Wallanlagen rechts des Rheins

Obertägige und damit noch sichtbar erhaltene Bodendenkmäler aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit sind im Rheinland eher die Ausnahme. Eine eigene Gattung bilden hierbei die sogenannte Wallanlagen, von denen sich östlich des Rheins rund 40 über die Jahrhunderte und Jahrtausende erhalten haben. Charakteristisch für diese unterschiedlich großen Geländedenkmäler sind Wälle und Gräben, die zumeist Hügel oder Kuppen und eine oft auf dem Hügelplateau gelegene Innenfläche komplett oder in Abschnitten umgeben.

Durch die Auswertung von Höhendaten, durch systematische Begehungen in Wald und Feld sowie kleinere Ausgrabungen geht unser Amt Fragen zum Bau, zu möglichen Strukturen im Innenbereich, zur Funktion und Datierung dieser Anlagen nach.

Interessanterweise zeigt sich hierbei, dass die Errichtungs- und Nutzungszeiträume, aber auch die Funktion der bisher untersuchten Plätze sehr unterschiedlich sind. Die ältesten wurden bereits vor rund 3000 Jahren in der späten Bronzezeit angelegt, die jüngsten vor etwas mehr als 200 Jahren in der Zeit der napoleonischen Feldzüge.

Kartierung der Wallanlagen
Ausgrabungen im Rahmen des Projektes an der karolingisch-ottonischen „Alteburg“ bei Neunkirchen-Seelscheid

Ein Schwerpunkt zeichnet sich jedoch in der vorrömischen, insbesondere späten Eisenzeit ab: Mindestens zwölf Anlagen sind zwischen etwa 150 und 50 v. Chr. zeitgleich genutzt worden. Bei einigen davon handelt es sich um befestigte Siedlungen, was Funde wie etwa die von „Grünenborn“ bei Lohmar und aufgedeckte Gebäudespuren im Innenbereich wie am „Erberich“ bei Odenthal belegen. Bei anderen Wallanlagen aber fehlen derartige Nachweise und ihre Funktion bleibt unklar. Nur an wenigen dieser eisenzeitlichen Plätze konnten bisher Reste von Einbauten in den Wällen dokumentiert werden, meist handelt es sich also um reine Erdbauwerke. Eine Torkonstruktion ist nur an der „Erdenburg“ bei Bergisch Gladbach überliefert.

Die Gründe für den Bau von Wallanlagen scheinen unterschiedlich zu sein und müssen für jeden einzelnen Platz ermittelt werden. Regelhafte Kriterien, wie zum Beispiel Beziehungen zwischen eisenzeitlichen Wallanlagen und Eisenerzvorkommen, unbefestigten Siedlungen, schiffbaren Flüssen oder vorindustriellen Handelswegen, lassen sich nicht benennen.

Ob ein mögliches Ende der Nutzung der eisenzeitlichen Anlagen mit den Eroberungszügen Cäsars im linksrheinischen Gallien oder mit der Umsiedlungspolitik Agrippas im Zusammenhang steht, ist derzeit noch nicht zu beurteilen.

Keltische Münzen
Auf der Wallanlage Lohmar "Grünenborn" wurde eine umfangreiche Anzahl keltischer Münzen aus der Zeit nach 50 v. Chr. geborgen.

Literatur aus dem Projekt

Nadia Balkowski, Neue Erkenntnisse zur Wallanlage auf der Aggerhalbinsel. Arch. Rheinland 2018, 2019, 178–181. DOI: https://doi.org/10.11588/air.2018.1.111651 .

Nadia Balkowski/Astrid Röpke, Untersuchungen an der Wallanlage „Alteburg. Arch. Rheinland 2020, 2021, 176–178. DOI: https://doi.org/10.11588/air.2020.1.111534 .

Jens Berthold, Späteisenzeitliche Wallanlage und hochmittelalterliche Eisenverhüttung in Windeck-Leuscheid. Arch. Rheinland 2020, 2021, 92–95. DOI: https://doi.org/10.11588/air.2020.1.110142 .

Jens Berthold, Zwei neue eisenzeitliche Wallanlagen bei Wiehl und Overath. Arch. Rheinland 2022, 2023, 85–87.

Erich Claßen, Untersuchungen zur Abschnittsbefestigung Erberich. Arch. Rheinland 2017, 2018, 60–63. DOI: https://doi.org/10.11588/air.2017.0.77462 .

Klaus Frank, Ein späteisenzeitlicher Ringwall im Bergischen Land. Arch. Rheinland 2019, 2020, 89–92. DOI: https://doi.org/10.11588/air.2019.1.110003 .

Klaus Frank, Ein spätkeltischer Ringwall bei Windeck-Leuscheid im Bergischen Land. Alt-Thüringen 47, 2021, 195–203.

Klaus Frank/Anne-Sophie Ebert, Neue Forschungen zur Wallanlage Kepplerburg bei Overath. Arch. Rheinland 2021, 2022, 143–145.

Klaus Frank/Claudia Klages, Die spätkeltische Wallanlage Grünenborn bei Lohmar-Neuhonrath im Bergischen Land. Arch. Rheinland 2024, 2025, 77–80.

H.-E. Joachim, Die Erdenburg bei Bensberg. Eine jüngerlatènezeitliche befestigte Höhensiedlung zwischen Wissenschaft und NS-Ideologie. Bonner Jahrb. 221, 2022, 65–77.

Astrid Röpke/Mirijam Zickel/Christine Pümpin/Renate Gerlach/Erich Claßen, Die Abschnittsbefestigung Erberich – architektonische Details mikromorphologischer Analysen. Arch. Rheinland 2019, 2020, 84–86. DOI: https://doi.org/10.11588/air.2019.1.110001 .

Sandra N. Rung/Irmela Herzog, Erste Schritte zur räumlichen Analyse von Wall-Graben-Anlagen im Bergischen Land. Arch. Rheinland 2020, 2021, 40–43. DOI: https://doi.org/10.11588/air.2020.1.110124 .

Ivonne Weiler-Rahnfeld/Sebastian R. Geicht, Der „Burgring“ in Kürthen-Sürth – Untersuchungen an einer weiteren Wallanalage im Bergischen Land. Arch. Rheinland 2023, 2024, 151–154.