Der MiQua-Bauzaun

Ein Bauzaun in schwarz und gold rund um eine Baustelle.  Auf dem Bauzaun sind historische Objekte und Ausgrabungsfunde zu sehen.

Gut gegeben

Der Bankier Abraham Oppenheim (1804–1878), ab 1868 Freiherr von Oppenheim, war Förderer seiner Heimatstadt Köln und ein Motor der rheinischen Industrialisierung. So war er maßgeblich am Ausbau der Rheinischen Eisenbahn beteiligt und finanzierte die Synagoge in der Glockengasse.

Er nutzte sein Ansehen, um sich für die Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung in Preußen einzusetzen. Gemeinsam mit seinem Bruder Simon wandte er sich 1841 direkt an den König und forderte eine Gleichstellung aller, unabhängig vom Glauben. Doch erst 30 Jahre später wurde dieser Forderung stattgegeben.

Diese Darstellung Abraham von Oppenheims gehört zu den zahlreichen Figuren am Kölner Rathausturm. Dort sind wichtige Persönlichkeiten sowie Heilige und Schutzpatrone Kölns zu sehen.

Well given

Abraham von Oppenheim, sculpture created by Michael Eichhorn, 2008

Banker Abraham Oppenheim (1804–1878), after 1868 Freiherr von Oppenheim, was a sponsor of his home city of Cologne as well as a motor of Rhenish industrialisation. He was involved substantially in the expansion of the Rhenish Railway and funded the synagogue on Glockengasse. He utilised his prestige to promote equal rights for the Jewish population in Prussia. Together with his brother Simon, he applied directly to the king in 1841 and demanded equality for everyone, regardless of their faith. Only 30 years later, however, this request was granted.

This statue of Abraham von Oppenheim is one of the many sculptures that grace the tower of Cologne City Hall. Important personalities as well as saints and patrons of Cologne are represented there.

Zwei Engel für das Stadtwappen

Die ehemalige Synagoge wurde nach der Ausweisung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1424 in eine neue Ratskapelle umgewandelt. Um vom Rathausplatz zum Hof der Kapelle zu gelangen, musste man durch ein Portal gehen. Darüber war ein bogenförmiges Giebelfeld mit einem Relief angebracht, ein sogenanntes Tympanon. Das hier ausgestellte Tympanon ist die im 19. Jahrhundert angebrachte Kopie eines Originals aus dem 15. Jahrhundert: Zwei Engel halten das Kölner Stadtwappen.

Two angels for the municipal coat of arms

Pediment above the door to the courtyard of the council chapel, 1881

The former synagogue was converted into a new council chapel after the expulsion of the Jewish community in 1424. Anyone walking from the Rathausplatz to the courtyard of the city council’s chapel had to pass through a portal. Above it, a relief was installed in the arched field, a so-called tympanum. The tympanum on display here is the nineteenth-century copy of the original from the fifteenth century: two angels holding the coat of arms of Cologne.

Gut gewandet

Vorderseite einer Bügelfibel, Bronze, sechste Jahrhundert

Diese mit Kerbschnittdekor versehene Gewandspange, eine sogenannte Bügelfibel, zierte in der Merowingerzeit das Kleid einer Frau. Das Schmuckstück wurde unter den mittelalterlichen Kellern im Süden des Praetoriums gefunden.

Well Dressed

Merovingian Garment Clasp

Front of a Bow Brooch, Bronze, 6th Century

This garment clasp, provided with notched decoration, adorned a woman's dress during the Merovingian period. The piece was found beneath the medieval cellars in the southern part of the Praetorium.

Tiefer Fall

Einer der kostbarsten Funde aus dem Archäologischen Quartier stammt ausgerechnet aus einer Latrine oder Abfallgrube: ein reich mit Perlen besetzter goldener Ohrring. Im zehnten oder elften Jahrhundert schmückte er vermutlich eine wohlhabende Frau.

Die Frage, wie das wertvolle Stück in die Latrine gelangte, regt die Fantasie an. Ein Blick auf den Zusammenhang gibt vielleicht Hinweise: Die anderen Funde aus der Latrine sind alle wesentlich jünger. Der Ohrring war vermutlich schon mehrere hundert Jahre alt, als er in die Toilettengrube fiel. Vielleicht rutschte er aus einem Beutel, den der Besitzer am Gürtel trug. Zu diesem Zeitpunkt diente er auch nicht mehr als Schmuckstück. Denn als er gefunden wurde, war er zu einem Klumpen zusammengebogen.

Gut denkbar ist, dass ein Goldschmied ihn auseinandernehmen und das Gold, die Perlen sowie die Steine in einem anderen Schmuckstück wiederverwenden wollte. Der Verlust des teuren Materials war bestimmt ärgerlich.

Deep Fall

Golden Earring, 10/11th Century

One of the most precious finds from the Archaeological Quarter came from a latrine or rubbish pit of all places: a golden earring richly set with pearls. In the tenth or eleventh century, it probably adorned the ear of a wealthy woman.

The question how the valuable piece turned up in a cesspit is one to stimulate the imagination. A look at the accompanying finds might provide a clue: all the other objects from the latrine are considerably younger. The earring probably was already several hundred years old when it fell into the toilet pit. Perhaps it slipped out of a bag that its owner wore on their belt. At this moment it had not been used as a piece of jewellery anymore; for on its discovery, it was squashed into a shapeless lump.

It is easily conceivable that a goldsmith had intended to take it apart and re-use the gold, the pearls, and the gemstones for a new piece of jewellery. There is no doubt that the loss of the valuable material was painful.

Schöner Beten

Während der Ausgrabungen wurden zahlreiche Bruchstücke kleiner Architekturteile geborgen. Wahrscheinlich stammen sie aus der Synagoge. Sie gehörten zu doppelbogigen Fenstern, die in der romanischen Kunstepoche beliebt waren – auch in Kirchen und Wohnbauten.

Alle Stücke sind aus Kalksinter gefertigt. Dabei handelt es sich um einen besonders schönen Stein, der aus den Kalkablagerungen in der römischen Wasserleitung aus der Eifel gewonnen wurde. Wenn man ihn poliert, wirkt seine Maserung wie Marmor.

Praying with a beautiful view

Middle Part of a synagogue‘s window from the 12th century

During the excavations, numerous fragments of small architectural elements were recovered. They probably came from the synagogue. They were parts of double-arched windows that were popular in Romanesque architecture – including in churches and residential houses.

All these pieces are made of calcareous sinter, an attractive, marble-like stone that was obtained from the limescale deposits in the Roman aqueduct leading down from the Eifel.

When polished, its grain resembles marble.

Die Hüterin des Wissens

Reliefverzierter Edelstein (Karneol), 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr.

Die Büste der römischen Göttin der Weisheit, Minerva, trägt einen zurückgeschobenen korinthischen Helm. Im Nacken ist langes Haar durch drei Schrägschnitte und einen abschließenden senkrechten Schnitt mit Endlocken angegeben.

Der Gemmenschneider hat dem Gesicht klassische harte Züge verliehen: Eine gerade Stirn-Nasenlinie, die lange, nach unten gezogene Nase, ein großes Auge (mit einem kleinen Längsschnitt als Pupille) unter schräg abfallender Braue, vollen, leicht geöffneten Lippen und einem schmalen Hals. Die Büste ist mit einem Peplos, einem langen Frauenkleid nach griechischer Mode, bekleidet, sie umfasst ein Stück der nackten Schulter.

Roman Gem with Head of Minerva

Relief-decorated gemstone (carnelian), 1st or 2nd century AD.

The bust of the Roman goddess of wisdom, Minerva, wears a pushed-back Corinthian helmet. Long hair is indicated at the nape of the neck by three diagonal cuts and a final vertical cut with terminal curls.

The gem cutter has given the face classically hard features: a straight forehead-nose line, a long, downward-turned nose, a large eye (with a small longitudinal cut serving as a pupil) beneath a sloping brow, full, slightly parted lips, and a narrow neck. The bust is dressed in a peplos, a long female dress in the Greek style, which includes a portion of the bare shoulder.

