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Playing Lawrence On The Other Side

Ausstellung über deutsche Orientpolitik im Ersten Weltkrieg in Wesel eröffnet / Preußen-Museum NRW beteiligt sich am LVR-Verbundprojekt „1914 – Mitten in Europa"

Wesel. 24. Oktober 2014. Ob militärische Kämpfe an der Front, persönliche Berichte aus dem Krieg oder der gesellschaftliche Wandel – wer 2014 in Ausstellungen an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erinnert, richtet den Blick dabei zumeist auf Europa. Die Perspektive, die nun das Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen einnimmt, geht weit darüber hinaus. Unter dem Titel „Playing Lawrence On The Other Side. Die Expedition Klein und das deutsch-osmanische Bündnis" wird in Wesel ab dem 26. Oktober der fast in Vergessenheit geratene Krieg im Osmanischen Reich und seinen Nachbarstaaten in den Mittelpunkt gerückt. Die Ausstellung, die bis zum 25. Januar 2015 zu sehen ist, ist Teil des in Deutschland einzigartigen Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg", mit dem der Landschaftsverband Rheinland (LVR) noch bis Mitte 2015 an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor rund 100 Jahren erinnert.

„Die Ausstellung verdeutlicht wachsenden Beziehungen zweier unterschiedlicher Kulturen, die gemeinsam in den Krieg ziehen. Darin spiegelt sich die Spannung zwischen Avantgarde und Aggression, der rote Faden, der sich durch das gesamte Verbundprojekt zieht", sagt Prof. Dr. Thomas Schleper, Leiter des LVR-Verbundprojektes. Hintergrund ist die Tatsache, dass Deutschland und das Osmanische Reiche vier Jahre lang zusammen als Verbündete kämpften. Dabei ist fast völlig aus dem Bewusstsein geraten, dass die türkische Seite dabei mindestens ein Viertel ihrer eingesetzten Soldaten verlor und dadurch mit die höchsten Verluste des Ersten Weltkriegs zu beklagen hatte.

Die Ausstellung beginnt mit der deutschen Orientpolitik in der Vorkriegszeit, den sprunghaft steigenden deutschen Wirtschaftsbeziehungen zum Osmanischen Reich und zu Persien und den deutschen Militärmissionen – und setzt sich fort mit der Zeit um den Ersten Weltkrieg. In den Mittelpunkt rücken dann das deutsch-türkische Bündnis und die vielfältigen Erfahrungen, die mehr als 25.000 deutsche Soldaten auf den orientalischen Kriegsschauplätzen und mit fremden Kulturen machten.

Bild zweier Soldaten
Eine Fotopostkarte mit einem deutschen und einen osmanischen Marinesoldat um 1916/1917. Repro: Preußen-Museum NRW, Wesel

Wie der legendäre „Lawrence von Arabien"

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht dabei ein Aspekt der deutschen Orientpolitik, der in historischer Betrachtung bisher nur eine geringe Rolle spielte: Die Expedition Klein. „Damit stellt die Ausstellung ein bisher unbekanntes Kapitel des Ersten Weltkriegs vor, das der Öffentlichkeit nun erstmals durch die Auswertung umfangreicher Quellen zugänglich gemacht wird. Diese Expedition war zur damaligen Zeit die vielseitigste deutsche Orientexpedition", erklärt Dr. Veit Veltzke, Direktor des Preußen-Museums NRW. Die Geschichte der Expedition Klein brachte ihr aus einer jüdischen Familie stammender Adjutant Edgar Stern-Rubarth 1936 in seinem Londoner Exil auf eine Formel, die der Ausstellung in Wesel ihren Namen gab: „Playing Lawrence On The Other Side". Wie der legendäre „Lawrence von Arabien" agierte die Gruppe Klein mit hoher interkultureller Kompetenz im Bündnis mit arabischen Stämmen.

