Beruf und Ausbildung

Alles was Sie über Berufe im Archiv und die Ausbildungsangebote des LVR-AFZ wissen sollten!

Zeichnung: Drei Personen arbeiten an einem großen Terminplan.

Ausbildung

Wer in einem Archiv beruflich tätig sein möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Einerseits gibt es das Berufsfeld „Archivar*in“, das in verschiedenen Laufbahnen den Fokus darauf legt, Archivgut zu übernehmen, zu bewerten, zu erschließen, zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Berufsfeld „Restaurator*in für Schriftgut“ setzt den Schwerpunkt darauf, für den Originalerhalt von analogem Archivgut zu sorgen. Im besten Fall arbeiten Fachleute beider Disziplinen im Archiv Hand in Hand. Im Folgenden finden Sie Informationen zu beiden Berufsfeldern.

Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) unterstützt die Ausbildung von archivischem und restauratorischem Fachpersonal. Die Palette reicht von konkreten Ausbildungsangeboten und der Möglichkeit, ausbildungsrelevanter Module im LVR-AFZ zu absolvieren bis hin zur Begleitung von Ausbildungsgängen und der Beratung von interessierten Personen. Zum Hereinschnuppern in die berufliche Tätigkeit im Archiv gibt es verschiedene Möglichkeiten für Praktika.

Der Beruf Archivar*in

Das Berufsbild des/der Archivar*in und das Aufgabenspektrum der Archive haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Die zunehmende Vielfalt und Komplexität der Aufgaben kann von den Archiven nur bewältigt werden, wenn sie über gut ausgebildetes Fachpersonal verfügen, das sich durch die Teilnahme an Fortbildungen regelmäßig weiterqualifiziert.

Die verschiedenen Ausbildungsabschlüsse

  • Fachangestellte*r für Medien- und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv
  • Bachelor of Arts (B.A.) Archiv
  • Diplom-Archivar*in
  • Master of Arts (M.A.) Archivwissenschaften
  • Wissenschaftliche*r (Wiss.) Archivar*in

entsprechen in Archiven in öffentlicher Trägerschaft der Zuordnung zu den drei Laufbahngruppen mittlerer, gehobener und höherer Dienst. Bei Archiven anderer Träger ist eine vergleichbare Einordnung gemäß den jeweiligen Tarifordnungen üblich.

Einen allgemeinen Überblick über Voraussetzungen, Aufgaben und Tätigkeiten der verschiedenen Ausbildungs- und Studienwege in den Archivar*innen-Beruf geben die Tätigkeitsprofile der Bundesagentur für Arbeit. Nähere Informationen bis hin zu Studien- und Ausbildungsordnungen liefern Links, die direkt den unten stehenden Ausbildungsbeschreibungen zugeordnet sind.

Gruppenbild der FaMI-Oberstufe im Innenhof der Abtei Brauweiler

Fachangestellte*r für Medien- und Informationsdienste (FaMI)

Fachrichtung Archiv

Die Ausbildung zur/zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv erfolgt im dualen System und dauert regulär drei Jahre. Sie wendet sich insbesondere an Schüler*innen mit mittlerem Bildungsabschluss und befähigt für die Laufbahn im mittleren Archivdienst.

In NRW ist die Bezirksregierung Köln die für die FaMI-Ausbildung zuständige Stelle nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Da die Anzahl der Auszubildenden insgesamt gering ist, findet der Berufsschulunterricht in den einzelnen Bundesländern an wenigen zentralen Stellen statt.
Für NRW sind es vier Standorte: im Rheinland das Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln, das Berufskolleg Bachstraße mit Wirtschaftsgymnasium in Düsseldorf und das Robert-Schmidt-Berufskolleg in Essen, in Westfalen das Karl-Schiller-Berufskolleg in Dortmund. In Archiven öffentlicher Träger besetzen FaMIs die Stellen des mittleren Dienstes.

B.A. Archiv

Zulassungsvoraussetzung für das Bachelorstudium Archiv ist die Fachoberschulreife bzw. das Abitur. Das Diplom bzw. der B.A. Archiv ist in Archiven öffentlicher Träger Einstellungsvoraussetzung für Stellen im gehobenen Dienst.

Das Bachelorstudium Archiv an der Fachhochschule Potsdam umfasst 7 Semester, wovon eines als Praxissemester in einem Archiv absolviert wird. Studienbeginn ist jeweils im Wintersemester, die Bewerbung erfolgt über die Homepage der Fachhochschule Potsdam. Alternativ bietet die FH Potsdam die berufsbegleitende Fernweiterbildung Archiv an. Der Kurs dauert vier Jahre; nach erfolgreichem Abschluss kann die Zulassung zur Bachelorprüfung beantragt werden.