Jag‘ den Has

Vielleicht zierte der kleeblattförmige Beschlag ein Kleidungsstück oder den Deckel eines Buchs. Vielleicht war das dargestellte Jagdmotiv eine Anspielung an den adligen Lebensstil, aber vielleicht hatte es auch noch eine tiefere symbolische Bedeutung: In jüdischem Kontext kann der gehetzte Hase auch für die Verfolgung der Juden und Jüdinnen stehen. Es ist bezeichnend, dass der durch Feuer beschädigte Beschlag aus dem Brandschutt des sogenannten Pestpogroms von 1349 stammt.

Gleichzeitig ist „Jag den Has“ auch eine Eselsbrücke, denn auf Hebräisch, steht die Abkürzung J – K – N – H – S für die Reihenfolge der Segenssprüche, wenn der Ausgang des Schabbat auf den Beginn eines Feiertages fällt.

Jag‘ den Has

Silver mount, before 1349

The trefoiled mount may have adorned an item of clothing or the cover of a book. Perhaps the hunting motif depicted was a reference to the aristocratic lifestyle, but perhaps it also had a deeper symbolic meaning: in a Jewish context, the hunted hare can also symbolise the persecution of Jews. It is significant that the fire-damaged piece comes from the debris of the so-called plague pogrom of 1349.

At the same time, the German „Jag den Has“ (‘Hunt the Hare’) is also a mnemonic, because in Hebrew, the abbreviation J - K - N - H - S stands for the order of blessings when the end of Shabbat falls at the beginning of a holiday.

Halver Hahn?

Wussten Sie, woher der Zapfhahn seinen Namen hat? Im Mittelalter waren die Griffe derselben häufig in der Gestalt eines Hahns gestaltet.

Dieses Exemplar stammt aus der Latrine eines Hauses neben der Synagoge und zierte vielleicht ein kleines Wein- oder Bierfass. Im jüdischen Viertel finden sich Brauer seit dem 14. Jahrhundert mehrfach in den schriftlichen Quellen. Doch könnte das kleine Fass theoretisch in jedem Haushalt gestanden haben.

Halver Hahn?

Tap, around 1400

Did you know why taps are also called cocks? In the Middle Ages, the handles were often shaped like a cock.This example comes from the latrine of a house next to the synagogue and may have adorned a small wine or beer barrel. In the Jewish quarter, brewers have been mentioned several times in written sources since the 14th century. However, the small barrel could theoretically have been in every household.

Pfennigsartikel

Im Mittelalter waren Glücksspiele sehr beliebt. Vielleicht sind die Funde von Würfeln im Viertel deshalb so zahlreich. Doch gibt es auch andere Erklärungen. So fand man während der archäologischen Ausgrabungen auch Werkstattabfall und halbfertige Würfel. Das ist ein Hinweis auf jüdische Würfelmacher.

Jüdische Reisende mussten auf dem Rhein an den Zollstellen der Erzbischöfe von Trier und Mainz spätestens ab 1378 als speziellen Zoll drei Würfel abgeben. Dies war eine judenfeindliche Schikane: Nach christlichem Glauben würfelten Soldaten bei der Kreuzigung um die Kleidung Jesu. Da man die Juden für seinen Tod verantwortlich machte, sollte der Zoll daran erinnern.

Cheap Goods

Game dice, medieval

In the Middle Ages, gambling was popular. Perhaps this is the reason why dice were found so frequently in the quarter. But there are other explanations. During the archaeological excavations, for example, workshop waste and unfinished dice were discovered. This is suggestive of Jewish die makers.

From 1378 at the latest, Jews travelling on the Rhine were obligated at the customs offices of the archbishops of Trier and Mainz to pay a special customs duty in the form of three dice. This was an anti-Jewish chicanery: according to Christian faith, soldiers at the crucifixion threw dice for Jesus’ clothes; as the Jews were held responsible for his death, this toll was intended to remind them of it.

Kölner Meister

Fritz Deutsch (1921–1990) wurde 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Die Todesmärsche von dort am Ende des Krieges überlebte er nur knapp. Schwer gezeichnet kehrte er nach Köln zurück. Hier erlernte er die Goldschmiedekunst von Elisabeth Treskow. Die Arbeit als Goldschmied half ihm, wieder Fuß zu fassen. Von 1963 bis 1966 war er Fachlehrer für Goldschmiedekunst an den Kölner Werkschulen. Er verewigte sich mit prominenten Stücken, wie durch die Mitarbeit an der Bürgermeisterkette und der Deutschen Meisterschale des DFB. Zur Einweihung der wiederaufgebauten Synagogen in der Roonstraße fertigte er fünf Sets von Tora-Schmuck bestehend aus Kronen, Zeiger und Schildern.

Cologne champions

German championship trophy

Fritz Deutsch (1921-1990) was deported to the Auschwitz concentration camp in 1943. He barely survived the death marches from there at the end of the war. He returned to Cologne badly scarred. Here he learned the art of goldsmithing from Elisabeth Treskow. Working as a goldsmith helped him regain his footing. From 1963 to 1966, he taught goldsmithing at the Cologne Werkschulen. He immortalised himself with prominent pieces, such as his work on the mayor's chain and the German championship trophy. For the inauguration of the rebuilt synagogue in Roonstraße, he created five sets of Torah ornaments consisting of crowns, pointers and shields.

Edler Stein

Reliefverzierter Edelstein (Onyx), 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr.

Flott und routiniert hat ein Gemmenschneider hier eine schwebende Siegesgöttin Victoria entworfen. Sie hält in der vorgestreckten linken Hand einen Kranz, von dem Bindebänder herabhängen. Auf der rechten Schulter trägt sie einen großen Palmzweig. Das Haar ist hoch auf dem Kopf zu einem kleinen Knoten gefasst. Im Schweben weht der Gewandsaum nach hinten und nach vorn, die Füße sind nach unten gestreckt.

Precious Stone

Cameo with Victoria, the Roman Goddess of Victory

Relief-decorated gemstone (onyx), 1st or 2nd century AD.

A deft and skilled cameo cutter has designed a floating goddess of victory: Victoria. She holds a wreath in her outstretched left hand, from which ribbons hang. She carries a large palm branch on her right shoulder. Her hair is tied high on her head in a small knot. As she floats, the hem of her robe flutters back and forth, and her feet are stretched out.

Weihestein des Genialinius Gemmatus

Gefunden am Alter Markt, auf Höhe der Rathaustreppe, Kalkstein, erste Hälfte 3. Jahrhundert

Zum Dank für erwiesenen göttlichen Beistand setzen die Menschen römischen Göttern Weihesteine. Die Inschrift nutzte platzsparend gängige Abkürzungen:
I(ovi) • O(ptimo) • M(aximo)
Conservato
ri Genialiniu(s)
Gemmatus
[…]atarius • co(nsularis)
• v(otum) • s(olvit) • l(ibens) •

Für Jupiter, den Besten und Größten,
den Bewahrer, (weihte
diesen Altar) Genialinius
Gemmatus,
[…]atarius des Statthalters,
und erfüllte sein Gelübde gern.

Durch die fehlenden Buchstaben vor „[…]atarius“ ist nicht klar ersichtlich, welchen Beruf der Weihende im Dienste des Statthalters ausgeübt hat.

Möglicherweise war er ein Entenjäger oder ein mit der Sorge um die Enten Beauftragter (anatarius), ein Schwertträger (spatarius) oder ein Schauspieler (statarius).

Dedication Stone of Genialinius Gemmatus

Roman Inscription Stone

Found at the Alter Markt, at the level of the town hall steps, limestone, first half of the 3rd century

People placed dedication stones to Roman gods in thanks for divine assistance. The inscription used common abbreviations to save space:

I(ovi) • O(ptimo) • M(aximo)

Conservato

ri Genialiniu(s)

Gemmatus

[…]atarius • co(nsularis)

• v(otum) • s(olvit) • l(ibens) •

To Jupiter, the best and greatest,

the preserver, (dedicated

this altar) Genialinius

Gemmatus,

[…]atarius of the governor,

and gladly fulfilled his vote.

