Provenienzforschung zu Judaica-Objekten
Forschung zur Herkunft und Besitzgeschichten von Judaica-Objekten.
Ende des Seitenheaders.
MiQua wird überwiegend archäologische Funde zeigen, die am Ort selbst ausgegraben wurden. In der Fortführung der Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte und Kultur bis in die Gegenwart werden jedoch vor allem Leihgaben anderer Museen ausgestellt, aber auch Schenkungen oder vereinzelt Ankäufe von Objekten mit Bezug zu Köln. Bei diesen Objekten ist eine sorgfältige Klärung der Herkunft von großer Wichtigkeit. Nicht selten stammen nämlich Objekte aus Zwangsenteignungen oder Beschlagnahmungen, bei denen die legitimen Nachfahr*innen der Geschädigten nie Kenntnis von den weiteren Verkäufen der Objekte erhielten.
Hierzu zählt beispielsweise eine Auswahl an Judaica-Objekten aus dem Kölnischen Stadtmuseum. Diese Sammlung wurde in den 1920er Jahren angelegt und hat die NS-Zeit weitestgehend überdauert. MiQua versucht, die Geschichte und Herkunft dieser und anderer Objekte in der Ausstellung zu erforschen. Hier wird insbesondere die Frage nach den Händler*innen gestellt, die die Objekte an das damalige Projekt eines Rheinischen Museums verkauften. Sie waren für das "Rheinische Museum" vorgesehen, das jedoch nie realisiert wurde.
Ein anderer Schwerpunkt in der Provenienzforschung widmet sich den Objekten, die in den letzten 100 Jahren in Kölner Ausstellungen zu jüdischem Leben gezeigt wurden. Wer waren die Leihgeber*innen? Hat es Sammlungen vor 1933 gegeben, die in der NS-Zeit geraubt wurden oder verloren gingen? Wo befinden sich die Objekte heute?
Ein besonderes Objekt, dessen Geschichte noch intensiv recherchiert wird, schenkten die MiQua-Freunde e. V. dem Museum: Eingewickelt in das Stuttgarter Tageblatt vom 17.8.1936 stand das Kinderfahrrad der Firma Starkenburg. Ludwig Bauer&Co. im Keller eines Apothekers in Süddeutschland. Als Junge verpackte der spätere Apotheker das Rad gemeinsam mit seinem jüdischen Freund und sollte diesen wertvollen Besitz für ihn aufbewahren. Es vergingen fast 80 Jahre. Der Freund kam nie zurück. So die Erzählung, welche MiQua prüft und eingehend nach den Beteiligten und ihren Schicksalen forscht.
Jedes Jahr findet Anfang April der sogenannte Tag der Provenienzforschung statt. Die Provenienzforschung spielt auch in der gemeinsamen Web-App „Zwischen den Häusern“ eine Rolle: Im Wallraf-Richartz-Museum hat ein Produktionsteam des LVR-Zentrum für Medien und Bildung in Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden des MiQua ein Expert*innen-Interview aufgenommen.
Kontaktperson
Leitung Abteilung Jüdische Geschichte und Kultur