Zurück in die Zukunft

Eine denkmalpflegerische Analyse zur Dorferneuerung von Morschenich

Neues Leben für ein totgeglaubtes Dorf

Morschenich - 2024 umbenannt in Bürgewald - ist ein typisches Straßendorf der Rheinischen Bördelandschaft, in dem sich über Jahrhunderte gewachsene Strukturen und bauliche Zeugnisse bis heute authentisch erhalten haben. Noch zu Beginn des Jahres 2020 sollte es zusammen mit den Resten des Hambacher Forsts dem von Norden heranrückenden Braunkohletagebau Hambach weichen. Mit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Braunkohleverstromung im Januar 2020 wendete sich das Schicksal des Ortes von Grund auf.

Blick von Nordwesten durch die Oberstrasse in Morschenich
Morschenich, Blick von Nordwesten durch die Oberstraße.

Das seit 2015 zum großen Teil leergezogene Dorf blieb stehen und erhält eine neue Zukunft, in der es sich den Herausforderungen des Strukturwandels stellen muss. Fragen nach einem verantwortungsbewussten Umgang mit der historisch überlieferten Bausubstanz, der städtebaulichen Anlage und der kulturlandschaftlichen Einbindung waren Ausgangspunkt für die Erarbeitung einer „denkmalpflegerische Analyse zur Dorferneuerung“, die das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland in Kooperation mit der Gemeinde Merzenich weitgehend in der Zeit der Corona-Epidemie erarbeitete.

Luftbild mit riesiger Fläche des Baunkohlentagebaus und randlich gelegenen Orten, Straßen und umgebenden Feldern
Luftbild des Tagebaus Hambach und der Ortslage Morschenich 2021.

Morschenich als Modell

Die Analyse betrachtet den überlieferten Baubestand, die gewachsenen städtebaulichen Strukturen sowie die räumlichen Eigentümlichkeiten des Straßendorfes vor dem Hintergrund der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des Ortes und seinen naturräumlichen Entwicklungsbedingungen. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland betrachtet das bauliche Erbe des Ortes als Ganzes und stellt die Frage, welche Rolle dieses in der Wiederbelebung des weitgehend freigezogenen Ortes spielen kann.

Blick von Nordwesten durch die Oberstrasse in Morschenich
Morschenich, Ellener Straße 24, ehemalige Schmiede.

Leitend ist die Überzeugung, dass hierzu die Denkmalpflege mit ihrer Erfahrung auf den Gebieten der Bestandserfassung, des Bauens im Bestand, der Reparatur sowie der Um- und Weiternutzung einen substanziellen Beitrag leisten kann. Vor allem sollte das für die Ortsentwicklung ausgegebene Leitziel der Nachhaltigkeit nicht nur in einem ökologischen, sondern auch einem kulturellen Sinn verstanden werden. Damit steht Morschenich exemplarisch für viele der aktuell unter dem Stichwort der „Bauwende“ diskutierten Fragestellungen und Themen und eignet sich auch als Vorbild für weitere Orte im rheinischen Revier und darüber hinaus.

Ausschnitt einer Karte mit Schriftzug "Morschenich" an einem von Wäldern umgebenen Straßendorf
Ortslage Morschenich, Preußische Uraufnahme von 1845.

Ziel des Projekts

Die Analyse versteht sich als informelle Grundlage der Denkmalpflege für zukünftige Planungsprozesse und die verschiedenen, hierbei auftretenden Akteur*innen in und um Morschenich. Sie ist so angelegt, dass sie zukünftig fortgeschrieben und ergänzt werden kann.

Ansprechpersonen-Team