Due to the missing letters before "[...]atarius," it is unclear what profession the consecrated person pursued in the governor's service.

He may have been a duck hunter or someone in charge of the care of the ducks (anatarius), a sword bearer (spatarius), or an actor (statarius).

Bauer aus Kristall

Gemessen an der Zahl der Funde von Spielsteinen, gab es im mittelalterlichen jüdischen Viertel viele leidenschaftliche Schachspieler. Das Aussehen der Spielfiguren unterschied sich allerdings von dem der heutigen. Die meisten Figuren waren aus preisgünstigen Tierknochen hergestellt. Eine kostbare Figur aus Bergkristall fand jedoch aus dem heutigen Spanien oder vielleicht aus Ägypten ihren Weg nach Köln.

Soldaten und Reisende lernten das Schachspiel während der Kreuzzüge kennen. Zugleich verbreitete es sich ausgehend vom damals islamischen Spanien in Europa.

Pawn made of crystal

Chess piece, probably imported from Islamic Spain or Egypt, 10th/11th century

Judging by the number of gaming pieces found in the quarter, there were many avid chess players here. The appearance of the pieces is different from that of those we use today. Most were made of inexpensive animal bone, the ‘plastic of the Middle Ages’. But there also is a valuable gaming piece made of rock crystal that found its way to Cologne from what is now Spain or perhaps from Egypt.

Soldiers and travellers learned about chess during the crusades; at the same time, the game gained popularity in Europe, spreading from then Islamic Spain.

Feuerdrache

Für Licht sorgten im Mittelalter meist Lampen mit Brennmitteln aus Talg oder Öl. Teure Kerzen aus Bienenwachs wurden seltener verwendet.

Das Bruchstück des reich verzierten Kerzenleuchters stammt aus dem Keller eines Wohnhauses an der Judengasse. Der Leuchter mit dem Drachenfuß war ungefähr 200 Jahre alt und bereits eine Antiquität, als er 1349 während des sogenannten Pest-Pogroms zerstört wurde. Ähnliche Kerzenständer finden sich fast nur in Kirchenschätzen. Schriftquellen belegen, dass Mönche oder Priester ihre Kirchenschätze manchmal gegen Geld verpfändeten. Zierte der Leuchter also den Tisch des jüdischen Privathauses? Oder war er Pfandgut?

Fire dragon

Foot of a candlestick, 12th century

In the Middle Ages, light primarily was produced by lamps with fuels such as tallow or oil. Expensive candles made from beeswax were used sparingly.

The two fragments of richly-decorated candlesticks came from the cellar of a residential house. The candlestick with the dragon’s foot already was an antique when it was destroyed during the pogrom of 1349. Candlesticks such as these usually are almost exclusive to the treasuries of the Church. Written documents show that monks or priests occasionally pawned their church treasures to obtain cash. So did these candlesticks adorn the table of a private residence? Or were they pledged property?

Granat-Äpfel zum Schmuck

Tora-Aufsätze, hebräisch Rimmonim (Granat-Äpfel), werden als Verschönerung auf die beiden Stäbe der Tora-Rolle aufgesteckt. Ihre Glöckchen ertönen beim Tragen der Tora-Rollen durch die Synagoge.

Diese Aufsätze wurden in Nürnberg angefertigt, wo viele bedeutende Gold- und Silberschmiede tätig waren. Jüdische Ritualgegenstände stellten hier nichtjüdische Handwerker her – auch in der Zeit, in der Jüdinnen und Juden eine dauerhafte Ansiedlung in Nürnberg verboten war, zwischen 1499 und 1850.

Pomegranates to ornament

Torah finals (Rimmonim), Cologne City Museum, 2nd half of the 18th century

Torah finals, Rimmonim (pomegranates) in Hebrew, are placed on the two sticks of the Torah scroll as decoration. Their little bells sound when the Torah scrolls are carried through the synagogue.

These finals were made in Nuremberg, where many important goldsmiths and silversmiths were active. Non-Jewish craftsmen made Jewish ritual objects here - even during the period when Jews were forbidden to settle permanently in Nuremberg, between 1499 and 1850.

Weinlaub

Das detailliert gestaltete Architektur-Bruchstück mit der Darstellung eines Weinblattes stammt von der Bima, der Lesekanzel der mittelalterlichen Synagoge. Sie lag erhöht in der Mitte des Raumes. Von hier aus lasen die Männer der Gemeinde am Schabbat und an den Feiertagen aus der Tora, den fünf Büchern Mose, vor.

Die Kölner Bima war ein Highlight gotischer Architektur. Es waren vermutlich die Steinmetze der Kölner Dombauhütte, die sie in den Jahren nach 1270 für die jüdische Gemeinde schufen. Lebhafte Tier- und Pflanzendarstellungen schmückten die Bima in den kleinen Zwickeln und Winkeln. Durch diese reiche Ausschmückung wurde die zentrale Bedeutung für den Gottesdienst unterstrichen.

Vine Leaf

Architectural fragment of the synagogue reading pulpit, 13th century

This detailed architectural fragment depicting a vine leaf comes from the bima, the reading pulpit of the medieval synagogue. It was raised in the centre of the room. From here, the men of the congregation read from the Torah, the five books of Moses, on Shabbat and holidays.

The bimah was a highlight of Gothic architecture. It was probably created by the stonemasons of the Cologne cathedral masons’ lodge in the years after 1270. Vigorous depictions of animals and plants adorn the bimah in its small spandrels and corners. This rich decoration puts emphasis on the significance of the bimah for the religious service.

Amtshilfe der Dombauhütte

Das mit Eichenlaub verzierte Kapitell zierte eine Säule der Bima, der Lesekanzel der mittelalterlichen Synagoge. [PDT1] [SDJ2] Sie lag erhöht in der Mitte des Raumes. Von hier aus lasen die Männer der Gemeinde am Schabbat und an den Feiertagen aus der Tora, den fünf Büchern Mose, vor.

Die Kölner Bima war ein Highlight gotischer Architektur. Es waren vermutlich die Steinmetze der Kölner Dombauhütte, die sie in den Jahren nach 1270 für die jüdische Gemeinde schufen. Lebhafte Tier- und Pflanzendarstellungen schmückten die Bima in den kleinen Zwickeln und Winkeln. Durch diese reiche Ausschmückung wurde die zentrale Bedeutung für den Gottesdienst unterstrichen.

Support of Cologne cathedral’s stonemasons

Leaf capital of the synagogue pulpit, 13th century

The capital decorated with oak leaves adorned a pillar of the bima, the reading pulpit of the medieval synagogue. It was raised in the centre of the room. From here, the men of the congregation read from the Torah, the five books of Moses, on Shabbat and holidays.

The bimah was a highlight of Gothic architecture. It was probably created by the stonemasons of the Cologne cathedral masons’ lodge in the years after 1270. Vigorous depictions of animals and plants adorn the bimah in its small spandrels and corners. This rich decoration puts emphasis on the significance of the bimah for the religious service.

Zeugnis eines Infernos

Mehr als 1000 Bruchstücke von Kettenhemden mit einem Gesamtgewicht von rund 57 kg haben die Archäolog*innen im Brandschutt des so genannten Pest-Pogroms von 1349 gefunden. Alle sind sehr stark durch Feuer beschädigt. Während des Pogroms scheint es also zu sehr heftigen Bränden gekommen zu sein, denn stellenweise ist das Eisen sogar wieder geschmolzen.

Das Stück auf dem Foto könnte mit einem Gewicht von 13 kg zu einem vollständigen Kettenhemd gehört haben. Nicht sicher zu klären ist, ob es sich um ein im Haus eines Geldverleihers gelagertes Pfandgut handelt, oder ob das Stück aus jüdischem Privatbesitz stammt. Denn die Männer der jüdischen Gemeinde waren, wie auch die anderen Kölner Bürger, im Belagerungsfall an der Verteidigung der Stadtmauer beteiligt. Dazu benötigten sie Waffen und Rüstungen.

