Standorte des LVR-Industriemuseums
Wir zeigen Ihnen Industriegeschichte zum Anpacken und erzählen von den Menschen, die hier einst beschäftigt waren.
Ende des Seitenheaders.
Die alten Maschinen sind teilweise noch in Betrieb. Es knallt, surrt und hämmert. Und mitunter scheint es, als wären die Arbeiter*innen nur für einen Moment in der Pause. An acht Original-Schauplätzen holen wir die industrielle Vergangenheit des Rheinlands zurück in die Gegenwart. Im Mittelpunkt steht dabei für Sie das hautnahe Erleben des Arbeitsalltags im Zeitalter der Industrialisierung.
Eisen. Erz. Erfindergeist.
Es war die Geburtsstunde der Eisen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet: Im Jahr 1758 floss in der St. Antony-Hütte in Oberhausen das erste Mal glühendes Roheisen. Gewaltige Umwälzungen der Industrialisierung, die bis heute Arbeit und Leben in der Region prägen, nahmen von hier aus ihren Lauf. Wie es dazu kam berichtet die Ausstellung im denkmalgeschützten Wohnhaus des damaligen Hüttendirektors.
Eine Heimat fanden die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Siedlung Eisenheim. Die älteste Zechenkolonie an der Ruhr liegt nur wenige Kilometer von der St. Antony-Hütte entfernt und wurde von den Bewohnenden selbst in den 1970er Jahren vor dem Abriss gerettet. Zum Museum Eisenheim gehören die Dauerausstellung im ehemaligen Waschhaus und eine Museumswohnung.
Antrieb. Aufstieg. Baumwolle.
96 Spindeln, die gleichzeitig rotieren und feine Baumwollfäden aufwickeln: Als einziges Museum weltweit führt die Textilfabrik Cromford heute noch einen originalgetreuen Nachbau der ersten vollmechanischen Spinnmaschine vor. Nach Deutschland gebracht hatte die Water Frame der Wuppertaler Kaufmann Johann Gottfried Brügelmann, als er 1783/84 am Ufer des Flüsschens Anger die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent gründete. Heute können Sie in der ehemaligen Baumwollspinnerei die Spinntechnik des 18. Jahrhunderts live nachvollziehen und bekommen einen Einblick in den damaligen Arbeitsalltag.
Aktuell finden in der fünfstöckigen Hohen Fabrik große Umbauarbeiten statt, um Europas älteste Fabrik barrierefrei zu machen. In diesem Zuge wird auch die Dauerausstellung erneuert. Trotz geschlossener Fabrik, in der üblicherweise die historischen Spinnmaschinen vorgeführt werden, gibt es attraktive Angebote.
Wie der erfolgreiche Unternehmer selbst lebte und arbeitete, erfahren Sie im Herrenhaus, das Brügelmann direkt neben der Fabrik im Stil eines französischen Lustschlosses errichten ließ. Herzstück ist der repräsentative, mit klassischen Landschaftsmalereien ausgeschmückte Gartensaal, der sich über zwei Etagen erstreckt. Heute bietet das Herrenhaus Einblick in das bürgerliche Leben der Unternehmerfamilie über drei Generationen hinweg.
Scheren. Schmieden. Selbermachen.
Es war ein Start-up der Schneidwarenindustrie: Im Jahr 1886 begann mit der Gründung der Gesenkschmiede Hendrichs die industrielle Produktion von Scherenrohlingen im Rheinland. Heute ist die historische Fabrikanlage in Solingen eines der wenigen Industriemuseen, in denen noch immer produziert wird. Geformt wird hier aus glühendem Stahl die Museumsschere. Erleben Sie live, wie es in der Gesenkschmiede Hendrichs einst quasi im Sekundentakt ohrenbetäubend krachte. Dabei tauchen Sie ein in die Blütezeit der Schneidwarenproduktion.
Die ehemalige Fabrikantenvilla, die die Gebrüder Hendrichs in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Fabrikgelände errichten ließen, beheimatet die Dauerausstellung Spielräume Demokratie . Sie lädt vor allem Jugendliche dazu ein, spielerisch die Prinzipien des demokratischen Zusammenlebens auszuprobieren.
Stampfen. Schöpfen. Schreiben.
Wir brauchen es – fast immer und überall und manchmal, ohne es zu merken: Papier. Wie es über die Jahrhunderte von Hand und industriell hergestellt wurde und wird, darum dreht sich alles in der Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach. Fast 100 Jahre nach der Schließung der Mühle im Jahr 1900 wurde das alte Handwerk hier neu zum Leben erweckt. Wieder in Betrieb ist unter anderem das von dem historischen Wasserrad angetriebene Lumpenstampfwerk.
