Lernen als Teil der Therapie
Eine der Therapiemaßnahmen ist der Schulunterricht, zu dem Issak A., Paul S. und Laith F. zweimal in der Woche kommen – freiwillig, weil sie lernen wollen.
Heute nehmen sie teil an einem Herzensprojekts ihres Lehrers Dr. Calleen: Der Demokratie-Bildung. Dieser fragt, welcher Artikel des Grundgesetzes – Inhalt des heutigen Unterrichts – ihnen am wichtigsten sei.
Als erster antwortet Laith F., seit fast vier Jahren Patient der forensischen Klinik. Der lebhafte junge Mann zögert keinen Moment: Für ihn hat Artikel 7 – in dem die staatliche Schulaufsicht und die Elternrechte in Bezug auf den Religionsunterricht geregelt sind – eine große Bedeutung. Nur die Eltern sollten bestimmen, welchen Religionsunterricht die Kinder besuchen.
Auch Isaak A., erst seit fünf Monaten in der Klinik, fällt die Antwort auf Dr. Calleens Frage nicht schwer: Für ihn steht Artikel 1 im Mittelpunkt – die Würde des Menschen ist unantastbar. Issak A. wurde im Irak geboren und möchte nur noch in einem Land leben, in dem die Würde des Menschen geachtet und durch die Verfassung geschützt wird. Er arbeitet hart an sich und beteiligt sich an vielen Co-Therapien und Bildungsangeboten der Klinik, denn er hat ein klares Ziel: Die Ausbildung zur Pflegefachkraft.
Paul S., seit vier Jahren in der Klinik untergebracht, ruhig und zurückhaltend, hat ebenfalls eine klare Präferenz: Ihm ist Artikel 5 des Grundgesetzes besonders wichtig. Sein Argument: Jeder und jede soll gehört werden, alle hätten ein Recht auf ihre eigene Meinung.
Dr. Calleen stimmt ihm zu, erklärt aber auch die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland: Beleidigung, Verleumdung, Volksverhetzung und die Billigung der NS-Gewaltherrschaft setzen Artikel 5 GG Grenzen.