Die Ausgrabungen des mittelalterlichen jüdischen Viertels
Die Ausgrabungen am Kölner Rathausplatz zeigen das mittelalterliche jüdische Viertel und den Alltag seiner Bewohner.
Ende des Seitenheaders.
Rund 400 Jahre lebte die mittelalterliche jüdische Gemeinde mitten im Herzen der Stadt Köln – vom elften Jahrhundert bis zu ihrer Ausweisung im Jahr 1424.
Die Kahal Kolonia – so die hebräische Bezeichnung für eine jüdische Gemeinde mit eigener Verwaltung – war eine der ältesten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden nördlich der Alpen.
Ein Ensemble von Gemeindebauten wie die Synagoge aus dem elften Jahrhundert, das monumentale Ritualbad, die Mikwe aus dem zwölften Jahrhundert, das jüdische Hospital, ein gemeinsam genutztes Backhaus sowie ein Hochzeits- oder Tanzhaus zum Feiern von Festen zeugen von einem gut organisierten, lebendigen Gemeindeleben. Zahlreiche Funde zeichnen noch heute ein anschauliches Bild von ihrer Ausstattung.
Das Rathaus, das die Kölner*innen im zwölfte Jahrhundert mitten im jüdischen Viertel errichteten, und seine Entwicklung zeigen die enge Verzahnung zwischen der jüdischen Gemeinde und der Stadt und wie sich das Verhältnis zwischen beiden im Laufe der Zeit wandelte.
Die ebenfalls untersuchten Wohnhäuser mit ihren Latrinen und Brunnen lassen hingegen den mittelalterlichen Alltag im jüdischen Viertel lebendig werden. In farbigen Ofenkacheln oder dekorativen Bodenfliesen spiegelt sich die Ausstattung der Wohnungen wider. Andere Funde geben Einblicke in die Küche und Tischkultur, in die Mode oder zeugen von der Beliebtheit von Spielen wie Schach oder Tric Trac, dem Vorgänger des heutigen Backgammon.
Die einzigartigen Funde aus dem mittelalterlichen jüdischen Viertel sind eine aufregende Zeitkapsel. Sie erlauben es uns, mitten in den Alltag der Menschen einzutauchen.
Ein ganz außergewöhnliches Fundensemble stellen über 500 Schiefertäfelchen mit hebräischen Graffiti und Zeichnungen dar. Hier finden sich Schulübungen neben Listen mit Namen und kleinen Geldbeträgen, Vorzeichnungen für Buchillustrationen oder Karikaturen. Einzigartig ist eine Rittererzählung auf Altjiddisch.
Die archäologischen Mauern und Funde legen ein eindrückliches Zeugnis von der wechselvollen Geschichte der jüdischen Gemeinde ab. Neben einem friedlichen und florierenden Miteinander belegen sie auch gewalttätige Konflikte wie das so genannte Pestpogrom im Jahr 1349, bei dem die Angreifer sämtliche Einwohner*innen im Viertel, die nicht fliehen konnten, ermorden.
1424 müssen Jüdinnen und Juden auf Anweisung des Stadtrates Köln verlassen. Die Häuser gehen in christlichen Besitz über und die Synagoge wird zwei Jahre später als Ratskapelle geweiht. Erst 1798 darf das erste jüdische Ehepaar wieder dauerhaft in Köln wohnen.
Noch ist das Museum im Bau - trotzdem geben wir Ihnen gerne einen ersten Eindruck, wie der Rundgang in der Ausgrabung des jüdischen Viertels aussehen wird.
Ende der Auflistung.
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