Evidence of an inferno

Chain mail, before 1349

Archaeologists have found more than 1000 fragments of chain mail weighing a total of around 57 kg in the debris from the so-called plague pogrom of 1349. All of them were severely damaged by fire. This means that there appear to have been very violent fires during the pogrom, as the iron even partly melted again.

With a weight of 13 kg, the piece in the photo could have belonged to a complete suit of chain mail. It is not clear whether it was a pledge stored in a moneylender's house or whether the piece came from private Jewish ownership. The men of the Jewish community, like the other citizens of Cologne, were involved in the defence of the city wall in the event of a siege. They needed weapons and armour for this.

Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner

Was hat der berühmte Altar der Stadtpatrone, der heute im Dom zu sehen ist, mit MiQua zu tun?

Ganz einfach, der Kölner Maler Stefan Lochner schuf diesen Altaraufsatz zwischen 1440 und 1445 für die Ratskapelle. Diese lag hier im Viertel. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts gelangte das Kunstwerk in den Kölner Dom.

Bei der 1943 zerstörten Ratskapelle handelte es sich um die vormalige Synagoge. Der Rat der Stadt Köln wies die jüdischen Familien im Jahr 1424 aus der Stadt aus. Dies bot ihm die Möglichkeit, die Synagoge in eine christliche Kapelle umzuwandeln.

Das hatte nicht nur einen praktischen Nutzen, sondern war auch ein symbolischer Akt: Er zeigte die vermeintliche Überlegenheit des Christentums über den jüdischen Glauben. Dafür steht auch die Wahl der Schutzheiligen der Kapelle: St. Maria in Jerusalem. An die Stelle des Tora-Schreins trat ein christlicher Altar. Dies war der Standort des berühmten Altarbildes. Die Innenseite zeigt in der Mitte Maria und Jesus Christus. Sie sind von den Kölner Stadtheiligen umgeben: den Heiligen Drei Königen, St. Ursula mit ihren Jungfrauen und St. Gereon.

Altar of the City Patron by Stefan Lochner

From the Cologne Town Hall Chapel, the former Synagogue, 15th Century

What does the famous altarpiece of the city’s patron, which is now located in the Cologne Cathedral, have to do with MiQua?

Quite simply, the Cologne painter Stefan Lochner created this altarpiece between 1440 and 1445 for the Town Hall Chapel, which was located in this quarter. It wasn’t until the beginning of the 19th century piece found ist way into the Cologne Cathedral.

The council chapel, destroyed in 1943, was the former synagogue. The Cologne City Council expelled the Jewish families from the city in 1424. This created the opportunity to convert the synagogue into a Christian chapel.

Not only for a practical purpose, but also as an symbolic act: It demonstrated the supposed superiority of Christianity over the Jewish faith. This is also reflected in the choice of the chapel's patron: St. Mary in Jerusalem. A Christian altar replaced the Torah shrine. This was the location of the famous altarpiece. The inside shows Mary and Jesus in the center, surrounded by Cologne’s city patron: the three holy kings, St. Ursula with her virgins and St. Gereon.

Für die Gemeinschaft

Als der Zentral-Dombau-Verein Kölns 1842 gegründet wurde, traten ihm fast alle Mitglieder der jüdischen Familie Oppenheim (später von Oppenheim) bei. Über 40 Jahre lang unterstützten sie finanziell das Großbauprojekt der sogenannten „kölschen Katholiken“. Die Oppenheims engagierten sich über die vier Jahrzehnte währende Fertigstellungszeit für dieses Kölner Projekt von nationalem Interesse. So trugen sie wesentlich zur erfolgreichen Vollendung bei.

For the community

View of the west façade of Cologne Cathedral by Sulpiz Boisserée, 1821

When Cologne's Zentral-Dombau-Verein (Central Cathedral Building Association) was founded in 1842, almost all members of the Jewish Oppenheim family (later von Oppenheim) joined. For over 40 years, they financially supported the major building project of the so-called ‘Cologne Catholics’. The Oppenheims were committed to this Cologne project of national interest throughout the four decades of its completion. They made a significant contribution to its successful completion.

Hier wohnte Hermann Hahn

Der jüdische Antiquitätenhändler Hermann Hahn (1874–1942) war ein Bewohner des Viertels. Der in Göttingen geborene Bankier lebte seit dem Ersten Weltkrieg in Köln und führte hier ein Antiquitätengeschäft. Als einer der bedeutendsten Kunsthändler der Domstadt stattete er 1928 den jüdischen Pavillon auf der Kölner Ausstellung Pressa mit Objekten aus.

Das Foto von 1938, das in Karlsbad aufgenommen wurde, zeigt Hermann Hahn, rechts, zusammen mit seinen Geschwistern und seiner Schwägerin. Er war der erste der drei Brüder der jüdischen Familie Hahn, der deportiert wurde. Trotz der Vorbereitungen seiner Schwester Rosa konnte er nicht mehr rechtzeitig nach Großbritannien fliehen. Von Köln wurde er im Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Unklar ist, ob er dort 1942 in Folge der unmenschlichen Lebensverhältnisse starb, oder ob er im Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) ermordet wurde.

Hermann Hahn lived here

Photograph from 1938, Hahn Collection

The Jewish antique dealer Hermann Hahn (1874-1942) was a resident of the quarter. Born in Göttingen, the banker had lived in Cologne since the First World War and ran a shop for antiques. As one of the most important art dealers, he provided the Jewish pavilion at the Cologne Pressa exhibition with objects in 1928.

The photo from 1938, which was taken in Karlsbad, shows Hermann Hahn, right, together with his siblings and his sister-in-law. He was the first of the three brothers of the Jewish Hahn family to be deported. Despite his sister Rosa's preparations, he was unable to flee to Great Britain in time. He was deported from Cologne to the Litzmannstadt ghetto (Łódź) in October 1941. It is unclear whether he died there in 1942 as a result of the inhumane living conditions or whether he was murdered in the Kulmhof (Chełmno) extermination camp.

Ante Portas

Modell eines Stadttores, Kalkstein, erstes bis viertes Jahrhundert n. Chr.

Das römerzeitliche Modell eines Stadttores wurde in einer mittelalterlichen Latrine ausgegraben. Es besitzt einen zweigeschossigen Mittelteil mit typisch römischem Ziegeldach und vorspringenden Türmen. Solche Modelle sind eine wichtige Informationsquelle für moderne Rekonstruktionen.

Zu welchem Zweck dieses Tor diente, ob als Spielzeug oder Baumodell, bleibt eine offene Frage.

Ante Portas

A small city gate

Model of a city gate, limestone, 1st to 4th century AD.

This Roman model of a city gate was excavated in a medieval latrine. It features a two-story central section with a typical Roman tiled roof and projecting towers. Such models are an important source of information for modern reconstructions.

The purpose of this gate, whether as a toy or as a model, remains an open question.

Glücksbotin

Kopf einer Statue der Göttin Fortuna, Kalkstein, römerzeitlich

Der Kopf stammt von einer kleinen Statue der beliebten römischen Göttin Fortuna, lateinisch für Glück. Sie war Garantin für das persönliche und öffentliche Glück, zum Beispiel bei der Ernte oder beim Transport von Getreide. Als Hinweis darauf ist Fortuna oft mit einem Füllhorn in der linken Hand dargestellt. Für das gute Gelingen beim Schiffstransport des Getreides hielt sie ein Steuerruder in der rechten Hand, ein Segel oder auch ein Rad.

Ganz im Allgemeinen hoffte man stets, dass Fortuna das Schicksal günstig beeinflussen würde. Das meinen wir auch heute noch, wenn wir von „Fortune“ sprechen und wenn etwas glücklich zu Ende gebracht werden kann.

Messenger of Good Luck

A Head for Good Luck

Head of a Statue of the Goddess Fortuna, Limestone, Roman Period

The head comes from a small statue of the popular Roman goddess Fortuna, Latin for good luck. She was the guarantor of personal and public good fortune, for example, during the harvest or in the transport of grain. As a reference to this, Fortuna is often depicted with a cornucopia in her left hand. For the success of the ship's transport of grain, she held a rudder, a sail, or even a wheel in her right hand.

