Dauerausstellung
Die erste Fabrik
Ende des Seitenheaders.
Es war die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent: In der von Johann Gottfried Brügelmann 1783/84 gegründeten Baumwollspinnerei wurde Garn nicht mehr von Hand, sondern vollmechanisch gesponnen. Heute bilden die Hohe Fabrik und das Herrenhaus das LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford.
96 Spindeln, die gleichzeitig rotieren und feine Baumwollfäden aufwickeln: Als einziges Museum weltweit führt das LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford heute noch einen originalgetreuen Nachbau der ersten vollmechanischen Spinnmaschine vor. Nach Deutschland gebracht hatte die Water Frame der Wuppertaler Kaufmann Johann Gottfried Brügelmann, als er 1783/84 am Ufer des Flüsschens Anger die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent gründete.
Heute können Sie in der ehemaligen Baumwollspinnerei die Spinntechnik des 18. Jahrhunderts live nachvollziehen und bekommen einen Einblick in den damaligen Arbeitsalltag.
Laut knarzend treibt das meterhohe Wasserrad heute die 96 Spindeln der nachgebauten Water Frame an. Um das Jahr 1800 liefen in den Räumen insgesamt zwölf dieser vollmechanischen Spinnmaschinen gleichzeitig. Sie alle waren der neuartigen Maschine nachempfunden, die der Engländer Richard Arkwright entwickelt hatte. Nach einem gescheiterten Versuch, ein eigenes Modell zu entwickeln, warb Brügelmann kurzerhand englische Facharbeiter an, die für ihn die Water Frame in Ratingen nachbauten. Ein klarer Fall von Industriespionage! Mit Gründung seiner Fabrik nach englischem Vorbild avancierte Brügelmann bald zu einem der erfolgreichsten Unternehmer im Bergischen Land und verkaufte sein Garn in ganz Deutschland und Europa.
Seit 1996 laufen wieder Maschinen in der fünfstöckigen Hohen Fabrik. Der gesamte Spinnprozess von der Baumwollfaser bis zum fertigen Garn lässt sich live erleben.
Zurückversetzt in die Zeit um 1800, bekommen Sie außerdem einen Eindruck vom Fabrikkosmos in dieser frühen Phase der Industrialisierung. Dazu gehören auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Männer, Frauen und Kinder, die sich der Arbeit in der stickigen, feuchten Luft aussetzten. Wie gefährlich diese war, erahnt man, wenn sich die Maschinen mit ihren scharfen Zähnen, offenen Getrieben und Treibriemen leise in Gang setzen.
Innovativ, produktiv, global vernetzt: Johann Gottfried Brügelmann war ein kluger Geschäftsmann und Stratege, sein Geschäft Teil des transatlantischen Handels. Nahm er das Unrecht der Sklaverei auf Baumwollplantagen also billigend in Kauf? Wusste er um die Folgen der Kolonialisierung? Und inwieweit tragen Unternehmer wie er eine Mitschuld an der Entstehung von Monokulturen und Massenkonsum? Basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen wirft die Dauerausstellung auch einen neuen Blick auf die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und schlägt so den Bogen in die Gegenwart, in der uns Themen wie Globalisierung und Klimawandel mehr denn je beschäftigen.
Wie der erfolgreiche Unternehmer selbst lebte und arbeitete, erleben Sie im Herrenhaus, das Brügelmann direkt neben der Fabrik im Stil eines adligen Lustschlosses errichten ließ. Beim Rundgang erfahren Sie hier mehr über das Leben und Wirken der Unternehmerfamilie.
Herzstück ist der repräsentative, mit klassischen Landschaftsmalereien ausgeschmückte Gartensaal, der sich über zwei Etagen erstreckt. Durch seine hohen Fenster schweift der Blick auf die Allee, die in den angrenzenden Park führt. Die ursprünglich barocke Gartenanlage wurde um 1900 in einen englischen Landschaftsgarten umgewandelt. Heute gehört der Poensgenpark mit seinem alten Baumbestand und exotischen Hölzern zu den öffentlich zugänglichen Kulturschätzen des Rheinlands.
Spannende Begegnungen warten beim Rundgang durch das Herrenhaus. Unter anderem lernen Sie hier Anna Christina Brügelmann kennen. Ihrer Rolle als Hausherrin, Unternehmerin, Mutter und Ehefrau ist ebenso ein Raum gewidmet wie ihren Söhnen und weiteren Familienmitgliedern. Andere Räumlichkeiten sind dem ehemaligen Kontor, den Schlafzimmern und der Gesindekammer nachempfunden. So lässt sich anhand von Möbeln, Malereien und Einrichtungsgegenständen aus der jeweiligen Zeit das Leben und Wirken im Herrenhaus über drei Generationen hinweg nachvollziehen. Dabei fällt auf, dass keineswegs nur die Männer, sondern über Jahrzehnte auch Frauen die Geschicke der Textilfabrik leiteten. So übernahm schon 1808 die früh verwitwete Schwiegertochter des Unternehmensgründers, Sophie Brügelmann, die Leitung der Fabrik und führte sie 29 Jahre erfolgreich. Ihr ist ein FrauenOrt NRW gewidmet, mit denen der FrauenRat NRW e. V. mutige und starke Frauen aus der Geschichte des Landes würdigt, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind.
Entdecken Sie unsere Textilfabrik Cromford von oben.
Rundgang durch die Hohe Fabrik, das Herrenhaus und das Außengelände
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