Weitere Förderangebote

Zu unserer Schulgemeinschaft gehören ausdrücklich auch Kinder und Jugendliche mit mehrfachen Behinderungen, darunter Kinder mit einer kombinierten Hör- und Sehschädigung, Taubblindheit oder Autismus.

Ein Junge im Rollstuhl und mit einer starken Brille sortiert Lego-Duplo-Steine in verschiedenfarbige Plastikschalen

Individuelle Begleitung bei komplexen Bedarfen

Jedes Kind lernt anders. Neben unserem Kernfokus, dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation unterstützen wir Schüler*innen mit hochspezialisierten Angeboten bei Hörsehbehinderung und Taubblindheit, im Autismus-Spektrum (TEACCH) sowie bei komplexen Mehrfachbehinderungen auf ihrem Weg zu maximaler Selbstständigkeit. Um die Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu fördern, sind unsere therapeutischen Angebote eng mit dem Unterricht verzahnt.

Förderung bei Hörsehbehinderung und Taubblindheit

An der LVR-Max-Ernst-Schule heißen wir Vielfalt willkommen. Bei uns lernen auch Kinder und Jugendliche, die von einer kombinierten Hör- und Sehschädigung (Hörsehbehinderung) oder von Taubblindheit betroffen sind. Diese doppelte Sinnesbeeinträchtigung ist eine komplexe Herausforderung, die eine besonders intensive, feinfühlige und hochspezialisierte pädagogische Begleitung erfordert.

Schulstart und starkes Miteinander

Ab einem Alter von sechs Jahren können hörsehgeschädigte und taubblinde Kinder an der LVR-Max-Ernst-Schule eingeschult werden.

  • Geborgen in kleinen Klassen: Die Förderung findet in der Regel gemeinsam mit altersgleichen Kindern in kleinen, überschaubaren Klassengemeinschaften statt.
  • Teil der Gemeinschaft sein: Ein zentrales Anliegen unserer Arbeit ist es, dass sich diese Schüler*innen als fester, wertvoller Teil der Gemeinschaft erleben. Durch das gemeinsame Lernen und Leben im Schulalltag stärken wir ihr soziales Miteinander und verhelfen ihnen zu einem hohen Maß an autonomem, selbstständigem Handeln.

Ganzheitliche Diagnostik und individuelle Förderpläne

Weil jede*r hörsehbehinderte Jugendliche völlig andere Voraussetzungen und Vorerfahrungen mitbringt, gleicht kein Förderweg dem anderen.

  • Verlaufsorientierte Diagnostik: Zu Beginn sowie fortlaufend im Laufe der Schuljahre nutzen wir ein breites Spektrum diagnostischer Maßnahmen. So erhalten wir ein präzises Bild über die individuellen Wahrnehmungs- und Entwicklungsmöglichkeiten jedes Kindes.
  • Der maßgeschneiderte Förderplan: Auf Basis dieser Ergebnisse erstellen wir für alle Schüler*innen einen ganz persönlichen Förderplan. Im Rahmen regelmäßiger Förderkonferenzen evaluieren wir die vereinbarten Ziele im Team und passen sie flexibel an die aktuellen Fortschritte des Kindes an.

Konstante Betreuung im multidisziplinären Fachteam

Die hochspezifische Förderung liegt bei uns in den Händen eines festen, interdisziplinären Teams. Uns ist personelle Konstanz enorm wichtig, damit die Kinder feste Bezugspersonen haben, Sicherheit spüren und stabiles Vertrauen aufbauen können.

Das Team setzt sich je nach individuellem Bedarf flexibel zusammen aus:

  • Lehrkräften für Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Hören & Kommunikation
  • Integrationshelfer*innen für die direkte Unterstützung und Begleitung im Schulalltag
  • Physio- und Ergotherapeut*innen aus unserem schulinternen Therapieteam
  • Medizinisch-pflegerischem Personal bei zusätzlichen gesundheitlichen Bedarfen
  • Bezugserzieher*innen des Internats sofern das Kind unser schuleigenes Internat besucht

Das Herzstück unserer Arbeit: Kommunikation anbahnen

Jeder Mensch möchte sich mitteilen: Wir gehen von der festen Grundannahme aus, dass alle hörsehgeschädigten und taubblinden Kinder und Jugendlichen das tiefe menschliche Bedürfnis nach sprachlich-kommunikativer Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt teilen.

Da der klassische Weg über das Hören und Sehen stark eingeschränkt oder nicht möglich ist, nutzen die Jugendlichen ganz eigene, oft körpernahe oder visuell-taktile Wege, um Kontakt aufzunehmen. Für das gesamte Fachteam gilt es hierbei, selbst feinste ausgehende Signale des Kindes sensibel zu erkennen, richtig zu verstehen und prompt darauf zu reagieren. Die feinfühlige Anbahnung und der geduldige Ausbau dieser individuellen Kommunikationsfähigkeit ist das absolute Herzstück unserer täglichen Arbeit.