Diplom-Archivar*in (verwaltungsintern)

Zulassungsvoraussetzung für die Ausbildung zur/zum Diplom-Archivar*in ist die Fachoberschulreife bzw. das Abitur. Das Diplom bzw. der B.A. Archiv ist in Archiven öffentlicher Träger Einstellungsvoraussetzung für Stellen im gehobenen Dienst.

Der verwaltungsinterne Vorbereitungsdienst zur/zum Diplom-Archivar*in wird gemeinsam durch die Ausbildungsarchive des Bundes und der Länder (praktischer Teil) und die Archivschule Marburg – Hochschule für Archivwissenschaften (theoretischer Teil) durchgeführt und dauert drei Jahre.
Die Ausschreibung der Ausbildungsstellen erfolgt über die Staats- und Landesarchive in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen sind auch die Archivberatungsstellen der beiden Landschaftsverbände zur Ausbildung von Landesarchivinspektoranwärter*innen berechtigt.

Über Einstellungsvoraussetzungen, Verlauf und Inhalte der Ausbildung des gehobenen Archivdienstes informiert die Ausbildungsverordnung.

M.A. Archivwissenschaften

Für die Zulassung für das Masterstudium Archivwissenschaften ist ein abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium Voraussetzung (mindestens 1. Staatsexamen, Magister Artium oder Master), vorzugsweise im Bereich der Geschichts- oder Rechtswissenschaften. Absolvent*innen des M.A. Archivwissenschaften erfüllen in Archiven öffentlicher Träger die Einstellungsvoraussetzungen für Stellen im höheren Dienst.

Das Masterstudium Archivwissenschaften wird an der Fachhochschule Potsdam (FH) angeboten. Es umfasst sechs Semester und kann ausschließlich berufsbegleitend absolviert werden. Studienstart ist alle zwei Jahre, jeweils zum Herbst in ungeraden Jahren. Die Bewerbung erfolgt direkt an der FH Potsdam.

Wissenschaftliche*r Archivar*in (verwaltungsintern)

Für die Ausbildung zur/zum Wissenschaftlichen Archivar*in ist ein abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium Voraussetzung (mindestens 1. Staatsexamen, Magister Artium oder Master), vorzugsweise im Bereich der Geschichts- oder Rechtswissenschaften. Wissenschaftliche Archivar*innen erfüllen in Archiven öffentlicher Träger die Einstellungsvoraussetzungen für Stellen im höheren Dienst.

Die Ausbildung zur/zum Wissenschaftlichen Archivar*in geschieht verwaltungsintern in Form eines Referendariates, mit praktischem Teil in den Ausbildungsarchiven des Bundes und der Länder und theoretischem Teil an der Archivschule Marburg – Hochschule für Archivwissenschaften. Sie dauert zwei Jahre. Die Ausschreibung der Ausbildungsstellen erfolgt über die Staats- und Landesarchive in Deutschland.

Berufsfeld Archivar*in: Angebote im LVR-AFZ

  • Ausbildung Diplom-Archivar*in / Landesarchivinspektoranwärter*in
    In Nordrhein-Westfalen sind die Archivberatungsstellen der beiden Landschaftsverbände zur Ausbildung von Landesarchivinspektoranwärter*innen berechtigt. Die Landschaftsverbände bieten dabei auch die Möglichkeit der Auftragsausbildung für Kommunen. Aktuell stellt das LVR-AFZ alle zwei Jahre drei Landesarchivinspektoranwärter*innen ein, die das dreijährige duale Studium durchlaufen. Über Einstellungsvoraussetzungen, Verlauf und Inhalte der Ausbildung des gehobenen Archivdienstes informiert die Ausbildungsverordnung.
  • Wissenschaftliches Volontariat zum Einstieg in die Laufbahn des wissenschaftlichen Archivdienstes
    Im zweijährigen wissenschaftlichen Volontariat für den Archivdienst erwerben Absolvent*innen eines wissenschaftlichen Hochschulstudiums, vorzugsweise im Bereich der Geschichts- oder Rechtswissenschaften, (mindestens 1. Staatsexamen, Magister Artium oder Master) theoretische und praktische Kenntnisse für eine spätere Anstellung in einem Archiv.
Foto von drei jungen Männern vor dem Gebäude der Archivschule Marburg.
Die drei aktuellen Archivinspektoranwärter des AFZ vor der Archivschule Marburg.

Ansprechperson für das Berufsfeld Archivar*in

Der Beruf „Restaurator*in“

Um in Archiven zu arbeiten, ist eine Spezialisierung auf Schriftgut erforderlich. Akten, Bücher, Urkunden, Siegel, Karten und Pläne sind typische Objekte, die in der täglichen Arbeit behandelt werden. Restaurator*innen erstellen Dokumentationen sowie Konservierungs- und Restaurierungskonzepte. Sie erkennen Schadensbilder, führen praktische Restaurierungen durch und beraten zu Fragen der Bestandserhaltung. Stellungnahmen und Analysen gehören ebenfalls zu den Tätigkeiten von Restaurator*innen.

