Ergotherapie-Fachtagung am 12. November 2026
"Ergotherapie und Teilhabe": Workshops, Austausch und Inspiration in der LVR-Universitätsklinik Essen
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Menschen mit Einschränkungen im Alltag haben ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, Teilhabe und Zugehörigkeit. Ergotherapeut*innen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag: Sie schaffen Möglichkeiten, stärken Ressourcen und fördern Inklusion in unterschiedlichen Lebensbereichen – insbesondere auch in restriktiven Settings wie der forensischen Psychiatrie.
Was bedeutet Teilhabe in der Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen konkret? Und wie kann sie dort gelingen, wo Strukturen eng und Handlungsspielräume begrenzt sind?
Freuen Sie sich auf praxisnahe Workshops, kollegialen Austausch und einen inspirierenden Keynote Speaker:
Kai Bosch – Comedian, Inklusionsbotschafter und Mutmacher.
Für die Veranstaltung wurden sechs Fortbildungspunkte beantragt.
Termin:
Donnerstag, 12. November 2026, 09:30 Uhr
Veranstaltungsort:
LVR-Universitätsklinik Essen
Virchowstr 174
45147 Essen
Das Programm der 10. Ergotherapie-Fachtagung "Ergotherapie und Teilhabe" im Überblick
Lassen Sie sich inspirieren von unserem Keynote-Speaker.
Speaker: Kai Bosch
Frauen fahren schlechtes Auto als Männer. Schwaben sind geizig und Ostfriesen blöd.
Vorurteile sind ein spannendes Phänomen. Obwohl niemand sie haben möchte, lieben wir sie alle. Was sind Vorurteile? Woher kommen diese Klischees? Warum stecken wir allzu oft Menschen in Schubladen? Und vor allem, wie können wir sie abbauen? Kai Bosch sucht nach Antworten.
Vorurteile sind für Kai Bosch allgegenwärtig. Seit seiner Geburt lebt er mit einer Tetraspastik und ist Stotternder. Das, was ihn daran am meisten behindert, ist nicht die körperliche Einschränkung, es sind die Vorurteile. In dieser Speech geht es um die persönliche Vorstellung von gelebter Inklusion. Aber vor allem geht es um Begegnungen auf Augenhöhe, um sprachliche Sensibilität und um den Abbau von Unsicherheiten im zwischenmenschlichen Umgang und Zusammenleben.
Dieser Vortrag ist ein humorvoller Appell und zugleich eine Ermutigung zum Hinterfragen der eigenen Denkmuster. Kai Bosch stellt den Respekt in den Vordergrund und legt pointiert den Finger in die Wunde, ohne dabei die mahnende Keule zu schwingen. Nicht überall, wo Inklusion draufsteht, ist Inklusion drinnen. Minimieren auch Sie Ihre persönlichen Vorurteile und maximieren dadurch gesellschaftliche Vorteile - für uns alle!
Hier finden Sie Details zu den Workshops.
Referentin: Rebecca Lang
Die zeitgemäße Ergotherapie zeichnet sich u. a. durch ein modellgeleitetes Vorgehen aus, bei dem Ergotherapeut*innen ihr Handeln konsequent an bedeutungsvollen Betätigungen ihrer Klient*innen ausrichten sowie deren individuellen Alltagskontext berücksichtigen.
Um diesen Anforderungen auch im akutpsychiatrischen Setting gerecht zu werden, entwickelte die Referentin den Ansatz des Fotocoachings. Theoretische Grundlagen hierzu sind die im Canadian Model of Client-Centred Enablement beschriebene ergotherapeutische Kompetenz des Coachings, der Action-Reflection-Learning-Process sowie Photovoice und Autophotographie.
Der Impulsvortrag verdeutlicht, wie Fotocoaching dazu beiträgt, bedeutungsvolle Betätigungen sowie den häuslichen Kontext im institutionellen Setting einzubeziehen. Im Anschluss bietet der Workshop Zeit für kollegialen Austausch, um Möglichkeiten zu erarbeiten, ergotherapeutisches Coaching und Fotocoaching in die eigene (klinische) Arbeit zu integrieren.
Referentin: Anne Kathrin Schütz
Im Grundgesetz und in der UN-Behindertenrechtskonvention sind das Recht und die Teilhabe an der Gesellschaft und auf Arbeit für alle Menschen festgelegt.
