Geschichte der Schule

Die Geschichte der LVR-Anna-Freud-Schule ist eine Geschichte von Pioniergeist, Mut und der Vision, Barrieren im Bildungssystem abzubauen. Erfahren Sie hier, wie aus einer revolutionären Idee eine hochprofessionelle Bildungseinrichtung für alle Abschlüsse bis zum Abitur wurde.

Die Geschichte der LVR-Anna-Freud-Schule

Die Wurzeln unserer Schule liegen im Engagement von Ernst Simons , einem ehemaligen Schulleiter und Kölner "Urgestein". Simons, der als Verfolgter des Nationalsozialismus und Überlebender von Bergen-Belsen geprägt war, legte ab 1965 an der städtischen Realschule für Jungen in der Geilenkircher Straße den Grundstein.

Die 60er-Jahre: ein revolutionärer Anfang

Erstmals wurden Klassen für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen eingerichtet, mit dem Ziel, sie zum Realschulabschluss oder sogar zum Abitur zu führen – ein damals einzigartiges und revolutionäres Vorhaben. Noch im Jahr 1965 wurde die Einrichtung als "Städtische Realschule für Körperbehinderte" selbstständig.

Im selben Gebäude pflegten Schüler*innen mit und ohne Behinderung enge Kontakte.

Körperbehinderten Menschen das Leben in dieser so existierenden Gesellschaft zu ermöglichen und zu erleichtern. Wir sind beauftragt, unseren Schüler*innen diese Umwelt zu erklären, nicht um sie in jedem Fall dieser Umwelt anzupassen, wohl aber sie ihnen erträglich zu machen.

Motivation des damaligen Kollegiums

Die 70er-Jahre: Schule neu denken

Am 1. August 1976 übernahm der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Trägerschaft für die Schule als "Rheinische Landesschule für Körperbehinderte". In dieser Zeit des gesellschaftlichen Wandels von der "Fürsorge" zur "Bildungsgerechtigkeit" folgte 1978 der Umzug in das heutige Gebäude am Alten Militärring.

Erstmals wurden auch Mädchen aufgenommen. Das neue Gebäude bot Platz für ein ganzheitliches Konzept: Die Verknüpfung von Unterricht , Therapie und Pflege . Ein Highlight war das moderne Schwimmbad mit Hubboden.

Die Contergan-Katastrophe, die Anfang der 60er-Jahre aufgedeckt wurde, war sicherlich auch ein Grund dafür, sich für den Bau einer Förderschule zu entscheiden, an der Schüler*innen alle Bildungsabschlüsse erlangen konnten. Die in den 60er-Jahren geborenen Kinder mit erheblichen Gliedmaßenfehlbildungen gingen in den 70er-Jahren auf die weiterführenden Schulen.

Die 80er Jahre: gelebte Inklusion

In den 80er-Jahren entwickelte sich eine enge Kooperation zwischen der Städtischen Realschule und unserer Schule. In gemeinsamen Kursen wie Latein, Informatik, Französisch und Sozialwissenschaften lernten Schüler*innen beider Schulen zusammen. Man feierte gemeinsame Feste, gestaltete Projektwochen und pflegte den Austausch mit Tel Aviv, um die Erinnerung an das Judentum in Deutschland lebendig zu halten.

Die Absolvent*innen der Städtischen Realschule konnten an unserer Schule das Abitur erhalten. Auch wenn dieser Begriff damals noch nicht in aller Munde war, war dies gelebte Inklusion – und ihrer Zeit weit voraus.

Die 90er-Jahre: digitale Türöffner

Mit der Digitalisierung fielen weitere Barrieren. Die Geburtsstunde der Unterstützten Kommunikation (UK) und der Assistiven Technologien (AT) ermöglichte es beispielsweise dem bundesweit ersten nichtsprechenden Schüler mithilfe eines Sprachcomputers die Fachhochschulreife zu erlangen. Durch Programme wie "Dragon Dictate" (Sprachsteuerung) wurden das Schreiben von Klausuren und die Teilhabe am digitalen Leben für viele Schüler*innen erst möglich.

