Geschichte
von Textilfabrik und Herrenhaus Cromford
Ende des Seitenheaders.
Im September 1996 wurde die ehemalige Baumwollspinnerei Brügelmann als Museum eröffnet. Die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent steht für die Epoche der frühen Industrialisierung im Rheinland. 1783 bis 1784 errichtete der Wuppertaler Kaufmann und Verleger Johann Gottfried Brügelmann in der Nähe von Ratingen eine mit Wasserkraft betriebene und vollmechanische „Baumwollspinnerei auf englische Art“ – Ergebnis von Industriespionage. Die nach ihrem englischen Vorbild „Cromford“ benannte Fabrik expandierte zu einem gut florierenden Unternehmen mit weiteren Produktionsgebäuden, Werkstätten, Arbeiterwohnungen und einem Herrenhaus für die Kaufmannsfamilie. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Sheddachhallen errichtet und die Fabrik zu einer Spinnweberei ausgebaut.
In den folgenden Jahrzehnten durchlebte das Unternehmen etliche Krisen und versuchte, dem wirtschaftlichen Duck zu entkommen: Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Familienunternehmen in eine GmbH überführt, es folgten Übernahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In den 1930er Jahren sollte die Gründung einer Werksgenossenschaft unter Beteiligung der Belegschaft das Unternehmen retten. Als während des Zweiten Weltkriegs die Schließung des Spinnerei- und Webereibetriebs durch die Nationalsozialisten angeordnet wurde, wandelte man den Betrieb zum „Metallwerk Cromford“ um und stellte Brückenköpfe für den Bergbau her. Während der Kriegsjahre wurden auch Kriegs- und Zwangsarbeiter*innen aus Frankreich und aus den besetzten Ostgebieten eingesetzt. 1947 nahm das Unternehmen den Betrieb der Spinnerei und Weberei wieder auf, konnte aber längst nicht mehr an seine Blütezeit anknüpfen. Ende der 1970er Jahre wurde auch das Brügelmannsche Unternehmen von der großen Konjunkturkrise der Textilindustrie erfasst und 1977 stillgelegt.
Im Zuge von Abriss und Umnutzung blieb das Kernensemble der Baumwollspinnerei – die „Hohe Fabrik“, Kontor und Herrenhaus aus dem späten 18. Jahrhundert – bestehen. Das prachtvolle Herrenhaus Cromford neben der Fabrik war die Schaltzentrale des einst bedeutenden Unternehmens und gleichzeitig bürgerliches Wohnhaus der Brügelmanns als eine der führenden Fabrikantenfamilien ihrer Zeit. Im Jahr 2009 bis 2010 wurde das Herrenhaus grundlegend saniert.
Auch die ehemaligen Arbeiterwohnungen, die ebenfalls auch dem 18. Jahrhundert stammen, konnten gerettet werden. Sie werden heute als moderne Wohnungen in unmittelbarer Nachbarschaft des Museums genutzt.