Frühförderung

Unsere pädagogische Frühförderung unterstützt hörgeschädigte Kinder und deren Familien kostenlos und rezeptfrei von der Geburt bis zum Schuleintritt. Unser Angebot richtet sich auch an hörende Kinder gehörloser Eltern.

Was leistet die pädagogische Frühförderung?

Die pädagogische Frühförderung der LVR-Max-Ernst-Schule hat zum Ziel, Kinder mit einer Hörschädigung oder einem besonderen sprachlichen Unterstützungsbedarf in ihrer Familie sowie in den besuchten vorschulischen Einrichtungen zu begleiten.

Wir betrachten jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit. Gemeinsam mit Ihnen als Eltern blicken wir auf die Stärken und Kompetenzen Ihres Kindes. Wir fördern die Hör- und Sprachentwicklung, unterstützen den selbstständigen Umgang mit Hörhilfen und beraten die Fachkräfte in den Kindertagesstätten.

Unser Angebot ist für Sie kostenlos und es wird kein ärztliches Rezept benötigt.

An wen richtet sich unser Angebot?

Unsere Frühförderung richtet sich an Kinder ab der Geburt bis zum offiziellen Schuleintritt. Unser Einzugsgebiet umfasst den gesamten Kreis Euskirchen sowie den linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises (die Gemeinden Swistal, Rheinbach, Meckenheim und Wachtberg).

Wir begleiten Sie, wenn Ihr Kind:

  • schwerhörig oder gehörlos ist (unabhängig davon, ob ein Cochlea-Implantat vorliegt oder geplant ist)
  • beim Neugeborenenhörscreening auffällig war
  • aufgrund häufiger Mittelohrentzündungen Verzögerungen in der Sprachentwicklung zeigt
  • eine Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) aufweist
  • hörend ist, Sie als Eltern jedoch gehörlos oder hörgeschädigt sind (sogenannte CODA-Kinder)

Wo findet die Frühförderung statt?

Umfang und Häufigkeit der Frühförderung richten sich nach dem jeweiligen Bedarf. Im Regelfall findet die Förderung einmal wöchentlich an folgenden Orten statt:

  • bei Ihnen zu Hause, im vertrauten familiären Umfeld oder bei der Tagesmutter
  • in der Kindertagesstätte, direkt vor Ort im allgemeinen Kindergarten, in integrativen oder heilpädagogischen Einrichtungen.
  • in unserer Beratungsstelle in den eigens eingerichteten Frühförderräumen der LVR-Max-Ernst-Schule in Euskirchen

Das Team der Frühförderung

Beratung und Förderung von CODA-Kindern

Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit ist die Begleitung von hörenden Kindern gehörloser Eltern. CODA steht für Children Of Deaf Adults, auf deutsch: Kinder gehörloser Erwachsener. Je nach Aufnahmealter kann diese Begleitung ein bis sechs Jahre andauern. Sie orientiert sich flexibel an der individuellen Lebenssituation und kann nach Pausen jederzeit wieder aufgenommen werden.

Unterstützung in wichtigen Übergangsphasen

Der zeitliche Umfang und der Einsatzort werden eng mit Ihnen abgestimmt. Häufig findet die Förderung primär im gewohnten häuslichen Umfeld und begleitend in größeren Abständen in der Kindertagesstätte statt. Die Beratung konzentriert sich dabei auf die drei wichtigsten Übergangsphasen im Leben Ihres Kindes:

  • erste Lebensjahr: Wir begleiten Sie beim Bindungsaufbau, der frühen Kommunikation und der sprachlichen Interaktion im Alltag.
  • Eintritt in den Kindergarten: Wir unterstützen bei der sozialen Integration und beraten Erzieher*innen zur familiären Kommunikationssituation.
  • Schuleintritt: Wir beraten zum passenden Förderort, bereiten Kinder und Eltern auf die neuen sprachlichen Anforderungen vor und begleiten den Übergang zur Schule.

