Ausgrabungen des mittelalterlichen Goldschmiedeviertels

Köln war neben Paris eines der bedeutendsten Zentren mittelalterlicher Goldschmiedekunst in Europa.

Sandfarbene und rötlich Kellerwände aus Stein.

Goldschmiedekunst in zentraler Lage in Köln

Innerhalb der Stadt siedelten sich die Goldschmiede gern in bevorzugter Lage in der Nähe von Domkirche, Alter Markt und Rathaus an. Davon zeugt noch heute der Name der Straße Unter Goldschmied, abgeleitet vom lateinischen Inter Aurifabres, an die MiQua angrenzt.

Ein Stadtplan der Stadt Köln aus dem Jahr 1571 zeigt den Rathausplatz, den Alter Markt, die Judengasse und die dicht besiedelten Nebenstraßen des Kölner Rathauses.
Das mittelalterliche Goldschmiedeviertel in Köln lag direkt beim Rathaus und schloss an das nördlich gelegene jüdische Viertel an. Der Kölner Stadtplan von Arnold Mercator stammt aus dem Jahre 1571.

Christliche Goldschmiedewerkstätten aus dem Mittelalter

Wenig verwunderlich also, dass die Archäolog*innen während der Ausgrabungen im Bereich des Rathausplatzes die Keller mehrerer Häuser freilegen konnten, die nach Ausweis der schriftlichen Quellen im Mittelalter von christlichen Goldschmieden bewohnt waren. Für sie besonders spannend: an den Mauern lässt sich die wechselvolle Geschichte der Häuser noch heute wie aus einem Buch ablesen.

Eine Öffnung in einer Kellerwand lässt in den nächsten Raum einblicken.
Die Kellermauern der Goldschmiedehäuser an der Straße Obenmarspforten sind ein über viele Jahrhunderte entstandenes Patchwork. Hier im Bild versteckt sich ein mittelalterlicher Wandschrank im Bereich eines zugemauerten römischen Abwasserkanals.

Wie kann man Geschichte an Wänden ablesen?

So gehen die Keller im Wesentlichen bis in das zwölfte Jahrhundert zurück, doch integrierten die Bauhandwerker römisches Mauerwerk, wenn sie darauf stießen. In der Folge wurden die Räume immer wieder umgebaut. Die jüngsten Bauspuren und Funde reichen bis in das Jahr 1943, das Jahr, in dem die Häuser während der alliierten Luftangriffe zerstört wurden. So lässt sich die 2000-jährige Geschichte des Rathausplatzes manchmal im Keller eines einzigen Hauses nachvollziehen.

Sandfarbene und rötlich Kellerwände aus Stein.
Die Kellerwände von Haus Bardowick beinhalten ein römisches hypocaustum - eine Heizung für eine Thermenanlage

Kostbare Goldschmiede-Funde

Kostbare Funde von goldenen Fingerringen, farbigen Emaille und silbernen Gürtelbeschlägen zeugen von der hohen Kunstfertigkeit der Goldschmiede. Funde von Gussformen und –tiegeln, Schlacken oder halbfertigen Goldschmiedeprodukten belegen Werkstätten und liefern einen anschaulichen Einblick in das mittelalterliche Handwerk.

Zehn Originalfunde aus dem Goldschmiedeviertel wurden vor hellgrauem Hintergrund fotografiert.
Ein Teil der Goldschmiedeprodukte besaß ursprünglich farbige Glasemaille-Einlagen

Überraschende Erkenntnisse über das Zusammenleben

Für die Archäolog*innen überraschend war, dass ein nicht geringer Teil dieser charakteristischen Funde des Goldschmiedehandwerks aus Zusammenhängen stammt, die eindeutig jüdisch sind. So entsteht ein völlig neues Bild der mittelalterlichen Goldschmiede in Köln, denn sie belegen, dass neben den christlichen auch jüdische Handwerker*innen in diesem Beruf tätig waren. Obwohl die jüdischen Goldschmiede nicht in den Gaffeln organisiert waren, lässt die enge räumliche Nähe entsprechende Verbindungen vermuten.

Nahaufnahme des mittelalterlichen Goldohrrings, der in den Ausgrabungen von MiQua gefunden wurde.
Fragmente von Gusstiegeln und -formen sowie eine halbfertige Emaille-Scheibe aus dem jüdischen Viertel