Wie sieht eine Arbeitswelt für alle Menschen aus? Wie kann Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auf gleicher Augenhöhe gelingen? Was brauchen der oder die Einzelne, das Team, um gesund, zufrieden und zusammen zu arbeiten? Was brauchen Arbeitgeber*innen, um Arbeit gesund zu gestalten? Welche Haltung ist dabei wichtig und welche Rolle spielen Ergotherapeut*innen in diesem Prozess?
Diese und andere Fragen werden in dem Workshop gemeinsam erörtert, diskutiert und Antworten darauf gefunden. Verschiedene Praxisbeispiele und persönliche Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven bilden dabei die Grundlagen für das Thema.
Referentinnen: Henrike Groeger, Anja Timmer
Wie gelingt Teilhabe dort wo das „echte“ Leben stattfindet? Die aufsuchenden Konzepte Home-Treatment und Homebase ermöglichen Jugendlichen trotz ihrer psychiatrischen Erkrankung eine Behandlung in ihrem Lebensumfeld und lassen sie am Alltag teilnehmen.
Dadurch können stationäre Behandlungen verkürzt und im ambulanten Setting fortgeführt werden.
Was verbirgt sich genau hinter diesen Konzepten? Für wen sind sie geeignet? Wie werden die Konzepte in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der LVR-Universitätsklinik Essen multiprofessionell umgesetzt?
Anhand von zwei Fallbeispielen stellen die Pflegefachexpertin und die Ergotherapeutin die Konzepte vor; außerdem werden weitere Interventionen aus der KJP Essen aufgezeigt, die einen Übergang in den Alltag ermöglichen oder erleichtern können.
Referent*innen: Mile Lex Franke, Anja Tille Woweries, Bernd Sorowka
Es gibt Gesprächsformen, die weniger an eine Behandlung erinnern, sondern vielmehr an eine behutsame gemeinsame Erkundung menschlicher Erfahrungen. Hier begegnen sich Menschen, die psychische Krisen erlebt haben, ihre Angehörigen und jene, die beruflich behandeln und begleiten. Jede*r bringt dabei eine eigene Wirklichkeit und Sichtweise mit.
Genau darin liegt die besondere Stärke dieses Gesprächsformats. Der Trialogische Beirat des LVR versteht sich als multiperspektivisches Beratungsgremium. Sein Ziel ist es, die Rechte und Interessen von Menschen mit psychischen Erkrankungen, Behinderungen sowie deren Angehörigen zu schützen und die trialogische Haltung in Therapie und Versorgung nachhaltig zu stärken. Im Mittelpunkt steht dabei die gleichberechtigte Kommunikation zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften.
In unserem Workshop möchten wir Ihnen einen kompakten Einblick in den Trialog als Haltung und Gesprächsformat vermitteln. Gemeinsam reflektieren wir unterschiedliche Perspektiven und vermitteln erste Impulse für die eigene Praxis.
Der Workshop ist bewusst dialogisch gestaltet. Er verfolgt nicht das Ziel, reine Wissensvermittlung anzubieten, sondern Perspektiven sichtbar zu machen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Referent*innen: Andrea Weirauch, Annika Oberließen
Wie kann Teilhabe dort gelebt werden, wo Rahmenbedingungen eng, Strukturen unveränderlich und Handlungsspielräume begrenzt sind?
Dieser Praxis-Workshop richtet sich an Ergotherapeut*innen, die in forensischen, geschlossenen, geschützten oder beschränkenden Settings arbeiten. Zunächst werden gemeinsam Good-Practice-Beispiele aus den Erfahrungen identifiziert. Anschließend werden eigene berufliche Settings im Sinne von „Detektivarbeit“ nach Teilhabechancen durchsucht.
Der Workshop versteht sich als Ideenschmiede: Durch kreative Methoden, kollegialen Austausch und eine konsequent lösungsorientierte Haltung entstehen individuelle Teilhabe-Potenziale, die unmittelbar in den Arbeitsalltag übertragbar sind. Ziel ist es, nicht nur neue Perspektiven, sondern auch konkrete Impulse für die nächste Woche mitzunehmen – und sich mit Klarheit und Motivation auf den Weg zu machen, Teilhabe im eigenen Setting aktiv zu gestalten.