Hauptmann Klein war mit dem Auftrag des Auswärtigen Amtes und des deutschen Generalstabes in den Orient gereist, die englische Pipeline am Persischen Golf gemeinsam mit verbündeten Beduinenstämmen zu sprengen. Er erfüllte den Auftrag – und gewann die schiitische Geistlichkeit in Kerbela für den Erlass einer Fatwa gegen England, Russland und Frankreich. Als osmanischer Major stabilisierte er die Front in Mesopotamien, kümmerte sich um Nachschub, Gesundheitsvorsorge und Wirtschaftskontrolle und arbeitete erfolgreich mit Araberstämmen des Irak zusammen. Später kämpfte er mit persischen Stammesreitern gegen russische Truppen im Westen des heutigen Iran. Archäologen, Ingenieure, Globetrotter und Abenteurer gehören zum bunten Bild seiner Expedition.

Viele Exponate erstmals für Öffentlichkeit zugänglich

Welche Eindrücke Klein sammelte, ist in Wesel zu sehen. Auf insgesamt 700 Quadratmetern werden rund 500 Exponate ausgestellt. Viele davon sind erstmals überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich. Dazu gehören beispielsweise der Fotoschatz der Expedition Klein mit Bildern aus dem Irak und Westpersien vor 100 Jahren, islamische Handschriften seit dem 10. Jahrhundert aus dem Besitz Max von Oppenheims, ein Morgenrock Kaiser Wilhelms II. im orientalischen Stil, eine Uniform seines Reichskanzlers von Bülow, das Fotoalbum zur Völkervielfalt des Osmanischen Reiches vom bedeutendsten osmanischen Fotografen Pascal Sébah und der Ordensnachlass des Begründers der osmanischen Luftwaffe, Major Serno. Ausgestellt sind zudem berührende persönliche Zeugnisse, die interkulturelle Beziehungen zwischen Deutschen, Türken und Arabern belegen.

zwei Männer, die in ein Buch gucken
Zeugnis kultureller Vielfalt: Dr. Veit Veltzke, Direktor des Preußen-Museums NRW (links), und Prof. Dr. Thomas Schleper, Leiter des LVR-Verbundprojektes, sehen sich den Fotoschatz des osmanischen Fotografen Pascal Sébah an. Foto: LVR

Gefördert wird die Ausstellung durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung. „Das Preußen-Museum zeigt Dokumente und Exponate, die einen authentischen Einblick in die kulturellen Annäherungen vor rund 100 Jahren vermitteln. Um dieses bisher wenig beachtete Kapitel des Ersten Weltkriegs im Blick zu behalten, war es der NRW-Stiftung ein wichtiges Anliegen, diese Ausstellung zu unterstützen", sagt Armin Huber, Regionalbotschafter der NRW-Stiftung. Zudem zählen zahlreiche private und öffentliche Leihgaben zu den Exponaten, darunter auch Objekte des Deutschen Historischen Museums Berlin, des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes Berlin, des Ethnologischen Museums Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) Berlin, der Staatsbibliothek SPK zu Berlin, des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr Dresden, des Museums Huis Doorn Niederlande, des Braunschweigischen Landesmuseums, der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, des Rautenstrauch-Joest-Museums Köln, des Vorderasiatischen Museums Berlin, der Deutschen Orient-Gesellschaft e. V. Berlin.

Service:

Preußen-Museum NRW

An der Zitadelle 14–20

46483 Wesel

www.preussenmuseum.de

Laufzeit:

26. Oktober 2014 bis 25. Januar 2015

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr

Eintrittspreise:

4,50 Euro; ermäßigt 3,50 Euro

Buchung und Information:

kulturinfo rheinland

info@kulturinfo-rheinland.de

Sekretariat:

Isabelle Jenal

isabelle-jenal@preussenmuseum.de

Ihr Pressekontakt

Björn Mende

document1 GmbH

Telefon: 02825/9 39 58-13

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  1. Bild zweier Soldaten
  2. zwei Männer schauen in ein Buch

    Zeugnis kultureller Vielfalt

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