lampen aus Messing begann früher in vielen jüdischen Familien in Deutschland der Schabbat.
Unsere Schabbat-Lampe hat einen längeren Weg hinter sich. Sie wurde aus dem Rheinland nach Amerika mitgenommen und sollte 2009 wieder an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Da dieser nicht gefunden werden konnte, wird sie jetzt mit ihrer Geschichte bei uns gezeigt.
Mehr zu den besonderen Regeln zum Schabbat erfahren Sie in unserer koscheren Küche.
Jüdische Religion wird in der Öffentlichkeit der Gemeinde und in der Privatheit der Familie gelebt und praktiziert.
Die Lesung des wöchentlichen Tora-Abschnitts am Schabbat findet in Anwesenheit der Gemeinde in der Synagoge statt.
Im Wohnhaus der jüdischen Familie Ullmann können Sie an allen Türrahmen Spuren entdecken, wo früher eine Mesusa (hebr. Türpfosten) angebracht war. In der koscheren Küche erklären wir Ihnen, was bei der Befolgung der Speisegesetze beachtet wurde.
Ein aufwendig bestickter Tora-Wimpel aus dem 18. Jahrhundert ist ein optischer Anziehungspunkt unserer Ausstellung.
Ein Tora-Fragment, ein Hörstück, Gebetbücher für Alltag und Festtage sowie eine Synagogen-Ordnung von 1836 illustrieren zentrale Aspekte der jüdischen Religion.
Jüdische Gemeinden sind seit der Spätantike Bestandteil europäischer Kultur. Unser Fokus liegt auf der Geschichte des Landjudentums, die mit den Vertreibungen aus den Städten im Mittelalter beginnt.
Unsere Ausstellung vermittelt Ihnen einen kurzen Überblick über die Geschichte der Jüdinnen und Juden im Rheinland von den spätmittelalterlichen Vertreibungen über die Emanzipation und rechtliche Gleichstellung im 19. Jahrhundert bis zur Verfolgung in der NS-Zeit und dem mühsamen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Menora aus Vettweiß, der siebenarmige Leuchter, ist eines der wenigen erhaltenen Objekte, die einmal zur Einrichtung einer rheinischen Landsynagoge gehörten. Seine Geschichte erzählt viel über die Entwicklung einer jüdischen Landgemeinde seit dem 19. Jahrhundert, die Verfolgung der Juden auf dem Land und den Umgang mit jüdischen Objekten nach 1945.
In fast jedem Raum der Ausstellung haben sich Spuren der ehemaligen Bewohner*innen erhalten. Eine zunächst unauffällige Glasscheibe ist ein ganz besonderes Exponat, das das einzige erhaltene Zeugnis der letzten jüdischen Bewohnerin trägt, die 1934 ihr Elternhaus für immer verlassen musste.
Wie haben Jüdinnen und Juden in einem mehrheitlich christlichen Dorf gelebt? Neben Synagogen und Betstuben gab es in vielen rheinischen Dörfern weitere „jüdische Orte": einen jüdischen Friedhof, eine Judengasse und eine jüdische Schule.
In Rödingen verweisen wir mit drei großen Stelen auf diese jüdischen Orte, die Sie in einem Dorfrundgang besuchen können. In der Ausstellung haben wir Ihnen Zeugnisse aus dem Leben der jüdischen Bevölkerung zusammgetragen.
Die Rödinger Synagoge hat ihre ganz eigene Geschichte. In unserer Ausstellung zeigen wir ihnen die wichtigsten Dokumente von Gründung der Synagoge bis zur heuten Nutzung als LVR-Kulturhaus.
Kurzfilme veranschaulichen die wechselhafte Geschichte der Landsynagoge, die beispielhaft für die Entwicklung in zahlreichen jüdischen Gemeinden des Rheinlands bis zur NS-Zeit ist. Wie mit den rheinschen Landsynagogen nach dem Holocaust umgegangen wurde, erfahren Sie bei uns.