Die Landsynagoge im Hinterhof

Verborgen im Hinterhof wartet die einzige weitgehend im Originalzustand erhaltene Landsynagoge im Rheinland auf Ihre Erkundung.

Mehrere Menschen stehen in der Landsynagoge und schauen sich in dem Raum um.

Eine eigene Synagoge für die gewachsene Bevölkerung in Rödingen

Nicht selten betätigten sich Mitglieder besser situierter Familien als Vorsteher jüdischer Gemeinden oder engangierten sich bei der Finanzierung von Synagogenbauten. So auch Isaak Ullmann, der 1840 seinem Vater im Amt des Vorstehers der jüdischen Gemeinde folgte, das er bis zu seinem Tode 1877 innehaben sollte.

Eine Gebäudewand in Herbstsonne getaucht mit einem hochrechteckigen Fensterpaar. Geschlossene Fernsterläden verdecken die Fenster.
Die Südseite der Landsynagoge in der Herbstsonne

Durch das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung war die Bet-Stube im Wohnhaus der Familie Ullmann zu klein geworden. Daher ließ Isaak Ullmann 1841 eine eigenstänidige Synagoge in seinem Hof für die 42 Jüdinnen und Juden in Rödingen errichten. 1849 übereignete er das Gebäude der jüdischen Gemeinde im Wohnort.

1926 lebten neben der Tochter Sibilla von Isaak Ullmann nur noch zwei weiter Juden in Rödingen. Daher beschloss die Synagogengemeinde Jülich, die Filialgemeinde Rödingen aufzulösen, da das Quorum von zehn männlichen Juden, das für einen orthodoxen Gottesdienst notwendig ist, nicht mehr erreicht werden konnte.

Das Synagogengebäude

Die Rödinger Synagoge ist ein schlichtes, eingeschössiges Bauwerk mit hochrechteckigen Fenstern mit Rundbogenabschluss.

Betritt man den Hauptraum der Synagoge, richtet sich der Blick direkt auf die Tora-Nische in der Ostwand der Synagoge, der nach Jerusalem zugewandten Seite.

Blick in den Innenraum der Synagoge. Auf der linken Seite sieht man die Frauenempore. Sie ist gestützt von zwei Säulen, die bunte Farbspritzer aufweisen. In der gegenüberliegenden Wand ist ein hochrechteckiges Fensterpaar. Auf dem Holzboden der Synagoge sind Sitzwürfel mit verschiedenen Bildmotiven arrangiert.
Innenraum der Synagoge mit Frauenempore

Gegenüber der Tora-Nische, über dem Vorraum der Synagoge, befindet sich die einzige noch im Originalzustand erhaltene Frauenempore einer Landsynagoge im Rheinland. Von hier aus nahmen die Frauen am Gottesdienst teil.

Ursprünglich war die Synagoge mit Rankenornamenten und Stuckleisten reich geschmückt. Reste der originalen Schablonenmalerei sind immer noch erhalten.

Blick in den Innenraum der Synagoge. Auf der linken Seite sieht man die Frauenempore. Sie ist gestützt von zwei Säulen, die bunte Farbspritzer aufweisen. In der gegenüberliegenden Wand ist ein hochrechteckiges Fensterpaar. Auf dem Holzboden der Synagoge sind Sitzwürfel mit verschiedenen Bildmotiven arrangiert.

Die Synagoge als Veranstaltungsort

Heute gibt es in Rödingen keine jüdische Gemeinde mehr und in der Synagoge finden keine Gottesdienste statt.

Die hebräische Bezeichnung "Beit Knesset" bedeutet "Haus der Versammlung". Entsprechend finden in der ehemaligen Synagoge monatlich Vorträge, Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen und Workshops statt.

Eine Frau steht an einem Tisch und hält in der einen Hand eine Karte und in anderen Hand ein Buch aus dem sie vorliest. Um den Tisch sitzen Menschen mit selbstgebastelten Rasseln in der Hand.
Veranstaltung zum jüdischen Fest Purim