In general, people always hoped that Fortuna would have a favorable influence on fate. This is what we still mean today when we speak of "fortune" and when something can be brought to a happy conclusion.

Namen, Namen, Namen

Die auf Schiefer geritzte Liste ist eine von nahezu 500 beschrifteten Schiefertafeln, die bei den Ausgrabungen am Kölner Rathausplatz zutage traten. Die meisten stammen aus dem Schutt des Pogroms von 1349. Einige sind in späteren Latrinen oder Abfallgruben erhalten geblieben.

Eigentlich handelt es sich um einfache Dachschieferplatten, die durch Einritzen als günstiges Schreibmaterial recycelt wurden. Die Schiefertafeln geben einen einzigartigen Einblick in den Alltag der Einwohnerinnen und Einwohner. Durch die Liste auf dem Foto lernen wir ihre Namen kennen. Sie sind so unterschiedlich wie die gesprochenen Sprachen. Auf Gottschalk und Gutchen hörten wohl nicht nur jüdische Menschen. Jakob und Pora stammen hingegen aus dem Hebräischen.

Anders als in offiziellen und religiösen Texten, in denen lediglich die hebräischen Namen der Personen zu finden sind, vermerkte man hier neben kleinen Geldbeträgen auch ihre alltäglichen Rufnamen. Einige sind durch Beinamen ergänzt: Marina beaufsichtigte vielleicht die Mikwe oder lebte nebenan, Kasser arbeitete als Bäcker.

Die Tafeln erzählen von kleinen Alltagsgeschäften und einem geordneten Miteinander. Für wenige Pfennige machten Frauen wie Männer vielleicht Geschäfte, Schulden, spendeten oder bezahlten Strafen.

Names, Names, Names

Slate tablet with list of names and small amounts of money, 14th century

This list, scratched into slate, is one of nearly 500 inscibed slate tablets uncovered during the excavations at the town hall square. Most of them were found in the debris left by the pogrom of 1349. Some have been preserved in later latrines or waste pits.

Actually these are simple roof slates that have been recycled as cheap wirting materials. The slates provide a unique insight into the everyday life of the local population. The list on the photo shows us some of their names. They are as different as the languages spoken. Apparently not only Jewish people answered to Gottschalk and Gutchen. Jacob and Pora, on the other hand, come from Hebrew.

Unlike official and religious texts, in which only the Hebrew names are found, the slates recorded everyday names, right next to small amounts of money. Some are pared by nicknames: Marina may have supervised the mikveh or lived next door, Kasser worked as a baker.

The slates tell stories of small, everyday transactions and a well-regulated coexistence. For a few pennies, women and men might have conducted business, paid off debts, donated money, or paid fines.

Edler Stein

Reliefverzierter Edelstein (Onyx), 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr.

Flott und routiniert hat ein Gemmenschneider hier eine schwebende Siegesgöttin Victoria entworfen. Sie hält in der vorgestreckten linken Hand einen Kranz, von dem Bindebänder herabhängen. Auf der rechten Schulter trägt sie einen großen Palmzweig. Das Haar ist hoch auf dem Kopf zu einem kleinen Knoten gefasst. Im Schweben weht der Gewandsaum nach hinten und nach vorn, die Füße sind nach unten gestreckt.

Precious Stone

Cameo with Victoria, the Roman Goddess of Victory

Relief-decorated gemstone (onyx), 1st or 2nd century AD.

A deft and skilled cameo cutter has designed a floating goddess of victory: Victoria. She holds a wreath in her outstretched left hand, from which ribbons hang. She carries a large palm branch on her right shoulder. Her hair is tied high on her head in a small knot. As she floats, the hem of her robe flutters back and forth, and her feet are stretched out.

Antikes Ice Bucket

Wasserspeier in Form eines Löwenkopfes, Kalkstein, 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr.

Dieser Teil eines römerzeitlichen Löwenkopfes aus Kalkstein wurde im Jahr 1953 während der Ausgrabungen im Praetorium gefunden. Er diente wahrscheinlich über ein nicht erhaltenes Rohr in der Schnauze als Wasserspeier.

Wo der spuckende Löwe im Palast angebracht war, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen.

Antique Ice Bucket

Spitting Lion

Gargoyle in the shape of a lion's head, limestone, 2nd or 3rd century AD.

This part of a Roman limestone lion's head was discovered during excavations in the Praetorium in 1953. It probably served as a gargoyle via a pipe in its snout that has not been preserved.

Where the spitting lion was placed in the palace is no longer known.

Wächter-Löwe

Der etwas verwirrt dreinblickende Löwe gibt den Archäolog*innen bis heute Rätsel auf. Er thront auf einem Beschlag, doch was war das für ein Objekt, dessen Ecke er zierte? Ein Buch, ein Kästchen oder vielleicht etwas ganz Anderes? Leider fanden sich hierfür bislang noch keine Vergleiche.

Stilistisch lässt er sich gut in die Epoche der Romanik, genauer in das 12. oder 13. Jahrhundert, einordnen. Als das Objekt, auf dem er befestigt war, während des Pogroms von 1349 zerstört wurde, war er also bereits eine Antiquität.

Guardian Lion

Fitting of a box or book, 12/13th century

The confused-looking lion is still puzzling archeologists today. It is mounted on a fitting, but on which object‘s corner was it attached? A book, a box, or maybe something entirely else? Unfortunately, no comparative pieces have been found so far.

Stylistically it belongs to the romanesque period, more precisely the 12th or 13th century. The object, it was attached to, was already an antique, when it was destroyed, during the porom of 1349.

Ritter aus Leidenschaft

Die kleine Reiterfigur aus bemaltem Zinn begleitete vermutlich einen ritterbegeisterten jüdischen Jungen auf seinen Fantasiereisen. Während des Pogroms von 1349 fanden diese Träume vermutlich ein jähes Ende. Die Figur gelangte in den Brandschutt.

Knight by Passion

Toy figure from the medieval Jewish Quarter, before 1349

The small painted horseman‘s tin figure probably accompanied a knight-loving Jewish boy on his imaginary journeys. These dreams came to an abrupt end, when the pogrom of 1349 took place. The figure ended up in the debbris of the fire.

Kölner Duft

Das Geschäft von Farina liegt seit mehr als 300 Jahren in der unmittelbaren Nachbarschaft. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts erfand Johann Maria Farina ein Duftwasser das als Eau de Cologne, Kölnisch Wasser, weltweite Berühmtheit erlangen sollte.

Bei den zwei grünlichen Flaschen handelt es sich um sogenannte Rosolien, in denen Farina das Eau de Cologne im 19. Jahrhundert abfüllte. Kaiser Napoleon I. ließ sogar Laschen an seinen Stiefeln anbringen, damit er stets zwei der begehrten Flaschen mit sich führen konnte.

Cologne Fragnance

Bottles of the original eau de Cologne by Farina, 19th century

The shop of perfumer Farina has been in the immediate neighbourhood for more than 300 years. At the beginning of the 18th century, Johann Maria Farina invented a perfume that became famous as eau de Cologne.

The two green bottles are so-called Rosoli flacons, which Farina used in the 19th century to bottle their Eau de Cologne. Emperor Napoleon I. even had special pockets in his boots to be able to carry two of the beloved bottles with him at all times.

Ausgerechnet

In einem ausgebrannten Kellerraum des Hauses Judengasse 5 lagerten zahlreiche Gegenstände einer Büroausstattung. Dazu gehörte auch diese Rechenmaschine.

Die meisten Häuser in Köln wurden während eines schweren Bombenangriffs in der St. Peter und Paul-Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1943 zerstört.

No more calculations

Mechanical calculator from the debris of the Second World War, destroyed in 1943

In a cellar room of the house on Judengasse 5, which was destroyed by fire, numerous items of office equipment had been stored; among them was this calculating machine.

Most of the houses in Cologne were destroyed during a severe air raid at the so called St. Peter and Paul’s Night, the night of 28 June 1943.

