Pressemeldung
Von der heilpädagogischen Kita zur inklusiven Einrichtung: Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis macht Mut zur Veränderung
Sebastian Stöcker, Geschäftsbereichsleitung Kindertagesstätten, über Chancen, Herausforderungen und Erfahrungen des Umwandlungsprozesses.
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- "Viele erleben, dass sich im Alltag mehr umsetzen lässt als zunächst gedacht." Sebastian Stöcker ist Geschäftsbereichsleitung Kindertagesstätten der Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis. Foto: Stöcker/Lebenshilfe.
Elsdorf/Köln. 23. Juni 2026. Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreuen, fördern und begleiten – was heute vielerorts als Ziel formuliert wird, hat die Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis bereits an mehreren Standorten erfolgreich umgesetzt. Der Träger hat seine ursprünglich rein heilpädagogischen Kindertageseinrichtungen schrittweise für alle Kinder geöffnet und zu inklusiven Einrichtungen weiterentwickelt.
„Inklusion gelingt dort besonders gut, wo Träger, Fachkräfte und Eltern den Weg gemeinsam gestalten. Die Erfahrungen der Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis zeigen, dass die Weiterentwicklung heilpädagogischer Einrichtungen zu inklusiven Kitas nicht nur möglich ist, sondern für alle Kinder einen Gewinn darstellt“, sagt Knut Dannat, LVR-Dezernent für Kinder, Jugend und Familie.
Die Erfahrungen zeigen: Inklusion kann im Kita-Alltag gelingen – wenn sie gut geplant, gemeinsam gestaltet und von einer klaren Haltung getragen wird. Für den LVR, der die Weiterentwicklung heilpädagogischer Kindertageseinrichtungen zu inklusiven Angeboten unter anderem mit Beratung und Fortbildung unterstützt, ist die Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis deshalb ein Beispiel dafür, wie dieser Weg erfolgreich gestaltet werden kann.
Bereits 2013 begannen die ersten Überlegungen zur Umwandlung. Mit der Eröffnung der Kita „Hürther Ströpp“ im Jahr 2015 entstand die erste inklusive Einrichtung des Trägers mit heilpädagogischen und regulären Kita-Plätzen. Seitdem wurden weitere inklusive Angebote aufgebaut. Aktuell betreibt die Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis drei inklusive Kindertagesstätten sowie eine heilpädagogische Einrichtung. An diesen vier Standorten in Brühl, Hürth, Erftstadt und Frechen werden etwa 200 Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Schuleintritt betreut, darunter Kinder mit und ohne speziellen Förderbedarf, Behinderungen oder chronischen Krankheiten. Weitere Öffnungsschritte sind bereits geplant.
Diese Entwicklung steht auch für eine veränderte Kita-Landschaft: Die individuellen Bedarfe der Kinder sind vielfältiger geworden. Inklusive Angebote werden daher wichtiger, um Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen wohnortnah gemeinsame Bildung, Betreuung und Förderung zu ermöglichen.
Über Chancen, Herausforderungen und Erfahrungen des Umwandlungsprozesses spricht Sebastian Stöcker, Leiter des Geschäftsbereichs Kindertagesstätten, im Interview.
Herr Stöcker, Sie haben mehrere heilpädagogische Kitas der Lebenshilfe erfolgreich in inklusive Einrichtungen umgewandelt. Was war der Auslöser für diesen Schritt?
Der zentrale Auslöser war die Überzeugung, dass alle Kinder ein Recht auf gemeinsames Aufwachsen und Lernen haben. Gesellschaftliche Entwicklungen, rechtliche Rahmenbedingungen – insbesondere die UN-Behindertenrechtskonvention – sowie der steigende Bedarf an inklusiven Betreuungsplätzen haben diesen Weg zusätzlich bestärkt.
Für uns war die Öffnung selbstverständlich, weil Inklusion nicht nur ein Auftrag, sondern vor allem eine Chance ist – für mehr Teilhabe, mehr Vielfalt und eine starke Gemeinschaft von Anfang an.
Wie verlief der Umwandlungsprozess?
Der Prozess begann mit einer strategischen Entscheidung, unsere reinen heilpädagogischen Kitas schrittweise für alle Kinder zu öffnen. Dafür haben wir Strukturen analysiert, Konzepte weiterentwickelt und die Teams intensiv eingebunden. Parallel erfolgte eine enge Abstimmung mit Kostenträgern, Kommunen und Eltern.
Unser Ziel war und ist es, Kindern mit erhöhtem Teilhabe- und Förderbedarf eine wohnortnahe Betreuung zu ermöglichen und Inklusion selbstverständlich im Alltag zu verankern.
Welche Herausforderungen mussten Sie dabei bewältigen?
Zu den größten Herausforderungen zählten Themen wie Finanzierung, Personalschlüssel, Unsicherheiten in den Teams und teilweise Vorbehalte bei Eltern.
Geholfen haben uns eine klare Haltung, transparente Kommunikation und die konsequente Einbindung aller Beteiligten. Fortbildungen, Supervision und Zeit für Entwicklung sind entscheidend, um Teams Sicherheit zu geben und gemeinsam Lösungen zu finden.
Was hat sich für die Kinder verändert?
Kinder mit Behinderung erleben mehr Teilhabe, Selbstbestimmung und soziale Kontakte. Kinder ohne Behinderung wachsen ganz selbstverständlich mit Vielfalt auf, entwickeln Empathie und soziale Kompetenzen. Insgesamt entsteht eine vielfältige Gemeinschaft, in der alle Kinder voneinander lernen.
Viele Träger fragen sich, ob eine solche Öffnung realistisch umsetzbar ist. Was würden Sie Einrichtungen raten, die noch zögern?
Ich würde empfehlen, den Prozess als Entwicklungsschritt zu verstehen. Wichtig ist, klein anzufangen, Erfahrungen zu sammeln und sich Unterstützung zu holen.
Viele erleben, dass sich im Alltag mehr umsetzen lässt als zunächst gedacht. Entscheidend sind eine klare Haltung zur Inklusion, die Bereitschaft zur Weiterentwicklung und die Erkenntnis, dass Veränderungen Zeit brauchen.
Was wünschen Sie sich für die Kita-Landschaft im Rhein-Erft-Kreis?
Ich wünsche mir, dass inklusive Kitas zum selbstverständlichen Standard werden. Sie machen Vielfalt im Alltag erlebbar und ermöglichen Kindern, von Anfang an miteinander aufzuwachsen und voneinander zu lernen. Inklusion ist kein Sonderkonzept, sondern ein gemeinsamer Weg, von dem alle Kinder profitieren.
Zur Person
Sebastian Stöcker (39) ist Geschäftsführer der Kindertagesstätten der Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis. Der staatlich anerkannte Kindheitspädagoge lebt in Köln und verfügt über langjährige Erfahrung in der Leitung inklusiver Kindertageseinrichtungen. Seit November 2019 verantwortet er den Bereich Kindertagesstätten bei der Lebenshilfe Rhein-Erft.
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Sebastian Stöcker, Geschäftsführer der Kindertagesstätten der Lebenshilfe im Rhein-Erft-Kreis
Foto: Stöcker/Lebenshilfe
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Till Döring
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