Bauen und Planen im Rheinland in der NS-Zeit
Erfassen und Erforschen
Ende des Seitenheaders.
In den jüngeren Forschungsprojekten und Überblicksdarstellungen zum Bauwesen in der NS-Zeit nimmt das Rheinland erstaunlicherweise immer noch eine Randposition ein. Dabei liegt es nahe, dass ihm darin doch eine besondere Rolle zugekommen sein muss. Nicht allein im Ruhrgebiet konzentrierten sich hier kriegswichtige Industrieunternehmen, die – wie die Edelstahlwerke in Krefeld – in der NS-Zeit vielfach erweitert wurden.
Neben baulichen Erweiterungen oder Neubauten von Industriebetrieben trieb man für ihre Belegschaft den Siedlungsbau voran, für Zwangsarbeiter*innen wurden Lager erbaut. Die strategische Grenzlage des Rheinlandes erforderte spezifische Bauaufgaben von den Zollsiedlungen am Niederrhein und in der Eifel bis hin zum militärischen Bollwerk des Westwalls und auch den Kasernenbau im Zuge der Remilitarisierung. Als nach der Besatzungszeit „heimgeholter“ Reichsteil war das Rheinland ideologisch besonders aufgeladen. „Auf Pump“ finanzierte infrastrukturelle Großmaßnahmen wie der Autobahnbau vermittelten Fortschrittsglauben. Monumentale Großbauten wie die Ordensburg Vogelsang in der Eifel oder das mit dem Schlageterdenkmal verbundene Gelände der Ausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf demonstrierten die Gleichschaltung des Rheinlands.
Betulicher wirkend, aber nicht weniger gefährlich, waren HJ-Heime als Pflanzstätten eines nationalsozialistischen Selbstverständnisses. Als Männer in den Krieg und Frauen in die Betriebe mussten, gab es ein großes Bauprogramm für neue Kindergärten. Mitzudenken sind aber auch jene „Luftschlösser“, die nie zur Ausführung kamen, aber gleichwohl zur Regimetreue inspirierten, wie das für Waldbröl geplante Volkstraktorenwerk oder die mehrfach – nicht nur für die neuen Gauhauptstädte – überlieferten Generalbaupläne rheinischer Kommunen.
Das Bauen der Kirchen kam zwischen Selbstbehauptung, Anpassung und Zustimmung bei alledem nicht zum Erliegen. Weiterhin entstanden unter den Bedingungen eines zunehmend reglementierten Baubetriebs, aus dem die jüdischen Architekten nun ausgeschlossen waren, Bauten aller Art: Rathäuser, Bauernhöfe, Gerichte, Postämter, Sparkassen, Schulen, Schwimmbäder, Jugendherbergen – und immer noch: Privathäuser – und immer mehr: Bunker!
Das Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs erfuhr in der NS-Zeit eine zunehmende Verengung in Richtung der Mobilisierung für den erneuten Waffengang. Bereits vorhandene Ehrenmale wurden nicht selten durch Aufmarschflächen ergänzt, neue – wie das Düsseldorfer 39er Denkmal – von vornherein als politische Kulisse erbaut.
Während auch im Rheinland seit Jahrzehnten schon Geschichtsarbeit, Gedenk- und Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus intensiv und facettenreich betrieben werden, haben Denkmalpflege und Architekturgeschichte hierzu bislang eher wenig beigetragen. Nur ein Bruchteil der baulichen Überlieferung jener Jahre ist bislang dokumentiert oder gar in den Denkmallisten der rheinischen Kommunen verzeichnet. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass die flächendeckende Denkmalerfassung durch das Fachamt in den 1970er und 1980er Jahren in der Regel nur Objekte erfasste, die vor dem Ersten Weltkrieg oder allenfalls noch in den 1920er Jahren entstanden sind. Auch die nachfolgenden Vertiefungsprojekte der Inventarisation haben die NS-Zeit weitgehend ausgeblendet.
Um die Quellenbasis über die bereits bekannten Objekte hinaus zu erweitern, wird beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland derzeit ein Überblick über das Bauen und Planen in der NS-Zeit im Rheinland erarbeitet. Auch Fragen des Umgangs mit diesen Hinterlassenschaften nach 1945 bis heute werden dabei berührt.
Ansprechpersonen-Team