Max Ernst und seine künstlerischen Techniken

Nicht nur die Themen und Motive seiner Kunstwerke zeugen von Max Ernsts kreativem Reichtum: Auf der Suche nach immer wieder neuen Ausdrucksmöglichkeiten für seine surrealistischen Bilder experimentierte der Künstler mit verschiedenen Techniken und entwickelte diese stetig weiter.

Collage (französisch: Kleben)

Max Ernst war für seine rätselhaften und poetischen Collagen bekannt. Für ihre Herstellung verwendete er verschiedene vorgefundene Abbildungen aus Warenhauskatalogen, Romanen oder Lehrbüchern. Diese schnitt er aus, um sie anschließend mit anderen Bildfragmenten auf Papier zu kombinieren und mit Kleber zu fixieren. Durch das Prinzip der Collage setzte er vor allem Bildelemente in Verbindung zueinander, die logisch gedacht nicht zusammenpassen. Seine traumatischen Kriegserfahrungen verarbeitet Max Ernst seit Beginn der 1920er Jahre in Form von Collagen, die technoide Körper zeigen.

Collage einer Frau und Vögeln mit mechanischen Teilen
Max Ernst, "Sacra Conversazione", 1921, Fotografie einer Collage, 22,5 x 13,5 cm, Sammlung Becker, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Frottage (französisch: Reiben)

Ausgangspunkt der Frottagen waren für Max Ernst verschiedene Gegenstände, deren Strukturen er mittels Stift auf Papier durchrieb. Für seine ersten Frottagen 1925 verwendete Max Ernst die Oberfläche eines alten und abgenutzten Dielenbodens, später nutzte er natürliche Materialien wie Blätter, Gitter und Muscheln. Die Frottagen nutzte Ernst, um den Zufall mit in den Werkprozess zu integrieren.

Zeichnung eines Auges
Max Ernst, "Blitze unter Vierzehn Jahren", "Histoire Naturelle" (1926), Lichtdruck nach Frottage, Zweite Ausgabe von 1972, Max Ernst Museum Brühl des LVR, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Grattage (französisch: Abkratzen)

Auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten entwickelte Max Ernst die Grattage. Bei dieser Technik wird eine Leinwand mit vielen Farbschichten bemalt und dann über einen groben Stoff oder andere Gegenstände gelegt. Mit einem Schaber wird die Farbe wieder abgekratzt, so dass ein Muster der untergelegten Objekte sichtbar wird.

Zeichnung von Max Ernst
Max Ernst, "Autoportrait", Grattage, Max Ernst Museum Brühl des LVR, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Décalcomanie (französisch: Abkratzbild)

Auch der künstlerische Prozess der Abklatschtechnik Décalcomanie ist vom Zufall geprägt. Hierfür trug Ernst eine dünne Schicht flüssiger Farbe auf Leinwand auf, auf die er anschließend eine Glasscheibe oder ein Blatt Papier presste. Die dadurch verschobene Farbe und die durch die Bewegung entstandenen Blasen und Verästelungen waren nicht vorhersehbar. Die so gewonnenen verästelten Strukturen arbeitete Max Ernst im Anschluss mit dem Pinsel zu lebendigen Landschaften und fantastischen Wesen heraus.

Abstraktes Gemälde in sandfarbenen Tönen mit Himmel dazwischen
Max Ernst, "D" (1943), Öl auf Holz, Max Ernst Museum Brühl des LVR, Leihgabe der Kreissparkasse Köln, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Plastisches Prinzip

Bei den meisten Skulpturen von Max Ernst handelt es sich um sogenannte Assemblagen. Hierfür nutzte der Künstler Formen aus der Natur und Alltagsgegenstände, die er übereinanderstapelte, spiegelte und verschiebt. Als Ausgangsformen dienten dem Künstler zum Beispiel Eierkartons und Blumentöpfe sowie Muscheln. Aus den abgeformten Objekten entstehen surreale Wesen, die menschliche und tierische Erscheinungsmerkmale vermengen.

Froschähnliche Skulptur
Max Ernst, "Dream Rose" (1959), Bronze, Max Ernst Museum Brühl des LVR, Leihgabe der Kreissparkasse Köln, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Oszillation

Die Oszillation ist eine indirekte Methode, um Farbe auf einen Bildträger aufzutragen. Hierbei tropft Farbe aus einer mit einem Loch versehenen Dose, welche an einer Schnur befestigt worden ist auf Leinwand. Dabei entstehen je nach Schwungstärke des Pendels radiusartige oder tröpfelnde Muster auf dem Bildgrund. Diese Technik entwickelte Max Ernst in seiner Zeit in den USA. Jackson Pollock, mit dem Max Ernst in dieser Zeit in Verbindung stand, übernahm diese Technik und machte daraus seine berühmten Drip-Paintings oder auch Action Paintings, ikonische Werk des Abstrakten Expressionismus.

Abstrakte Zeichnung in Grün- und Blautönen
Max Ernst, "Jeune homme intrigué par le vol d'une mouche non-euclidienne" (1942–47), Öl und Lack auf Leinwand, Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jochen Littkemann