Bauen und Planen im Rheinland in der NS-Zeit

Erfassen und Erforschen

An einer Straße gelegener, winkelförmiger Ziegelbau mit weiß geschlämmter Fassade und ziegelgedecktem Walmdach, im Vordergrund Zaunanlage, die mit bunten Stiften dekoriert ist.

Bauen und Planen im Rheinland in der NS-Zeit – aktueller Forschungsstand

In den jüngeren Forschungsprojekten und Überblicksdarstellungen zum Bauwesen in der NS-Zeit nimmt das Rheinland erstaunlicherweise immer noch eine Randposition ein. Dabei liegt es nahe, dass ihm darin doch eine besondere Rolle zugekommen sein muss. Nicht allein im Ruhrgebiet konzentrierten sich hier kriegswichtige Industrieunternehmen, die – wie die Edelstahlwerke in Krefeld – in der NS-Zeit vielfach erweitert wurden.

Ansicht eines eingeschossigen Gebäudes mit weiß geschlämmter Ziegelfassade und Walmdach.
Krefeld-Fischeln, Edelstahlkampfbahn, Vereinsgebäude, Zustand 2013.

Das Bauwesen in der NS-Zeit – Großprojekte

Neben baulichen Erweiterungen oder Neubauten von Industriebetrieben trieb man für ihre Belegschaft den Siedlungsbau voran, für Zwangsarbeiter*innen wurden Lager erbaut. Die strategische Grenzlage des Rheinlandes erforderte spezifische Bauaufgaben von den Zollsiedlungen am Niederrhein und in der Eifel bis hin zum militärischen Bollwerk des Westwalls und auch den Kasernenbau im Zuge der Remilitarisierung. Als nach der Besatzungszeit „heimgeholter“ Reichsteil war das Rheinland ideologisch besonders aufgeladen. „Auf Pump“ finanzierte infrastrukturelle Großmaßnahmen wie der Autobahnbau vermittelten Fortschrittsglauben. Monumentale Großbauten wie die Ordensburg Vogelsang in der Eifel oder das mit dem Schlageterdenkmal verbundene Gelände der Ausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf demonstrierten die Gleichschaltung des Rheinlands.

Ansicht von zwei monumentalen Pferdeskulpturen und einem Rossbändiger aus Naturstein im Eingangsbereich zum Nordpark, die vom Bildhauer Edwin Scharff anlässlich der Großen Reichsausstellung Schaffendes Volk 1937 aufgestellt wurden, im Hintergrund ist eine Pappelallee zu sehen.
Düsseldorf, Nordpark, Skulpturen „Rossebändiger“ von Edwin Scharff am Ausstellungseingang der „Reichsausstellung Schaffendes Volk“ 1937.

Öffentliche Bauaufgaben

Betulicher wirkend, aber nicht weniger gefährlich, waren HJ-Heime als Pflanzstätten eines nationalsozialistischen Selbstverständnisses. Als Männer in den Krieg und Frauen in die Betriebe mussten, gab es ein großes Bauprogramm für neue Kindergärten. Mitzudenken sind aber auch jene „Luftschlösser“, die nie zur Ausführung kamen, aber gleichwohl zur Regimetreue inspirierten, wie das für Waldbröl geplante Volkstraktorenwerk oder die mehrfach – nicht nur für die neuen Gauhauptstädte – überlieferten Generalbaupläne rheinischer Kommunen.

Ansicht eines innerstädtisch gelegenen, zweigeschossigen Schulgebäudes mit verputzter Fassade und Walmdach in Mülheim an der Ruhr.
Mülheim an der Ruhr, Erweiterungsbau der Trooststraßenschule von 1937.

Weitere Schwerpunkte des Bauwesens in der NS-Zeit

Das Bauen der Kirchen kam zwischen Selbstbehauptung, Anpassung und Zustimmung bei alledem nicht zum Erliegen. Weiterhin entstanden unter den Bedingungen eines zunehmend reglementierten Baubetriebs, aus dem die jüdischen Architekten nun ausgeschlossen waren, Bauten aller Art: Rathäuser, Bauernhöfe, Gerichte, Postämter, Sparkassen, Schulen, Schwimmbäder, Jugendherbergen – und immer noch: Privathäuser – und immer mehr: Bunker!

Innerstädtisch gelegener, weiß geschlämmter Hochbunker mit seitlich vorgelagerten Türmen aus der Zeit des Nationalsozialismus mit vorgelagerter, begrünter Platzanlage.
Bonn-Dottendorf, Hochbunker auf dem Quirinusplatz, zwischen 1941 und 1942 erbaut.

Kriegerehrenmale

Das Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs erfuhr in der NS-Zeit eine zunehmende Verengung in Richtung der Mobilisierung für den erneuten Waffengang. Bereits vorhandene Ehrenmale wurden nicht selten durch Aufmarschflächen ergänzt, neue – wie das Düsseldorfer 39er Denkmal – von vornherein als politische Kulisse erbaut.

Ansicht eines nationalsozialistischen Kriegerehrenmals aus Naturstein mit reliefierten Darstellungen marschierender Soldaten in Seitansicht, vorgelagert große Platzanlage.
Düsseldorf-Golzheim, Kriegerehrenmal auf dem Reeser Platz aus dem Jahr 1938.

Stand der Erfassung der NS-Bauten im Rheinland

Während auch im Rheinland seit Jahrzehnten schon Geschichtsarbeit, Gedenk- und Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus intensiv und facettenreich betrieben werden, haben Denkmalpflege und Architekturgeschichte hierzu bislang eher wenig beigetragen. Nur ein Bruchteil der baulichen Überlieferung jener Jahre ist bislang dokumentiert oder gar in den Denkmallisten der rheinischen Kommunen verzeichnet. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass die flächendeckende Denkmalerfassung durch das Fachamt in den 1970er und 1980er Jahren in der Regel nur Objekte erfasste, die vor dem Ersten Weltkrieg oder allenfalls noch in den 1920er Jahren entstanden sind. Auch die nachfolgenden Vertiefungsprojekte der Inventarisation haben die NS-Zeit weitgehend ausgeblendet.

Ansicht einer Kirche aus Natursteinmauerwerk mit niedrigem Kirchturm und ziegelgedeckten Dächern, umgeben von Wiesen.
Waldbröl-Ziegenhardt, katholische Kirche St. Konrad von Parzham, erbaut zwischen 1936 und 1937.

Ziel des Erfassungsprojekts

Um die Quellenbasis über die bereits bekannten Objekte hinaus zu erweitern, wird beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland derzeit ein Überblick über das Bauen und Planen in der NS-Zeit im Rheinland erarbeitet. Auch Fragen des Umgangs mit diesen Hinterlassenschaften nach 1945 bis heute werden dabei berührt.

Ansprechpersonen-Team