Pressemeldung: Von der Wolle

Neue Ausstellung in der Tuchfabrik Müller in Euskirchen zeigt 200 Jahre Textil- und Technikgeschichte

Historische, braun getönte Zeichnung vin einem Schafbock, der auch Negretti-Bock genannt wird. Der Bock wird von der Seite gezeigt. Sein Körper ist vollständig von dichter Wolle bedeckt. Er hat eng anliegende, große und spiralig gewundene Hörner. Unter der Abbildung steht der Titel "Original Negretti Schaf" und eine weitere Zeile mit Angaben zu Herde und Besitzer: "Bock No. 17 aus der Herde des Herrn Amtsrat Maass-Kentzlin."

Pressetext

Euskirchen. 07. Mai 2026. Die neue Sonderausstellung „Von der Wolle – eine Geschichte von Tieren, Maschinen und Menschen von 1800 bis heute“ zeigt ab dem 10. Mai 2026 in der Tuchfabrik Müller des LVR-Industriemuseums die wechselvolle Geschichte des Rohstoffs Wolle.

Wolle und Textilindustrie im 19. Jahrhundert

Bereits um 1800 stieg europaweit die Nachfrage nach besonders feiner Wolle. Neu entwickelte Textilmaschinen stellten zunehmend präzise Anforderungen an das Material Wolle – etwa an Faserlänge und Kräuselung. In der Folge wurden Schafrassen gezielt gezüchtet, um den industriellen Bedürfnissen zu entsprechen.

Ersatzstoffe und Imagekrise

Im 20. Jahrhundert geriet Wolle durch Ersatzstoffe wie Kunst- oder Reißwolle zunehmend unter Druck. Diesen Trend verstärkten ab 1933 Rohstoffknappheit und die nationalsozialistischen Autarkiepläne. Schlechte Trageeigenschaften führten bei den Konsument*innen zu einem Vertrauensverlust, während vermeintlich pflegeleichte synthetische Fasern den Markt eroberten. Erst mit der Umweltbewegung der 1970er Jahre begann sich das Image von Wolle wieder zu verbessern.

Zwischen Nachhaltigkeit und globalem Markt

Heute wird das Naturmaterial Wolle wieder neu entdeckt. Unternehmen und Initiativen erforschen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, auch jenseits von Mode und Bekleidung. Aspekte wie Tragekomfort, Langlebigkeit und biologische Abbaubarkeit stehen Erfahrungen von kratziger Kleidung, Verfilzung und Mottenbefall gegenüber. Auch Fragen nach Tierwohl und CO₂-Bilanz werden lauter.
Während der globale Wollmarkt von großen Produzenten mit riesigen homogenen Herden und zum Teil umstrittenen Haltungsmethoden in Australien und Neuseeland geprägt ist, setzen regionale Initiativen verstärkt auf nachhaltige Schafhaltung und neue Nutzungskonzepte.

Ausstellung und Begleitprogramm

Die Ausstellung lädt auf rund 550 Quadratmetern zu einer Entdeckungsreise durch die überraschende Vielfalt der Wollnutzung ein. Die 200 Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus der museumseigenen Sammlung. Restauratorinnen des LVR-Industriemuseums und Studierende der TH Köln haben sie untersucht – mit teils unerwarteten Ergebnissen.
Die Objekte geben Einblicke in die unterschiedlichen Facetten der Wolle: Ein Vorspinnkrempel eines Aachener Tuchfabrikanten aus dem Jahr 1860 steht für die komplexen Verarbeitungsschritte des Rohstoffes. Ein Reisekleid von 1880 bestach durch besten Wetterschutz – und zeigt, dass Wolle durch die richtige Bearbeitung funktionale Eigenschaften erhält. Das spiegelt sich auch bei technischen Anwendungen wie Tennisbällen oder Klaviertasten wider. Schafmodelle zeigen die Vielfalt von zum Teil ausgestorbenen Schafrassen. Historische Abbildungen und Medienstationen ergänzen die Präsentation.
Wer selbst genauer hinschauen möchte, kann an einem Mikroskop die eigene Kleidung ganz wortwörtlich unter die Lupe nehmen.

Ausstellungskatalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der das Verhältnis von Tierzucht, Technikgeschichte und Mode aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Weitere Informationen sowie das gesamte Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie auf der Website zur Ausstellung

LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße 25b
53881 Euskirchen
lvr.de/tuchfabrik-mueller

Laufzeit: ab 10. Mai 2026

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr

Eintrittspreise: 6 Euro Erwachsene, ermäßigt 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.

Informationen zu Besuch und Buchungen von Führungen bei Kulturinfo Rheinland per Mail an info@kulturinfo-rheinland.de , oder telefonisch unter: 02234 9921-555 (Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 bis 15 Uhr)

Pressebilder

Die Pressebilder dürfen nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung über die Ausstellung „Von der Wolle – eine Geschichte von Tieren, Maschinen und Menschen von 1800 bis heute“ im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller genutzt werden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht erlaubt.

Viele Hautfalten sorgen für Wollreichtum: Negretti-Schafbock im Fachbuch „Mentzels Schafzucht“, 1892

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Historische, braun getönte Zeichnung vin einem Schafbock, der auch Negretti-Bock genannt wird. Der Bock wird von der Seite gezeigt. Sein Körper ist vollständig von dichter Wolle bedeckt. Er hat eng anliegende, große und spiralig gewundene Hörner. Unter der Abbildung steht der Titel "Original Negretti Schaf" und eine weitere Zeile mit Angaben zu Herde und Besitzer: "Bock No. 17 aus der Herde des Herrn Amtsrat Maass-Kentzlin."

Wollproben der Deutschen Wollgesellschaft, 1919

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Bild von drei verschiedenen Wollarten.

Krempel der Aachener Firma J.B. Verken, mit dem als Zwischenschritt bei der Verarbeitung von Wollfasern ein Vlies hergestellt wurde, 1860

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Große historische Textilmaschine aus Metall und Holz, ein sogenannter Krempel. Die Maschine steht frei im Raum eines Museums. Mehrere übereinander angeordnete Walzen sind oben auf der Maschine. Vorne befindet sich ein großes, rundes Schwungrad mit Löchern, das über Lederriemen und Zahnräder mit den Walzen verbunden ist. Unten trägt ein stabiles schwarzes Metallgestell die Konstruktion. Links ist eine flache Zuführfläche mit einem hölzernen Rahmen zu sehen, über die vermutlich Rohfasern in die Maschine eingezogen wurden.

Modegrafik mit einem Kaschmirschal aus dem Journal des Luxus und der Moden, 1824

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Kolorierte Modeillustration aus dem Jahr 1824 mit der Überschrift „Costume Parisien“. Dargestellt ist eine Frau, die ein langes, dunkles Kleid mit schmaler Taille und mehreren gestuften Volants am Rocksaum trägt. Die Ärmel sind gepufft, am Hals liegt ein heller, fein gerüschter Kragen. Die Frau trägt einen hellen Hut, geschmückt mit rosafarbenen Bändern und kleinen Blumen. Unter dem Kinn sind die Bänder zu einer Schleife gebunden. Über dem linken Arm liegt ein roter Schal, der am Ende ein Blumenmuster hat. Die Frau trägt helle Handschuhe und schwarze, spitz zulaufende Schuhe.

Flammhemmende Hotpants: Werbung für das Wollsiegel, 1970er Jahre

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Schwarz-weißes Foto: Eine Frau in kurzen Shorts, langärmligem Oberteil und kniehohen Stiefeln steht in einer Werkhalle auf einem Metallteil und blickt über die Schulter zur Kamera. Auf ihrem Rücken ist ein großes Wollknäuel-Logo zu sehen. Ein Mann mit Schutzhelm kniet hinter ihr und richtet ein Gerät mit Flamme auf die Rückseite ihrer Shorts, wodurch ein dunkler Fleck entsteht. Im Hintergrund liegen Rohre und Metallteile, die die industrielle Umgebung betonen.

Outdoorkleidung: Skianzug aus Wolle, 1930er Jahre

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Ein zweiteiliger Skianzug auf einer Schneiderpuppe vor neutralem Hintergrund: oben eine grüne, hüftlange Jacke mit Schnürverschluss am Kragen, dunklen Besätzen, aufgesetzten Taschen und Knöpfen; dazu eine schlichte, dunkelblaue Hose mit geradem Schnitt

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