Dendrochronologie

Dendrochronologisches Labor zur Erforschung von Gebäuden und Kulturgütern im Rheinland

Mitarbeiterin misst am Computerbildschirm die Jahrringe einer Holzprobe aus

Was ist Dendrochronologie?

Wie alt ist ein Gebäude wirklich? Diese Frage zählt zu den spannendsten Aspekten einer bauhistorischen Untersuchung. Die Dendrochronologie kann darauf oft eine präzise Antwort liefern. Als naturwissen­schaftliche Datierungsmethode ermöglicht sie es, das Fälljahr von Bauhölzern exakt zu bestimmen und damit Gebäude und Kulturgüter zeitlich einzu­ordnen. Seit Herbst 2024 verfügt das LVR-Amt für Denkmal­pflege im Rheinland (LVR-ADR) über ein eigenes, nicht-kommerzielles Dendro­chrono­logisches Labor. Der Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung der amtlichen Bauforschung sowie auf der Bearbeitung wissen­schaftlicher Frage­stellungen zu Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland.

Anschnitt eines Baumstamms mit deutlich erkennbaren Jahresringen.
Probenentnahme in einem Dachstuhl mit Dokumentation am Tablet.

Methode der Dendrochronologie

Die Datierung erfolgt durch den Vergleich von Jahrringserien einzelner Proben mit bestehenden Referenzchronologien. Die Breite der Jahrringe eines Baumes wird maßgeblich von klimatischen Bedingungen beeinflusst. Dadurch entsteht in jeder Region eine charakteristische Abfolge von breiten und schmalen Jahrringen – eine Jahrringserie. Ab einer Sequenz von etwa 40 bis 50 Jahrringen ist das Wachstumsmuster einer Jahrringserie so einzigartig, dass eine jahrgenaue Datierung anhand umfang­reicher Vergleichschronologien möglich ist. Voraussetzung für eine jahrgenaue Bestimmung des Fälljahres ist der Erhalt der sogenannten Waldkante, des letzten gewachsenen Jahrrings. Vom ermittelten Fälljahr lässt sich in vielen Fällen auch auf das Baujahr schließen, da vorindustrielles Bauholz meist zeitnah nach der Fällung verbaut wurde.

Die Holzproben werden vor Ort mithilfe eines dünnen Hohlbohrers aus den verbauten Bauhölzern entnommen. Anschließend erfolgen im Labor die Aufbereitung und ein feiner Anschliff der Proben. Die Jahrringserie wird daraufhin unter dem Mikroskop erfasst und vermessen sowie anschließend digital ausgewertet.

Restaurator Werner Schorlemer entnimmt Dendro-Probe an einem Balken im Dachstuhl, während Bauforscherin Anne Lambert das am iPad dokumentiert.
Holzbalken im Anschnitt mit erkennbaren Jahresringen.

Das Dendro-Labor im LVR-ADR

Das Dendrochronologische Labor des LVR-ADR ist ein Forschungslabor, das sich ausschließlich der Unterstützung der wissenschaftlichen Forschungen des Fachamtes widmet und keine Konkurrenz zu freien Dendro-Laboren darstellt. Gegründet wurde das Labor im Herbst 2024 als Kooperations­projekt mit dem dendrochronologischen Labor der Otto-Friedrich-Universität Bamberg unter der Leitung von Dr.-Ing. Dipl.-Holz. Thomas Eißing.

Die Dendrochronologie ermöglicht zwar die Bestimmung des Fälljahres von Bauholz, für die Interpretation der Ergebnisse ist jedoch stets eine fundierte Voruntersuchung sowie eine klare Fragestellung seitens der Bauforschung erforderlich. Daher setzt sich das Team des Dendro­chrono­logischen Labors am LVR-ADR aus Fachleuten des Sach­gebiets Bauforschung und der Abteilung Restaurierung zusammen. Diese interdisziplinäre Zusammensetzung gewährleistet eine methodisch fundierte Auswertung der Ergebnisse.

Beispiele von Holz-Bohrproben mit beigefügtem Gutachten im Dendro-Labor des LVR-ADR.
Für die Analyse präparierte Holz-Bohrkerne mit Gutachtenformular.

Ansprechpersonen-Team