Das Kölner Praetorium – der römische Statthalterpalast
Die archäologischen Fragmente des Praetoriums, UNESCO-Welterbe, sind in ihrer Größe und Vollständigkeit einmalig.
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Große Teile des Statthalterpalastes wurden 1953 vor dem Neubau des Rathauses ausgegraben. Der nördliche Teil wurde unter dem Spanischen Bau als Teil des neuen Rathauses konserviert und fortan als Praetorium der Öffentlichkeit präsentiert.
Kleinere Grabungen fanden in den 1960er und 1970er Jahren statt.
Seit 2007 erfolgten in Vorbereitung für das MiQua dann wieder ganzjährige, großflächige Ausgrabungen, die bis heute andauern.
Schon 1953 eine archäologische Sensation, heute nicht minder.
Bereits die Ausgräber Otto Doppelfeld und Gundolf Precht forschten zu den unterschiedlichen Bauphasen des Praetoriums. Sie entwickelten ein Phasenmodell vom ersten Jahrhundert (Bau I) bis zum frühen vierten Jahrhundert (Bau IV), das zwei vollständige Neubauten III und IV einschließt.
Felix Schäfer hat diese Bauabfolge und Datierung 2014 noch einmal präzisiert. Die Ergebnisse der neuen Grabungen seit 2007 fließen sukzessive in die laufende Forschung der Archäologischen Zone/Stadt Köln und MiQua ein.
Heute ist die Praetoria-Forschung eins der Forschungsprojekte des MiQua.
Die Ausdehnung des Palastareals kennen wir bis heute nicht genau. Da sich die Ausgrabungen stets auf die östlichen Gebäudeteile, die repräsentativen Räume und die Front am Rhein beschränken mussten, ist die Kenntnis der westlichen Bereiche, der Verwaltungsbauten und des Eingangsbereiches nicht gesichert. Möglicherweise erstreckte sich das Areal bis zur heutigen Hohe Straße. Am Laurenzplatz wurde von Gundolf Precht ein Torbau vermutet, der eine Bautradition bis zur Errichtung der mittelalterlichen Pfarrkirche St. Laurenz begründet haben könnte.
Im Süden des Praetoriums, über eine Hofanlage angebunden, liegt eine imposante Apsis. Sie kann vermutlich mit der Aula verbunden werden (einem großen öffentlichen Versammlungsgebäude), die in historischen Quellen genannt wird.
Noch weiter südlich schließen Reste einer größeren Thermenanlage das Grundstück zur heutigen Straße Obenmarspforten ab.
In den Statthalterpalästen war der gesamte Verwaltungsapparat der Provinz im Sinne einer Zentralverwaltung untergebracht. Dazu zählte auch die Leibgarde des Statthalters. Gleichzeitig dienten die Praetoria der Repräsentation, in erster Linie für den Statthalter und seinen Stab bei Empfängen und offiziellen Besuchen. In Köln gehörte auch eine Thermenanlage zu den Funktionsbereichen des Palastes. Während seiner Reisen in der Provinz hielt sich auch der Kaiser im Praetorium auf.
Die Palastareale im Westen dürften den eigentlichen Verwaltungstätigkeiten wie der Gerichtssprechung, dem Archivwesen, Verkehr- und Transport, dem Straßenbau und der Wasserversorgung und -entsorgung gedient haben.
Bereits vor der Stadtwerdung Kölns im Jahre 50 n.Chr. errichtete man einen Großbau als Vorläufer der späteren Praetoria, zu Beginn des ersten Jahrhunderts. Er dürfte bereits als Verwaltungssitz fungiert haben und wurde bis zum vierten Jahrhundert stetig erweitert.
Nach dem Ende der spätrömischen Präsenz am Rhein haben die Franken vermutlich Teile des Palastes weiter genutzt. Darauf deuten frühmittelalterliche Funde und die Nennung einer "regia" in den Schriftquellen hin.
Große Setzungsrisse in den Fundamenten des Praetoriums haben vermutlich zum Ende der Nutzung geführt. Das Gebäude wurde danach nicht mehr instandgesetzt. Vielleicht liefern die neuen Ausgrabungen zu dieser Frage noch Indizien.
Der Palast verfügte über eine luxuriöse Ausstattung; davon zeugen spannende Funde wie:
Wandmalerei
Fußbodenmosaiken
Säulen und andere Bauskulpturen
Weihe- und Grabinschriften von Bediensteten des Statthalters.
Dieser Ausstellungsteil schließt mit einem Panoramabild der Stadtmauer und Rheinfront sowie Filmen zur Baugeschichte des Palastes ab.
Wir haben mit Franziska Bartz, der Örtlichen Grabungsleitung der Archäologischen Zone der Stadt Köln, direkt zwischen den Mauern des römischen Praetoriums gesprochen.
In unserem Interview erzählt sie spannende Details über einen besonderen Fund: ein Sacrarium, ein kleines Heiligtum für Hausgötter, das in römischen Häusern und Amtsgebäuden eine wichtige Rolle spielte. Vermutlich war es den Laren gewidmet, also ein sogenanntes Lararium.
In diesem Video erfahrt ihr alles, was man über dieses einzigartige Stück Geschichte mitten in Köln wissen muss – von seiner Funktion bis hin zu den besonderen Funden vor Ort.
Wir haben mit Franziska Bartz, der Örtlichen Grabungsleitung der Archäologischen Zone der Stadt Köln, direkt zwischen den Mauern des römischen Praetoriums gesprochen.
In unserem Interview erzählt sie spannende Details über einen besonderen Fund: eine Porticus. Erfahre in dem Video, um was es sich handelt.
Das Ende der römischen Herrschaft bedeutete nicht das Ende des Palastes. Mit den Franken zogen im Frühmittelalter neue Herrscher ein, deren Geschichte zur mittelalterlichen Entwicklung des Viertels überleitet.
Im Bereich des Praetoriums zeigt die Ausstellung später die Funde aus 70 Jahren Ausgrabung im Kontext ihres Fundortes. Dazu erklären digitale Rekonstruktionen die Bauphasen und die antike Architektur vom ersten bis vierten Jahrhundert. Bauinschriften, Baumaterialien und die historischen Quellen zu den Statthaltern der jeweiligen Zeit runden die Geschichte ab.
Anlässlich des UNESCO-Welterbetags am 4. Juni 2023 besichtigten Dr. Thomas Otten, Direktor von MiQua, und Prof. Dr. Sebastian Ristow, Kurator für die Römerzeit und das Frühmittelalter im MiQua, die Welterbestätte Praetorium.
Der Palast des römischen Statthalters, der Teil des UNESCO-Welterbes Niedergermanischer Limes ist und ein Highlight im MiQua sein wird, ist zurzeit allerdings noch Baustelle und daher geschlossen. Mit einem Rundgang durch das Praetorium geben uns die beiden Archäologen schon einen Vorgeschmack auf den zukünftigen archäologischen Rundgang des MiQua.
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Weitere Informationen zum Museum MiQua