Jüdisches Leben in Köln
Im ersten Geschoss des Museums wird zukünftig die Dauerausstellung zum jüdischen Leben fortgeführt, von 1424 bis zur Gegenwart.
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Hier stehen drei Leitgedanken im Fokus, die ebenso für die Ausstellung im Archäologischen Rundgang gelten:
Unterschiedliche Perspektiven kommen zu Wort,
die Menschen sind wesentlicher Bestandteil der Ausstellungserzählung und
das Museum lebt von dem Ort, an dem es steht.
Die Ausgrabungen des mittelalterlichen jüdischen Viertels bieten einen einzigartigen Einblick in jüdische Lebenswelten aus über vier Jahrhunderten in Köln. Die archäologischen Funde, die Reste der Gemeindebauten und Wohnhäuser zeigen das Leben inmitten der Stadt. Dies reicht von einem engen Miteinander der Stadtbevölkerung bis hin zu katastrophalen Ereignissen, wie den Massakern an der jüdischen Gemeinde 1096 im Zuge des Ersten Kreuzzuges und während des Pestpogroms 1349. Diese Spuren lassen sich am Ort und anhand der archäologischen Objekte ablesen und vermitteln.
Jüdisches Leben im Mittelalter war mehr als eine Aneinanderreihung von Schutzbriefen, Ratsbeschlüssen und Kaufverträgen.
Doch auch die Geschichten der Menschen, die hier gelebt haben, spielen eine zentrale Rolle in der Ausstellung. Zahlreiche überlieferte hebräische Schriften aus dem Mittelalter erzählen vom Alltag im Viertel und seinen Einwohner*innen. Durch sie werden die Besuchenden die Geschichte des Ortes aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen, jüdischen und nichtjüdischen.
Die Ausstellung wird im Obergeschoss des Museums weitergeführt und umfasst die Zeitspanne 1424 bis zur Gegenwart. Sie legt in ihren drei Themenbereichen Wert darauf, persönliche Erfahrungen und Zeugnisse darzustellen, durch Menschen, Objekte und Orte. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, jüdisches Leben in Köln aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu verstehen.
Der erste Ausstellungsteil wirft einen Blick auf die letzten einhundert Jahre Ausstellungs- und Sammlungsgeschichte von „Jüdischem“ in Köln. Die hier zu sehenden zahlreichen Objekte sind nicht nur Zeugen der Vergangenheit, sondern auch Vermittler von Geschichte(n) und Identitäten. Die Motivationen hinter den insgesamt sieben Sammlungen und Präsentationen seit 1914 reichen von der Bewahrung kultureller Traditionen bis hin zur Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen. Hierbei kommen Ausstellungsmacher*innen und Sammler*innen selbst zu Wort.
Der zweite Ausstellungsteil nähert sich der jüdischen Geschichte seit 1424 aus biografischen Perspektiven. Etwa durch Cilli Marx, eine engagierte Lehrerin und Mitautorin der interkonfessionellen "Domfibel". Der Dombaumeister Ernst Zwirner setzte mit der Synagoge Glockengasse 1861 ein Wahrzeichen Kölns, das vielfach in Ansichten und Postkarten dargestellt wurde - bis zur Zerstörung 1938. Das Ehepaar Stern symbolisiert die Wiederkehr jüdischen Lebens in Köln nach der Vertreibung 1424. Sie erhielten als erste jüdische Bewohner*innen im Jahr 1798 die Erlaubnis, sich in der Stadt niederzulassen. Diese und viele weitere Biografien veranschaulichen die Vielfalt jüdischer Erfahrungen.
Anhand eines interaktiven, digitalen Stadtrundgangs im dritten Ausstellungsteil können Besuchende die Orte in Köln entdecken, die Teil der jüdischen Geschichte und Gegenwart sind oder die als jüdisch definiert werden. Unterschiedliche Personen führen die Besuchenden dabei virtuell durch Köln, sie verbinden das Museum mit der gegenwärtigen Stadt.
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