Spezifische Förderung bei Autismus-Spektrum-Störungen

Schüler*innen aus dem Autismus-Spektrum begleiten wir feinfühlig und kompetent im Unterricht und Schulalltag. Um ihnen die bestmöglichen Lernbedingungen zu bieten, setzen wir erfolgreich auf den TEACCH-Ansatz (Treatment and Education of Autistic and Related Communication Handicapped Children). Dieses pädagogische Konzept basiert auf einer konsequenten Strukturierung und Visualisierung von Räumen, Zeitabläufen und Arbeitsmaterialien.

Warum TEACCH so wirksam unterstützt

Menschen im Autismus-Spektrum nehmen ihre Umwelt oft als Reizüberflutung wahr. Soziale Situationen und plötzliche Veränderungen verunsichern sie schnell. TEACCH fängt dies auf, indem es den Alltag durch visuelle Pläne, klare Raumaufteilungen und eindeutige Schritt-für-Schritt-Anleitungen vorhersehbar und begreifbar macht.

Diese feste äußere Struktur gibt den Kindern und Jugendlichen emotionale Sicherheit, baut nachweislich Stress sowie Ängste ab und hilft ihnen dabei, sich trotz kommunikativer Barrieren im Schulalltag zu orientieren. Auf diese Weise fördert der TEACCH-Ansatz ganz gezielt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ermöglicht den Schüler*innen ein hohes Maß an Autonomie und selbstständigem Handeln.

Unterstützte Kommunikation (UK)

Kommunikation ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Schüler*innen, die nicht oder nicht verständlich sprechen, erhalten an unserer Schule gezielte Unterstützung im Bereich der Unterstützten Kommunikation (UK). Ziel ist es, eine erhebliche Verbesserung ihrer Verständigung zu erreichen und so die gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.

Der Förderansatz der Unterstützten Kommunikation ermöglicht:

  • selbstständig Kontakt zur Umgebung aufzunehmen
  • Bedürfnisse zu äußern
  • von Erlebnissen und Eindrücken zu erzählen
  • Gefühle auszudrücken

Dies geschieht durch den Einsatz von:

  • körpereigenen Ausdrucksformen: Blickbewegungen, Gesten und Gebärden, Mimik, Körperspannung
  • nicht-elektronischen Hilfen: Bildkarten, Kommunikationstafeln
  • elektronischen Hilfsmitteln: Sprachausgabegeräte, Sprachcomputer (Talker), Augensteuerung, Taster

Unterstützte Kommunikation ist Bestandteil des Unterrichts. Viele Schüler*innen benötigen zusätzliche Einzelförderung oder Förderung in Kleingruppen.

Ganzheitliche Förderung bei komplexen Mehrfachbehinderungen

An der LVR-Max-Ernst-Schule richten wir den Blick auf jedes Kind in seiner absoluten Ganzheitlichkeit. Daher gehört auch die Förderung von Schüler*innen mit komplexen oder schweren Mehrfachbehinderungen fest zu unserem pädagogischen Alltag. Um diesen Kindern, die oft elementare Einschränkungen in ihrer Bewegung, Wahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit erleben, verlässliche Brücken zu ihrer Umwelt zu bauen, setzen wir schwerpunktmäßig auf basale Förderangebote (wie die Basale Stimulation).

Wie basale Angebote unterstützen

Wenn der klassische Zugang zur Welt über das Hören, Sehen oder die Sprache kaum möglich ist, bildet der eigene Körper das wichtigste Fundament für Erfahrung und Kontakt. Basale Förderangebote setzen genau hier an: Durch gezielte somatische (Spüren über die Haut), vestibuläre (Erleben von Gleichgewicht und Bewegung) und vibratorische (Wahrnehmen von Schwingungen) Reize helfen sie den Schüler*innen, sich selbst überhaupt erst zu erfahren und Grenzen wahrzunehmen.

Körpernahe Wahrnehmung als Schlüssel zur Kommunikation

Diese elementaren Reize schenken den Kindern und Jugendlichen tiefe emotionale Sicherheit, bauen Stress ab und schaffen eine verlässliche Orientierung im Raum. Sie sind die absolute Basis für Wohlbefinden und Lebensqualität. Erst über diese körpernahe Wahrnehmung wird es unserem Fachteam möglich, in einen feinfühligen, nonverbalen Dialog mit den Kindern zu treten, ihre Signale zu verstehen und sie in ihrer individuellen Entwicklung optimal zu begleiten.