Amsterdam Machsor

Aus der reich verzierten Handschrift wurde in der Kölner Synagoge vor über 700 Jahren vorgelesen. Sie gilt als eines der ältesten noch erhaltenen hebräischen Manuskripte im deutschsprachigen Raum.

Ein Machsor enthält Gebete und liturgische Verse für die jüdischen Feiertage. Die Texte konnten sich im Mittelalter von Stadt zu Stadt unterscheiden. Der im Amsterdam Machsor festgehaltene Ritus ist derjenige der Gemeinde in Köln.

Zu sehen ist hier eine Seite mit dem Alenu Gebet. Es wird traditionell am Ende jedes Gottesdienstes gesprochen, darin geht es um die Vereinigung aller Menschen und Tikkun Olam, also die Heilung bzw. Reparatur der Welt. Die dargestellte Szene zeigt einen Chasan, also den Vorbeter und Kantor in der Synagoge, der in einen Gebetsschal gehüllt ist. Er trägt einen sogenannten Judenhut und singt aus einem geöffneten Gebetbuch.

Amsterdam Mahzor

Prayer book for the holidays, 13th century

This richly-decorated manuscript was read aloud in the Cologne synagogue over 700 years ago. It is considered to be one of the oldest surviving Hebrew manuscripts in the German-speaking world.

A mahzor contains prayers and liturgical verses for Jewish holidays. During the Middle Ages, the texts might differ regionally. The rite recorded here in the Amsterdam Mahzor is the one of the community in Cologne.

Here you can see a page with the Alenu prayer. It is traditionally recited at the end of every service and is about the unification of all people and Tikkun Olam, the healing or repair of the world. The scene depicted shows a chasan, i.e. the prayer leader and cantor in the synagogue, wrapped in a prayer shawl. He wears a so-called Jewish hat and sings from an open prayer book.

Treueprüfung

Literatur war für alle da: Im jüdischen Viertel erzählte man sich offenbar die gleichen höfischen und heroischen Geschichten wie bei den christlichen Nachbarn. Hinter den hebräischen Lettern, die in winzig kleiner Schrift auf die Tafel geritzt wurden, verbirgt sich eine Verserzählung. Drei Bruchstücke setzen sich zum ältesten erhaltenen literarischen Text in Altjiddisch zusammen. Die winzige Schrift erzählt von einem Ritter und einer schönen Frau – und deren eifersüchtigem Ehemann? Wie genau die verzwickte Geschichte abläuft, weiß niemand. Ein senkrechter Bruch schneidet Teile jedes Satzes ab.

Die Tafel ist eine von über 500 geritzten Tafeln, die die Archäolog*innen im mittelalterlichen jüdischen Viertel gefunden haben. Es handelt sich um Dachschieferplatten, die als günstiges Schreibmaterial recycelt wurden. Das hier erhaltene Fragment ist durch die Einwirkung von Hitze rot verfärbt: Es stammt aus dem Brandschutt des Pogroms von 1349.

Loyalty test

Slate tablet with knight's tale in Old Yiddish, before 1349

Literature was there for anyone who was able to read it: it appears that people in the Jewish quarter told the same courtly and heroic stories as their Christian neighbours. Behind the Hebrew letters of the inscription, there is a narrative in verse. Three fragments – discoloured red in the pogrom’s fires – can be reassembled to the oldest surviving text in ancient Yiddish. The tiny script tells the story of a knight and a beautiful woman – and her jealous husband? No-one knows the whole plot of this tricky story: a vertical break cuts off pieces of each and every line.

The tablet is one of over 500 carved tablets that the archaeologists have found in the medieval Jewish quarter. These are roof slates that were recycled as a cheap writing material. The fragment in hand is tinged red by severe heat: It was found in the debris of the pogrom of 1349.

Nur das Metall blieb erhalten

Der Beschlag war als Zierde und Schutz vor Abrieb im Zentrum eines Buchdeckels montiert. Leider verbrannte die kostbare Handschrift während des Pogroms von 1349. Daher zeugt nur noch der metallene Schmuck von ihrer Existenz.

All that remains is metal

Book fitting, before 1349

The fitting was attached to the centre of a book cover as decoration and protection against abrasion. Unfortunately, the precious manuscript was burnt during the pogrom of 1349, leaving only the metal decoration to bear witness to its existence.

Bruchstückhaft

Die archäologische Grabung brachte auch einige Teile von Steinen zu Tage, auf denen hebräische Buchstaben und Wörter zu erkennen sind. Leider kann man nicht mehr lesen, von was der Text handelt. Viele solcher Fragmente entstammen der sogenannten Zerstörungsschichte von 1349. In diesem Jahr wurde das Viertel angegriffen und niedergebrannt. Man gab Jüdinnen und Juden die Schuld an der Pest. Diese Wut entlud sich in der Vernichtung zahlreicher jüdischer Gemeinden in Europa.

Fragmentary

Part of a stone inscription, before 1349

The archaeological excavation also brought to light some parts of stones on which Hebrew letters and words can be seen. Unfortunately, it is no longer possible to read what the text is about. Many of these fragments come from the so-called destruction layer of 1349, the year in which the quarter was attacked and burnt down. Jews were blamed for the plague. This fury resulted in the destruction of numerous Jewish communities in Europe.

„Mit diesem Ring…“

Hochzeitsringe werden nur während der Trauzeremonie verwendet und nicht dauerhaft getragen. Die meisten heute erhaltenen und vorgeblich mittelalterlichen Ringe sind Fälschungen oder Nachbildungen aus dem 19. Jahrhundert.

1925 wurde in Köln der Entschluss gefasst, ein Rheinisches Museum zu gründen. Die jüdische Geschichte des Rheinlandes war selbstverständlicher Teil des Museumskonzeptes. Erst 1936 eröffnete das Museum in der Alten Kürassier-Kaserne in Köln-Deutz, allerdings ohne die ursprünglich geplante Judaica-Schausammlung. Das durch die Ideologie des Nationalsozialismus geprägte Museum hieß nun „Haus der Rheinischen Heimat“. Die Judaica entgingen in der NS-Zeit weitestgehend der Zerstörung. Sie befinden sich heute im Kölnischen Stadtmuseum.

“With this ring...”

Gold, 19th century, Cologne City Museum

Wedding rings are only used during the wedding ceremony and are not worn permanently. Most of the supposedly medieval rings preserved today are forgeries or replicas from the 19th century.

In 1925, the decision was made in Cologne to found a Rhenish Museum. The Jewish history of the Rhineland was a natural part of the museum concept. It was not until 1936 that the museum opened in the old cuirassier barracks in Cologne-Deutz, albeit without the originally planned Judaica exhibition collection. The museum, which was shaped by the ideology of National Socialism, was now called the “Haus der Rheinischen Heimat” (House of rhenish homeland). The Judaica largely escaped destruction during the Nazi era. Today the collection is housed in the Cologne City Museum.

Eine Haggada für alle

Die Haggada spielt eine zentrale Rolle am Pessach-Fest, an dem Jüdinnen und Juden an den Auszug aus Ägypten erinnern. Das Buch beinhaltet die biblischen Erzählungen der Sklaverei in Ägypten, der Plagen und der Befreiung aus der Sklaverei, zudem Gebete, Lieder und rituelle Anweisungen.

Isaac Offenbach publizierte 1838 in Köln die traditionell auf Hebräisch verfasste Haggada erstmalig auf Deutsch und macht sie so für jedermann zugänglich. Er ergänzte den Text mit einem Kommentarteil, der den Ablauf im Einzelnen während des Festes erklärt. Das Titelblatt gestaltete David Levy Elkan.

A Haggadah for everyoneIsaac Offenbach: Hagadah or Narrative of Israel's Exodus from Egypt, 1838

The Haggadah plays a central role on Passover, when Jews commemorate the Exodus from Egypt. The book contains the biblical stories of slavery in Egypt, the plagues and the liberation from slavery, as well as prayers, songs and ritual instructions.

Isaac Offenbach published the Haggadah, traditionally written in Hebrew, for the first time in German in Cologne in 1838, making it accessible to everyone. He supplemented the text with a commentary section explaining the details of the procedure during the festival. The title page was designed by David Levy Elkan.