Einen Überblick über Voraussetzungen, Aufgaben und Tätigkeiten sowie zu den Studienwegen stellt der Verband der Restaurator*innen (VDR) auf seiner Homepage zur Verfügung.

B.A. Restaurierung

Zulassungsvoraussetzung für das Bachelorstudium ist die Fachoberschulreife bzw. das Abitur sowie ein Jahrespraktikum in einer Restaurierungswerkstatt. Das Studium beginnt im Wintersemester und umfasst sechs Semester. Es werden die Grundlagen der präventiven Konservierung und Restaurierung vermittelt. Die methodisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung erfolgt anhand von historischen, technologischen und materiellen Lehrinhalten. Objekte werden wissenschaftlich analysiert, praktische Maßnahmen zur Erhaltung geplant und durchgeführt.

In Deutschland gibt es drei wissenschaftliche Institutionen, an denen die Konservierung und Restaurierung von Schriftgut gelehrt wird. Jede Hochschule hat unterschiedliche Schwerpunkte.

  • Köln: TH Köln, Cologne Institute of Conservation Sciences (CICS)
  • Hildesheim: Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK)
  • Stuttgart: Staatliche Akademie der Bildenden Künste (abk)

M.A. Restaurierung

Für die Zulassung für das Masterstudium der Restaurierung ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium der Konservierung und Restaurierung Voraussetzung.

Ein Masterstudium dauert vier Semester und baut auf das Bachelorstudium auf. Es werden Fach- und Methodenkompetenzen sowie Analyse- und Problemlösekompetenzen vermittelt, um die Studierenden auf die Bearbeitung komplexer Aufgabenstellungen in der Restaurierung und Konservierung vorzubereiten. Nach Abschluss des Masterstudiums können die Studierenden eigenverantwortlich Restaurierungsprojekte planen und durchführen. Als Restaurator*innen führen sie Beratungen durch, betreuen Sammlungen, arbeiten im Bereich des Notfallmanagements, übernehmen Monitoring-Aufgaben und erstellen Gutachten.

In Deutschland gibt es drei wissenschaftliche Institutionen, an denen die Konservierung und Restaurierung von Schriftgut gelehrt wird. Jede Hochschule hat unterschiedliche Schwerpunkte.

  • Köln: TH Köln, Cologne Institute of Conservation Sciences (CICS)
  • Hildesheim: Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK)
  • Stuttgart: Staatliche Akademie der Bildenden Künste (abk)

Handwerk

Manche Restaurator*innen mit einem Bachelor- oder Masterabschluss haben vor ihrer akademischen Laufbahn eine Ausbildung zur Buchbinderin bzw. zum Buchbinder absolviert. Nach dieser handwerklichen Ausbildung kann sich auch eine berufliche Weiterbildung anschließen, die es ermöglicht, in Restaurierungswerkstätten zu arbeiten.

Der „Buchbinder bzw. Buchbinderin für Restaurierungsarbeiten“ ist eine berufliche Weiterbildung, deren Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Abschussbezeichnungen je nach zuständiger Kammer unterschiedlich sein können. Die Prüfung ist gemäß den Rechtsvorschriften der jeweiligen Handwerkskammer geregelt.

So werden z. B. innerhalb eines zweijährigen Kurssystems am Buchbinder-Colleg in Stuttgart die manuellen Fertigkeiten und das theoretische Wissen vermittelt, um wertvolle Bücher, Handschriften und Dokumente fachgerecht zu erhalten. Die Weiterbildung bereitet die Teilnehmenden praxisnah auf die Alltagstätigkeiten vor und verbindet traditionelle Handwerkskunst mit modernen Konservierungstechniken.

Berufsfeld Restaurator*in: Angebote im LVR-AFZ

  • Wissenschaftliches Volontariat zum Berufseinstieg für Restaurator*innen
    Nach Abschluss des Studiums der Restaurierungswissenschaften bietet das zweijährige Volontariat den Absolvent*innen disziplinenübergreifende Einblicke in die Aufgaben und Tätigkeiten von Restaurator*innen in mittleren und größeren Archiven.
  • Studienvorbereitendes Praktikum in der Werkstatt für Papierrestaurierung
    Das einjährige Praktikum bietet die intensive Vorbereitung auf das Studium der
    Restaurierungswissenschaften. Die angehenden Studierenden lernen die Umsetzung grundlegender restauratorischer und konservatorischer Maßnahmen an Büchern, Akten, Urkunden, Siegeln und Grafiken.

Ansprechperson für das Berufsfeld Restaurator*in