Förderschwerpunkt Sehen

Wir unterstützen Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigungen durch individuelle Förderung, barrierefreie Lernangebote und spezialisierte Beratung. Im Rheinland sind wir Schulträger von fünf LVR-Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen.

Ein Kind mit Brille löst Aufgaben in einem Schulbuch

Was bedeutet der Förderschwerpunkt?

Sehen ist ein zentraler Bestandteil der Wahrnehmung und entwickelt sich in den ersten Lebensjahren. Im Förderschwerpunkt Sehen unterstützen wir Schüler*innen, deren visuelle Wahrnehmung dauerhaft eingeschränkt ist.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Blindheit oder hochgradige Sehbehinderung

  • Einschränkungen des Gesichtsfeldes

  • Störungen der visuellen Verarbeitung

  • Mehrfachbehinderungen mit Sehbeeinträchtigung

Diese Einschränkungen wirken sich auf Orientierung, Lernen, Kommunikation und den Zugang zu Informationen aus.

Gute Förderung bedeutet, die Welt mit allen Sinnen zugänglich zu machen – und jedem Kind seinen eigenen Zugang zum Lernen zu eröffnen.

Ziel des Landschaftsverbands Rheinland

Feststellung des Förderbedarfs

Ob ein*e Schüler*in sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf hat, wird im sogenannten AO-SF-Verfahren festgestellt.

Dabei wird geprüft

  • ob ein sonderpädagogischer Förderbedarf vorliegt

  • welcher Bildungsgang geeignet ist

  • welcher Förderort die passende Unterstützung bietet

Ganzheitliche Förderung im Schulalltag

Wird im Rahmen des AO-SF-Verfahrens ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Sehen festgestellt, kann die Förderung entweder im Gemeinsamen Lernen an einer allgemeinen Schule oder an einer spezialisierten Förderschule erfolgen.

Im Rheinland gibt es fünf Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen. Als Schulträger schaffen wir dort die Voraussetzungen für eine passgenaue und individuelle Förderung.

Die Förderung umfasst:

  • gezielte Schulung der visuellen Wahrnehmung

  • Einsatz von Braille, Vergrößerungssystemen und digitalen Hilfsmitteln

  • Orientierung und Mobilität im Alltag

  • Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten

  • Unterstützung bei der selbstständigen Informationsaufnahme

  • Unterstützung in Form von Therapie und Pflege (nur an der LVR-Louis-Braille-Schule)

An den LVR-Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen werden Schüler*innen in der Primarstufe und Sekundarstufe I unterrichtet.

Der Unterricht erfolgt in unterschiedlichen Bildungsgängen, die sich an den individuellen Voraussetzungen orientieren:

  • Bildungsgang der Grund- und Hauptschule

  • Bildungsgang Lernen

  • Bildungsgang Geistige Entwicklung

Die individuelle Förderung steht dabei immer im Mittelpunkt und wird an die jeweiligen Lernvoraussetzungen angepasst.

An den LVR-Förderschulen können Schüler*innen – je nach Bildungsgang – verschiedene Abschlüsse erreichen:

  • Erster Schulabschluss (früher: Hauptschulabschluss nach Klasse 9)

  • Erweiterter Erster Schulabschluss (früher: Hauptschulabschluss nach Klasse 10 Typ A)

  • Mittlerer Schulabschluss (Fachoberschulreife, früher: Hauptschulabschluss nach Klasse 10 Typ B)

Auch wenn der Unterricht in der Sekundarstufe I nach den Richtlinien der Hauptschule erfolgt, können unsere Schüler*innen den Mittleren Schulabschluss inklusive Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe absolvieren.

Schüler*innen in den Bildungsgängen Lernen oder Geistige Entwicklung erwerben entsprechende individuelle Abschlüsse oder Abschlusszeugnisse.