Noch heute gibt es trotz Siri und Co. keine Alternativen zu diesem Programm.

Die 2000er-Jahre: ein barrierefreier Name

Am 24. Juni 2002 erhielt die Schule nach einem Votum der Schulgemeinde ihren heutigen Namen: Aus der Rheinischen Schule für Körperbehinderte wurde die LVR-Anna-Freud-Schule.

Anna Freud, Pionierin der Kinderpsychoanalyse, gab wichtige Impulse für das Verständnis der Entwicklung junger Menschen. Mit dem neuen Namen öffnete sich die Schule noch stärker nach außen, etwa durch kulturelle und sportliche Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet.

Die 2010er-Jahre bis heute: Stärken im Fokus

Durch das gesamtgesellschaftliche Ziel der Inklusion, welches durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 in den Fokus kam, hat sich die Situation der LVR-Anna-Freud-Schule in der Bildungslandschaft in den 2010er-Jahren geändert. Die gute – zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast 40 Jahren funktionierende – umgekehrte Inklusion in der Oberstufe konnte so nun auch gewinnbringend in der Sekundarstufe I umgesetzt werden.

Wir konnten Schüler*innen ohne Förderbedarf einen Schulplatz anbieten und konnten so unter anderem eine bessere Anbindung an das Leben im Stadtteil Müngersdorf erreichen.

Die von der Schulgemeinde geschätzte umgekehrte Inklusion in der Sekundarstufe I läuft jedoch seit den 2020er-Jahren wieder aus.

Auch wenn sich die Schule durch die Inklusion verändert hat, ist ihr Ziel gleich geblieben. Wir fördern Schüler*innen im Umgang mit ihren Einschränkungen, verhelfen so zu größtmöglicher Selbstständigkeit, Persönlichkeitsbildung sowie gesellschaftlicher Teilhabe und fördern so gleichzeitig ihre schulischen Leistungen auf dem Weg zu verschiedenen Schulabschlüssen bis hin zum Abitur.

Bis heute: Selbstständigkeit als Ziel

Seit 2018 wird das Spannungsfeld aus Leistungsorientierung, sonderpädagogischer Förderung und Selbstständigkeit bewusst in den Blick genommen. Neben dem bestmöglichen Bildungsabschluss und einer stärkenorientierten sonderpädagogischen Förderung sind die größtmögliche Selbstständigkeit und die Selbstverantwortlichkeit der Schüler*innen für ihren Lernerfolg die wichtigsten Ziele der Schullaufbahn. Dieser Dreiklang soll den Weg in ein inklusives nachschulisches Leben ebnen.

Wir möchten einen Beitrag zur Stärkung unserer Schüler*innen im Umgang damit und zu mehr Inklusion im Studium, Arbeitsmarkt und im alltäglichen Leben leisten.

Seit 2019 gibt es als weiteres Werkzeug zur Erreichung dieser Ziele unseren SKILL-Tag . Mittwochs lernen unsere Schüler*innen selbstverantwortlich und projektartig. Dabei sollen sie "Skills" erwerben, um im 21. Jahrhundert am gesellschaftlichen Leben und der Arbeitswelt teilzunehmen. Wir wünschen uns, dass unsere Schüler*innen ihre und unsere Zukunft aktiv gestalten.

In Zusammenarbeit mit dem LVR entwickelten wir einen Leitspruch, an dem zu erkennen, dass es der LVR-Anna-Freud-Schule im Laufe ihrer Entwicklung nicht nur darauf ankam, Türöffner für Bildung zu sein, sondern für Lebenswege:

Deine Stärken. Dein Weg. Deine Schule.

Leitspruch der LVR-Anna-Freud-Schule