Klo-Spruch mal anders

Die hebräische Inschrift über einem Fenster im Keller hat einen unerwarteten Inhalt. Sie informierte darüber, wie die dahinterliegende Latrine gereinigt werden konnte: „Dies ist das Fenster, durch das die Fäkalien herausgenommen werden.“

Der Keller ist Teil eines Hauses, das der Jude Livermann von Düren 1270 an der Judengasse errichten ließ. Es stieß hinten, wo auch die Latrine des Hauses lag, an den Synagogenhof.

Normalerweise werden die Latrinengruben in unregelmäßigen Abständen von oben geleert. Da die Latrine jedoch mitten auf dem Synagogenhof gelegen und Öffnung dort zu einer enormen Geruchsbelästigung geführt hätte, musste Livermann sie wohl verschließen lassen. Die Reinigung erfolgte also ausnahmsweise durch den Keller seines Hauses.

Da zwischen zwei Leerungen viele Jahre oder gar Jahrzehnte vergehen konnten, wies die Inschrift auf den vermauerten Zugang zum Schacht hin.

A restroom inscription?

The Hebrew inscription above a window within a the cellar wall is rather surprising. It provided information on how the latrine pit behind it could be cleaned: ‘This is the window through which the faeces are taken out.’

The cellar is part of a house that the Jew Livermann of Düren had built on Judengasse in 1270. It was situated right next to the synagogue’s yard. The houses latrine at the back even toutched it.

Normally, latrine pits were emptied from above at irregular intervals. However, as the latrine was located in the middle of the synagogue courtyard, opening it would have led to an enormous stench. Hence Livermann probably had to have it sealed. Thus the only way to clean it was through the cellar of his house.

As many years or even decades could pass between two clearances, the inscription refers to the walled up access to the shaft.

Gehobene Ausstattung

Gefunden an der Ostseite des Praetoriums, 2./3. Jahrhundert n. Chr.

Dieses Bruchstück ist heute im Hotel Legend (neben dem Rathausturm) zu bewundern. Gefunden wurde es nur wenige Meter entfernt: In der Antike stand dort das Praetorium, der Palast des Statthalters des römischen Kaisers in der Provinz Niedergermanien.
Das Stück gehörte wahrscheinlich zu einer großflächigen Wandmalerei in einem repräsentativen Raum des Palastes. Die Wandmalerei dürfte aus einer Abbruch- oder Umbaumaßnahme der Portikus stammen, einem Säulengang. Dieser war der Aula vorgelagert, einer großzügigen Halle des Statthalterpalastes.

High-Quality FurnishingsPart of a Roman Wall Painting

Found on the east side of the Praetorium, 2nd/3rd century AD.

This fragment can be admired today in the Hotel Legend (next to the town hall tower). It was discovered just a few meters away: In ancient times, the Praetorium, the palace of the Roman emperor's governor in the province of Lower Germania, stood there.
The piece likely belonged to a large-scale wall painting in a representative room of the palace. The wall painting likely originated from the demolition or reconstruction of the portico, a colonnade. This portico preceded the aula, a spacious hall of the governor's palace.

Edler Stein

Reliefverzierter Edelstein (Onyx), 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr.

Flott und routiniert hat ein Gemmenschneider hier eine schwebende Siegesgöttin Victoria entworfen. Sie hält in der vorgestreckten linken Hand einen Kranz, von dem Bindebänder herabhängen. Auf der rechten Schulter trägt sie einen großen Palmzweig. Das Haar ist hoch auf dem Kopf zu einem kleinen Knoten gefasst. Im Schweben weht der Gewandsaum nach hinten und nach vorn, die Füße sind nach unten gestreckt.

Precious Stone

Cameo with Victoria, the Roman Goddess of Victory

Relief-decorated gemstone (onyx), 1st or 2nd century AD.

A deft and skilled cameo cutter has designed a floating goddess of victory, Victoria. She holds a wreath in her outstretched left hand, from which ribbons hang. She carries a large palm branch on her right shoulder. Her hair is tied high on her head in a small knot. As she floats, the hem of her robe flutters back and forth, and her feet are stretched out.

Schöner Wohnen

Marmor, spätes 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr.

Dieses Mosaik stammt aus einem kleinen, beheizbaren, achteckigen Raum im westlichen Bereich des Praetoriums. Es schmückte wohl den Fußboden im Heiß- bzw. Schwitzbad in den privaten Thermen des Statthalters.

Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserem MiQua Blog.

Beautiful Living

Part of a Roman mosaic floor

Marble, late 2nd or 3rd century AD

This mosaic comes from a small, heated, octagonal room in the western part of the Praetorium. It probably decorated the floor of the hot or steam bath in the governor's private baths.

Feine Gesellschaft

Gefunden im Praetorium, zweite Hälfte 1. Jahrhundert n. Chr.

Solches Luxusgeschirr wird heute als Terra sigillata bezeichnet. Vor dem Brennen mit feinem Ton-Schlicker überzogen, erzielten die Töpfer ein sowohl schön gefärbtes als auch dichtes Produkt. Gefertigt wurde in großen Werkstätten, so zeigt dieser Teller auf der Unterseite den Herstellerstempel „OF INGEN“. In Serien gefertigt, lässt sich diese Keramik heute von Forschenden gut typisieren – hier ist es die Form Dragendorff 18/31.

Fine Society

Roman Plate

Found in the Praetorium, second half of the 1st century AD.

Such luxury ware is now known as terra sigillata. Coated with a fine clay slip before firing, the potters achieved a product that was both beautifully colored and dense. Produced in large workshops, this plate bears the maker's mark "OF INGEN" on the underside. Produced in series, this pottery can now be easily typified by researchers – in this case, it is the Dragendorff 18/31 form.

Jeck und Jüdisch

Diesen Sessionsorden erhielt der Künstler Karl Küpper nach seinem Auftritt beim „Kleinen Kölner Klub“ im Jahr 1929. Den Verein hatten jüdische Karnevalisten 1922 als Reaktion auf die zunehmende Diskriminierung gegründet. Hans Tobar, ebenfalls Mitglied, schrieb Stücke in kölscher Mundart für den Klub. Küpper wiederum galt als einer der wenigen Nichtjuden, die sich von Judenhass und später vom NS-Regime öffentlich distanzierten.

Jeck and Jewish

Carnival medal of the ‘Kleiner Kölner Klub’, metal, 1929, Gerhard A. Küpper

The artist Karl Küpper received this carnival medal after his performance at the ‘Kleiner Kölner Klub’ in 1929. The club was founded by Jewish carnivalists in 1922 as a reaction to increasing discrimination. Hans Tobar, also a member, wrote plays in Cologne dialect for the Klub. Küpper, in turn, was one of the few non-Jews who publicly distanced themselves from hostility towards Jews and later from the Nazi regime.

Homo ludens

Spielstein, Marmor, 4. Jahrhundert n. Chr.
Der Spielstein aus Marmor gehörte vielleicht einem vornehmen Römer und war mit dem Titel „invictus“ versehen, „der Unbesiegbare“. Vor allem Brettspiele waren bei den Römern sehr verbreitet. Gefunden wurde der Stein in der spätantiken Verfüllung des römischen Abwasserkanals nördlich des Praetoriums.

Homo ludens

Roman Game Piece

Game Piece, Marble, 4th century AD

This marble game piece may have belonged to a noble Roman and bore the title "invictus," "the invincible." Board games, in particular, were very popular among the Romans. The piece was found in the late antique filling of the Roman sewer north of the Praetorium.

Gut gekleidet

Bruchstück einer Statue, Kalkstein, zweite Hälfte 1. Jahrhundert n. Chr.

Dieser Teil einer Statue zeigt die Knie bis Unterschenkel eines Mannes in Toga. Diese durften mit wenigen Ausnahmen nur Männer mit römischem Bürgerrecht tragen. Sie legten das mehrere Meter lange Tuch nach festen Regeln um den Körper.