Die LVR-Louis-Braille-Schulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen ist eine Ganztagsschule. Hier werden die Schüler*innen im Gebundenen Ganztag unterrichtet:

Bei zwei unserer Schulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen handelt es sich um Offene Ganztagsschulen (OGS):

  • LVR-Johannes-Kepler-Schule in Aachen

  • LVR-Severin-Schule in Köln

Der OGS-Besuch ist ein freiwilliges Angebot für Kinder von der 1. bis zur 6. Klasse. Die Kinder erhalten ein Mittagessen, werden bei ihren Hausaufgaben betreut und können verschiedene Spiel-, Sport- oder Musikangebote wahrnehmen. Wir arbeiten hier mit Partnern der Jugendhilfe zusammen, den sogenannten OGS-Trägern, mit denen die Eltern einen Betreuungsvertrag abschließen und einen monatlichen Elternbeitrag zahlen.

Die LVR-Johanniterschule in Duisburg und die LVR-Karl-Tietenberg-Schule in Düsseldorf haben kein Ganztagsangebot.

Die Vorbereitung auf den Übergang in Ausbildung und Beruf ist ein wichtiger Bestandteil der schulischen Förderung.

Schüler*innen werden dabei unterstützt:

  • eigene Stärken und Interessen zu erkennen

  • erste berufliche Erfahrungen zu sammeln

  • realistische Perspektiven für die Zeit nach der Schule zu entwickeln

Dies geschieht unter anderem durch Praktika, Berufsorientierungsangebote im Unterricht und individuelle Beratung.

Schulzuständigkeitsbereich

Die LVR-Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen sind für das gesamte Rheinland zuständig. Jede Schule hat dabei ein festgelegtes Einzugsgebiet, das sich nach dem Wohnort der Schüler*innen richtet.

In der Regel besuchen Schüler*innen die Förderschule, die für ihren Wohnort zuständig ist. So wird sichergestellt, dass die Förderung regional abgestimmt und organisatorisch gut umsetzbar ist.

Als Schulträger organisieren wir die Schülerbeförderung und ermöglichen den sicheren Schulweg – auch über größere Entfernungen hinweg.

Zusätzliche Förderung, Beratung und Angebote

Ergänzend zum Unterricht bieten die LVR-Schulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen vielfältige Unterstützungsangebote für Kinder, Familien und Fachkräfte.

Frühförderung

Für Kinder mit einer Sehbeeinträchtigung ist eine frühzeitige Förderung besonders wichtig. Deshalb bieten die LVR-Förderschulen eine spezifische sonderpädagogische Frühförderung von der Geburt bis zum Schuleintritt an.

Die LVR-Schulen unterstützen durch:

  • frühzeitige Förderung der visuellen Wahrnehmung

  • Beratung und Begleitung von Familien

  • Unterstützung bei der Einschätzung des Förderbedarfs

Ziel ist es, die individuellen Sehfähigkeiten frühzeitig zu stärken und bestmögliche Entwicklungschancen zu eröffnen.

Beratung

Die LVR-Förderschulen bieten vielfältige Beratungsangebote für Eltern, Schulen und pädagogische Fachkräfte.

Themen sind unter anderem:

  • Einsatz von Sehhilfen und Hilfsmitteln

  • Fragen der schulischen Inklusion

  • Einschätzung des Sehvermögens im Alltag

  • Gestaltung von Lernumgebungen für sehbeeinträchtigte Kinder

Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf den Webseiten der einzelnen Förderschulen.

Kurs- und Fortbildungsangebote

Zur Unterstützung von Austausch und Qualifizierung gibt es ein umfangreiches Kursangebot zum Förderschwerpunkt Sehen. Dieses wird von der LVR-Johannes-Kepler-Schule und der LVR-Louis-Braille-Schule angeboten.

Die Angebote richten sich an:

  • Eltern und Familienangehörige

  • pädagogische Fachkräfte

  • Schulbegleitungen

  • therapeutisches Fachpersonal

Die Kurse fördern Wissen, Vernetzung und einen sicheren Umgang mit den besonderen Anforderungen im Förderschwerpunkt Sehen.