Vorgeführt wird in Deutschlands größtem Papiermuseum außerdem eine Original-Laborpapiermaschine aus den 1950er Jahren. Zwar nicht mehr im Einsatz, aber ein echter Hingucker ist die imposante PM4. Der gut vierzig Meter lange und fünf Meter hohe Koloss aus dem Jahr 1889 markierte einst den Übergang zur industriellen Papierproduktion. Die Dauerausstellung widmet sich der Technik- und Kulturgeschichte des Papiers, greift aber auch aktuelle Themen wie Ressourcenverbrauch, Recycling und Nachhaltigkeit auf. Wer mag, kann sich auch selbst ausprobieren und eigenes Papier schöpfen.
Wasser. Wandel. Energie.
Mit Gründung der Baumwollspinnerei Ermen & Engels wurde die kleine Stadt Engelskirchen von 1837 an zum Umschlagplatz für die Textilindustrie. Im historische Wasserkraftwerk, das die Engelskirchener Fabrik und kurzzeitig auch Teile des Ortes ab 1903 mit Strom versorgte, lässt sich von April bis Oktober eindrucksvoll nachvollziehen, wie die wuchtigen Turbinen und Generatoren das Wasser des Flüsschens Agger in elektrische Energie umwandelten. Beim Abstieg in den unterirdischen Turbinenkeller wird erlebbar, wie hier einst die Schütze geöffnet wurden und das Wasser der Agger hereinströmte, so dass die Maschinen in den darüber liegenden Fabrikgebäuden auf Hochtouren liefen.
Feuer und Wasser spielen die Hauptrolle am Oelchenshammer, einem der letzten wasserbetriebenen Schmiedehämmer aus vorindustrieller Zeit im Oberbergischen Land. Die in einem Seitental der Agger gelegene, mehr als 200 Jahre alte Anlage ist vollständig erhalten und wird zwischen April und Oktober regelmäßig sonntags und zu besonderen Anlässen geöffnet.
Wolle. Weben. Wiedererweckt.
Die ehemalige Tuchfabrik Müller ist in ihrer Art einzigartig in Europa. Denn der gesamte Fabrikkosmos mitsamt den historischen Maschinen ist nahezu vollständig erhalten und nimmt Sie am Originalschauplatz mit auf eine Zeitreise in die Blütezeit der rheinischen Textilindustrie. Ihr Inhaber Kurt Müller hatte die Fabrik im Jahr 1961 geschlossen – und entgegen seiner Hoffnung nie wieder geöffnet. Jahrzehntelang blieb alles unverändert und fast entsteht der Eindruck, die Arbeit ruhe nur für einen kurzen Moment.
Welch ohrenbetäubende Geräuschkulisse in der Fabrik einst herrschte, lässt sich erahnen, wenn heute wieder die Webschützen in den historischen Webstühlen hin und her sausen. Sämtliche Maschinen, die bei Rundgängen durch die Färberei und Krempelei sowie die Spinn- und Weberei vorgeführt werden, stammen aus der Zeit um 1900. Bei Vorführungen demonstrieren sie anschaulich den gesamten Herstellungsprozess von der Wolle bis zum festen Tuch vor 120 Jahren.
Arbeit. Ästhetik. Architektur.
Nach den Entwürfen von Peter Behrens entstand in den Jahren 1920 bis 1925 das Hauptlagerhaus des Stahlkonzerns Gutehoffnungshütte (GHH). Heute beherbergt der markante, 90 Meter lange Backsteinbau unser zentrales Sammlungsdepot. Um das industrielle Erbe des Rheinlands zu bewahren, lagern auf fünf Etagen mehr als 250.000 Objekte in den meterhohen Regalen, Schränken und Schubladen. Vom Kamm über Klopapier bis zu tonnenschweren Maschinen. Bis ins Detail dokumentieren sie die Alltags- und Arbeitswelt in der rheinischen Textil- und Schwerindustrie sowie der Metall- und Papierverarbeitung im 19. und 20. Jahrhundert.
Dem umfangreichen Schaffen des namensgebenden Architekten, Industriedesigners und Werbegrafikers ist die Dauerausstellung Peter Behrens – Kunst und Technik gewidmet. Mit Blick auf das ehemalige Firmengelände der GHH präsentiert sie von freitags bis sonntags im fünften Obergeschoss des Peter-Behrens-Baus unter anderem Modelle seiner bekanntesten Bauten und zahlreiche von ihm gestaltete Alltagsgegenstände.
Im Umbau
Aktuell wegen Umbau geschlossen ist die Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen. Bis die neu konzipierte Dauerausstellung voraussichtlich ab Herbst 2027 die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Industriezeitalters in den Blick nimmt, werden gesonderte Veranstaltungen angeboten. Auch können Räumlichkeiten für Events gebucht werden.