Hier erzeugt die Stoffbahn den sogenannten sinus, eine u-förmige bauschige Falte. Auf der Rückseite ist das von der Schulter herabfallende Tuchende, die hintere lacinia, zu sehen.

Vielleicht schmückte die Statue schon den ursprünglichen Bau des Statthalterpalastes und ist später einer Zerstörung zum Opfer gefallen. Es wäre aber auch möglich, dass die zerschlagene Statue als Baumaterial herangeschafft wurde, vermutlich für den letzten, spätantiken Umbau des Praetorium.

Well Dressed

A Roman Citizen from the CCAA

Fragment of a Statue, Limestone, second half of the 1st century AD.

This part of a statue shows the knees to the lower legs of a man in a toga. With few exceptions, these were only permitted to be worn by men with Roman citizenship. They wrapped the several-meter-long cloth around their bodies according to strict rules.

Here, the fabric creates the so-called sinus, a U-shaped, billowing fold. On the back, the end of the cloth falling from the shoulder, the posterior lacinia, can be seen.

Perhaps the statue already adorned the original building of the governor's palace and later fell victim to destruction. It is also possible, however, that the broken statue was brought in as building material, presumably for the final, late antique reconstruction of the Praetorium.

Wohl gespeist

Gefunden im Praetorium, zweite Hälfte 1. Jahrhundert n. Chr.

Das kleine Tischgefäß besteht aus wertvoller Terra sigillata. Da dieses Luxusgeschirr in Serien in großen Werkstätten gefertigt wurde, lässt sich diese Keramik heute von Forschenden gut typisieren – hier ist es die Form Dragendorff 22.

Well Fed

Roman Bowl

Found in the Praetorium, second half of the 1st century AD.

This small table vessel is made of precious terra sigillata. Since this luxury tableware was produced in series in large workshops, researchers can now easily classify this ceramic - in this case, it is the Dragendorff 22 form.

Wer schreibt der bleibt

Bruchstück einer Inschrift, Kalkstein, 67 oder 68 n. Chr.

Dieser kleine Teil einer römischen Inschrift ist in jüngeren Schuttschichten innerhalb des Praetoriums gefunden worden. Vermutlich war die Inschrift ursprünglich in diesem Statthalterpalast angebracht.

Nur wenige Buchstaben sind erhalten:
…] L […
…] TEIV […
…] RV […

Die mittlere Zeile kann wohl zum Namen Fonteius ergänzt werden.

Fonteius Capito war von 67 bis 68 n. Chr. Statthalter in Köln. Vielleicht stammt das Stück der Inschrift aus einer Tafel, die zu einem Umbau des ältesten Praetoriums gehörte.

Those who write remain

An early governor

Fragment of an inscription, limestone, 67 or 68 AD.

This small portion of a Roman inscription was found in recent rubble layers within the Praetorium. The inscription was probably originally placed in this governor's palace.

Only a few letters have survived:

…] L […

…] TEIV […

…] RV […

The middle line can probably be supplemented with the name Fonteius.

Fonteius Capito was governor of Cologne from 67 to 68 AD. This fragment of the inscription may have come from a tablet that was part of a renovation of the oldest Praetorium.

Schmückendes Beiwerk

Bekrönung in Form eines Pinienzapfens, Kalkstein, römerzeitlich

Pinienzapfen galten in der Antike und auch später im Mittelalter als Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Oft kommen sie deshalb als Bekrönung von Grabdenkmälern oder an anderen Gebäuden und Heiligtümern vor.

Vielleicht stammt dieser Fund von einem heiligen Bezirk im oder beim Praetorium. Oder er wurde von einem der Gräberfelder außerhalb der Stadt als schmückendes Baumaterial für den Palast geholt, wie man es in der Spätantike häufig tat. Gefunden wurde er in einem Brunnen in den westlichen Teilen des Praetoriums mit den Thermen des Statthalters.

Decorative Accessory

Pine Cones for Life

Pine Cone-Shaped Crown, Limestone, Roman Period

Pine cones were considered a symbol of life and fertility in antiquity and later in the Middle Ages. They are therefore often found crowning gravestones or other buildings and sanctuaries.

Perhaps this find comes from a sacred area in or near the Praetorium. Or it was brought from one of the burial grounds outside the city as decorative building material for the palace, as was often done in late antiquity. It was found in a well in the western part of the Praetorium with the governor's baths.

Goldene Zeiten

Goldmünze, westgotisch, mit Bild eines oströmischen Kaisers, 565–578

Wertvolle Münzen aus Gold, wie dieser Triens aus einer westgotischen Münzstätte, waren keine alltäglichen Zahlungsmittel. Diese Münze gelangte vielleicht im Zusammenhang mit den fränkischen Herrschern, die im Praetorium residierten, nach Köln. Sie zeigt die wirtschaftlichen Verflechtungen des Frankenreichs. Gefunden wurde die Münze im Statthalterpalast, südöstlich vor der Apsis der Aula.

Golden Age

Merovingian Gold Coin

Visigothic Gold Coin with an Image of an Eastern Roman Emperor, 565-578

Valuable gold coins, such as this triens from a Visigothic mint, were not everyday means of payment. This coin may have come to Cologne in connection with the Frankish rulers who resided in the Praetorium. It demonstrates the economic interdependence of the Frankish Empire. The coin was found in the Governor's Palace, southeast of the apse of the Great Hall.

Blick in die zukünftige Ausstellung

Eintauchen in die Vergangenheit: In der Bildmitte befinden sich die Reste der Synagoge, die auf das erste Viertel des 11. Jahrhunderts datiert wird. Links daneben liegt das jüdische Ritualbad, die Mikwe aus dem 12. Jahrhundert. Diese beiden wichtigsten Gemeindeeinrichtungen lagen im Zentrum des mittelalterlichen jüdischen Viertels. In der oberen Ecke sieht man die Reste des sogenannten Hochzeits- und Tanzhauses der Gemeinde. Vom Balkon aus erhalten die Besuchenden einen ersten Überblick und eine Einführung in die archäologische Grabungsebene.

View of the future exhibition

Visualization: Wandel Lorch Götze Wach

Immerse yourself in the past: in the center of the picture are the remains of the synagogue, which dates back to the first quarter of the 11th century. To the left there is the Jewish ritual bath, the mikvah from the 12th century. These two most important community facilities were located in the center of the medieval Jewish quarter. In the upper corner you can see the remains of the community's so-called wedding and dance house. From the balcony, visitors are given an initial overview and an introduction to the archaeological excavation level.

Patchwork

Die Kellerwände des Hauses Bardowiek an der Straße Obenmarspforten spiegeln die wechselvolle Geschichte des Hauses und des Rathausplatzes wider. Im Kern stammt der Raum aus dem 12. Jahrhundert, doch stießen die mittelalterlichen Bauleute beim Ausschachten auf römische Mauerreste. Diese bezogen sie kurzerhand in die Wände ein. Die auffälligen Pfeiler aus übereinandergestapelten Ziegeln sind Teil einer Fußbodenheizung eines römischen Bades.

Im Jahr 1289 wohnte hier die Familie des Steinmetzen Arnold Schallo. Im 14. und 15. Jahrhundert bezeichnen die Schriftquellen das Gebäude als Garnhaus, also als Kaufhaus für den Handel von Tuchen und Textilien.

Die jüngsten Spuren aus der wechselvollen Geschichte des Hauses stammen aus dem Jahr 1942 oder 1943 als das Gebäude in Folge der alliierten Luftangriffe auf Köln abbrannte.

Säule mit Befestigung

Kalkstein, 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr.

Basis einer Säule mit der Bosse, also dem nicht fertig bearbeiteten und nicht geglätteten Teil, an der man Halteseile für Transport und Aufstellung befestigen konnte. Das Bruchstück der römischen Kalksteinsäule stammt aus dem Praetorium des 2. oder 3. Jahrhunderts.

Column with fastening

Lower part of a Roman column

Limestone, 2nd or 3rd century AD.

The base of a column with the boss, i.e., the unfinished and unsmoothed part, to which ropes could be attached for transport and installation. This fragment of the Roman limestone column dates from the Praetorium of the 2nd or 3rd century.