Unsere Kernbereiche im Überblick

Unsere Förderung basiert auf einem individuellen Förderplan, der für jedes Schuljahr neu erstellt wird. Sie umfasst drei wesentliche Säulen:

1. Förderung der Kinder

  • Stärkung der auditiven Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit
  • Förderung des Sprachverständnisses und der Sprachentwicklung auf allen Ebenen (Wortschatz, Satzbau und Aussprache)
  • Vermittlung von Hörtaktiken im Alltag
  • Aufbau und Stärkung eines positiven Selbstbildes durch das spielerische Lernen

2. Unterstützung der Familien

  • umfassende Informationen zur Hörbeeinträchtigung und zu den jeweiligen Hörhilfen (Hörgeräte, Cochlea-Implantat)
  • Aufklärung über gesetzliche und finanzielle Hilfsmöglichkeiten
  • Beratung zu günstigen akustischen und kommunikativen Rahmenbedingungen zu Hause
  • Begleitung zu wichtigen medizinischen Terminen, beispielsweise in Hals-Nasen-Ohren-Kliniken oder Cochlea-Implantat-Zentren

3. Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Für eine ganzheitliche Förderung arbeiten wir eng mit weiteren Fachkräften zusammen. Dazu gehören Hals-Nasen-Ohren-Ärzt*innen, Pädaudiolog*innen, Akustiker*innen, therapeutische Praxen sowie die Sozialpädiatrischen Zentren, Jugendämter und Gesundheitsämter. Auf Wunsch nehmen wir auch an Entwicklungs- oder Hilfeplangesprächen im Kindergarten teil.

Spezialisierte Unterstützung für hörsehgeschädigte und taubblinde Kinder

Unsere Frühförderung begleitet auch Kinder mit einer kombinierten Hör- und Sehschädigung oder Taubblindheit. Da hier beide Hauptsinne betroffen sind, entwickeln wir Schritt für Schritt maßgeschneiderte, oft visuell-taktile Kommunikationswege.

Auch hier bieten wir unsere Unterstützung sowohl zu Hause an als auch in der integrativen Kindertagesstätte zum Beispiel im Förderschul-Kindergarten der LVR-Max-Ernst-Schule.

Hauptziel ist es, erste kommunikativ-sprachliche Kompetenzen anzubahnen und zu festigen. Dabei spielen Sie als Eltern und engste Bezugspersonen die entscheidende Rolle. Wir beraten und unterstützen Sie intensiv, da ein individueller Kommunikationsweg nur dann gelingt, wenn alle Beteiligten gemeinsam handeln.

Regelmäßige Gruppenangebote und Veranstaltungen

Der Austausch mit anderen Betroffenen stärkt die eigene Kompetenz. Daher bieten wir regelmäßige Gruppenangebote in unseren Räumlichkeiten an:

  • Käuzchenclub: ein Spielangebot für Familien mit Kindern bis zu 3 Jahren
  • Eulentreffen: ein Spielangebot für Familien mit Kindern ab 3 Jahren
  • Cochlea-Implantat-Nachmittage: ein spezialisiertes Angebot für Kinder mit einem Cochlea-Implantat und deren Familien
  • Familiennachmittage: Viermal jährlich laden wir alle Frühförderfamilien zu jahreszeitlich gestalteten Nachmittagen ein. Diese Treffen finden in der Schule, im Wald, auf Spielplätzen oder in Tierparks statt und bieten viel Raum für den Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern.

Veranstaltungen für Erzieher*innen

Wir bieten in unseren Räumen regelmäßig Informationsveranstaltungen für Erzieher*innen rund um das Thema Hören an.

Anmeldung zur Frühförderung

Wenn Sie Kontakt zu uns aufnehmen möchten, können Sie sich telefonisch an uns oder an das Schulsekretariat wenden. Außerhalb der Sprechzeiten hinterlassen Sie bitte eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Das weitere Verfahren läuft wie folgt ab:

  • Terminvereinarung: Wir vereinbaren einen Termin für das Erstgespräch.
  • Erstgespräch: Wir besuchen Sie zu Hause oder empfangen Sie in unserer Beratungsstelle. Gemeinsam sprechen wir über Ihre Wünsche, klären die Anamnese und sichten vorhandene medizinische Berichte.
  • Antrag stellen: Wenn Sie möchten, füllen wir beim Erstgespräch gemeinsam den Antrag auf Aufnahme in die Frühförderung aus. Die Teilnahme ist für Sie absolut freiwillig.
  • pädagogische Stellungnahme: Die zuständige Frühförderin verfasst eine pädagogische Stellungnahme und leitet die Unterlagen über das Schulsekretariat an die Bezirksregierung Köln weiter.
  • Genehmigung: Die Bezirksregierung Köln prüft die Unterlagen und genehmigt die kostenfreien Frühfördermaßnahmen, die dann bis zum Schuleintritt Ihres Kindes laufen können.

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