Lernen Sie unsere Referent*innen kennen.
Psychiatrieerfahren und im Vorstand des Landesverbands Psychiatrieerfahrener NRW e.V.
Ich setze mich dafür ein die Perspektiven von Psychiatrieerfahrenen/ Menschen mit psychischen Behinderungen sichtbar zu machen, zum Beispiel im Trialogischen Beirat des LVR. Schwerpunkte dabei sind behandlungsbedingte Schäden und Traumatisierungen, sowie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Henrike Groeger ist Pflegefachexpertin in der LVR-Universitätsklinik Essen in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters.
Ergotherapeutin seit 1996, 22 Jahre lang in einer akutpsychiatrischen Fachabteilung eines Allgemeinkrankenhauses tätig, davon 14 Jahre lang Abteilungsleitung. Seit 2006 Dozentin für Ergotherapie auf Honorarbasis an verschiedenen Berufsfachschulen. Seit 2018 festangestellte Dozentin für Ergotherapie an den Döpfer Schulen Köln und der Zuyd Hogeschool, NL.
Schwerpunkte ihrer Lehrveranstaltungen sind Grundlagen der Ergotherapie, psychosoziale und arbeitsbezogene Ergotherapie sowie wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben.
Ergotherapeutin seit 2015, derzeit auf geschützten Stationen der Gerontopsychiatrie der LVR Klinik Düren, zuvor in ambulanten und stationären Versorgungssettings.
Anne Kathrin Schütz, Jahrgang 1969, ist Diplom Gesundheitswirtin, Ergotherapeutin und Systemische Coach. Sie hat langjährige theoretische und praktische Erfahrungen als Lehrende, Leitende und begleitende Person in verschiedenen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens sowie in unterschiedlichen Unternehmen gesammelt. Ein besonderes Anliegen sind ihr dabei die gesundheitsfördernde systemische Grundhaltung, die gesunde Gestaltung von Arbeit und die Befähigung von einzelnen Mitarbeitenden und Teams, um eine gesunde und zufriedene Teilhabe für alle tätigen Menschen zu ermöglichen.
Ergotherapeut und stellvertretende Leitung der Therapeutischen Dienste in der LVR-Klinik Viersen. Ich engagiere mich für die fachliche und konzeptionelle Weiterentwicklung der Ergotherapie und bringe mich zudem aktiv in klinikweite Projekte sowie interdisziplinäre Arbeitsgruppen ein. Dazu gehören die Planungsgruppe für die Fachtagung Ergotherapie des LVR und des DVE, das Projekt „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ sowie der Trialogische Beirat.
Ergotherapeutin DBT- A- Therapeutin für Sozial- und Pflegeberufe, Ergotherapeutin seit 1993, seitdem fast ausschließlich tätig in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zunächst LWL- Klinik Marl-Sinsen; seit 2007 LVR- Universitätsklinik Essen, tätig auf zwei DBT- A- Therapiestationen und im ambulanten Homebase.
Betroffene Mutter und Fachbeirätin der ARWED e. V. (Arbeitskreis Rheinisch Westfälischer Elternkreise drogengefährdeter und abhängiger Menschen).
Seit vielen Jahren engagiere ich mich in der Selbsthilfe für Angehörige suchtkranker Menschen, zunächst im Vorstand der ARWED e. V., heute als Fachbeirätin. Als Mutter eines Sohnes mit Doppeldiagnose habe ich selbst erfahren, wie sehr eine Suchterkrankung und eine psychische Erkrankung das Leben einer ganzen Familie verändern können und wie häufig Angehörige im Hilfesystem übersehen werden.
Diese Erfahrungen haben mich motiviert, mich auch fachpolitisch einzubringen. Als Angehörige bringe ich meine Perspektive unter anderem im Trialogischen Beirat des LVR ein. Mein Anliegen ist es, Angehörige sichtbar zu machen, Stigmatisierung abzubauen und den Dialog auf Augenhöhe zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften zu stärken. Ich bin überzeugt, dass gute Behandlung nur gelingen kann, wenn alle drei Perspektiven gehört und ernst genommen werden.
Ergotherapeutin seit 2013, Bachelor of Science der Ergotherapie seit 2025, derzeit im jugendforensischen Bereich der LVR Klinik Viersen tätig;