In die Weite – Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland

15. September 2021 bis zum 15. August 2022 im Museum Kolumba

Ein weißer Raum in dem drei Ausstellungsstücke zu sehen sind.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „In die Weite – Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland“ wurde als Kooperation von MiQua und Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln, im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ realisiert. Zu Gast war die ehemalige Synagoge Niederzissen.

Die Ausstellung fand statt vom 15. September 2021 bis zum 15. August 2022.

In einem Ausstellungsraum steht ein schwarzer Tisch.  An der Wand im Hintergrund ist ein modernes, grün-weißes Gemälde zu sehen.
Links von Stefan Lochner das Bild „Madonna mit dem Veilchen Köln“ (kurz vor 1450). In der Vitrine rechts unten der Rest vom Sockel des Tora-Schreins in der alten Synagoge, 13. Jahrhundert. Nach der Vertreibung der Juden aus Köln 1424 wurde die Synagoge umgewidmet und an dieser Stelle die Ratskapelle eingerichtet mit dem Patrozinium „St. Maria in Jerusalem“. Den Sockel des steinernen Tora-Schreins nutzte man als Unterbau für den Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner (heute in der Hohen Domkirche).

Der Erlass des Kaisers Konstantins von 321

Im Jahr 321 erließ der römische Kaiser Konstantin ein Gesetz, das die Städte dazu aufrief, auch Juden in den Rat zu berufen. Dieses an die Kölner Kurie adressierte Schreiben war in seiner ältesten erhaltenen Abschrift als Leihgabe der Biblioteca Vaticana in der Ausstellung bis zum 11. Oktober 2021 zu sehen. Es ist die früheste schriftliche Quelle zur Existenz von Jüdinnen und Juden nördlich der Alpen. Somit kann jüdisches Leben in Deutschland auf eine mehr als 1700-jährige Geschichte zurückblicken. Dies wurde im Rahmen eines bundesweiten Festjahres mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt.

Ein Ausstellungsraum mit einer schwarzen Vitrine im Vordergrund.
Im Vordergrund Fragmente der Bima aus der Kölner Synagoge Köln, 1270 – 1280. Im Zentrum der mittelalterlichen Kölner Synagoge stand die filigrane gotische Bima. Die jüdische Gemeinde nutzte sie zur wöchentliche Lesung der Tora während des Gottesdienstes. Dazu wurden die Tora-Rollen aus dem Tora-Schrein an der Ostwand der Synagoge gehoben, zur Bima getragen und dort verlesen.

Inhalte der Ausstellung „In die Weite“

Die Ausstellung präsentierte mehr als 100 internationale Leihgaben, die facettenreich über jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart berichteten. Zum Teil wurden diese über die Dauer des Jahres gewechselt. Der Titel „In die Weite“ betont die Ambivalenz der langen jüdischen Geschichte.

Ein weißer Raum in dem drei Ausstellungsstücke zu sehen sind.
Links eine Beschneidungsbank aus Südhessen, um 1750, eine Leihgabe des Jüdischen Museums Berlin. An der Wand das Bild „For Mark Rothko“ von Frederic Matys Thursz von 1972, Kolumba. Rechts in der Vitrine ein Tora-Vorhang aus der Synagoge in Köln-Deutz von 1732, eine Stiftung von David Abraham Baruch ben Josef Dülken Segal und seiner Frau Beila.

Objektauswahl

Die Objektauswahl umfasste:

  • weltweit anerkannte Judaica-Highlights wie die sogenannte Mischne Tora Kaufmann aus Budapest und der Amsterdam Machsor

  • alltägliche Objekte, wie etwa die archäologischen Funde aus der Grabung im mittelalterlichen jüdischen Viertel Kölns

  • Kunstwerke der Kolumba-Sammlung, die die angesprochenen Themen um eine existentielle und emotionale Erfahrung bereicherten

  • die erhaltene Genisa der ehemaligen Synagoge aus Niederzissen

Die Genisa aus Niederzissen ist einer der eindrücklichsten Funde zur jüdischen Kultur in Deutschland. Sie wurde das ganze Jahr in der Ausstellung präsentiert. Mit ihren alltäglichen und religiös motivierten Fragmenten ermöglichte der nach Kolumba übertragene Ort eine Reflexion über Leben und Kultur einer jüdischen Landgemeinde.

Ein dunkler Raum ist zu sehen. Im Zentrum steht ein Tisch, der mit Licht angeleuchtet wird. Darauf sind verschieden Schriftstücke zu sehen.
Schriftstücke aus der Genisa in der Synagoge Niederzissen. Eine Genisa ist ein Raum, in dem benutzte, zerschlissene und beschädigte Schriftstücke religiösen Inhalts sowie Kultgegenstände aufbewahrt werden