Ein spätantikes Kindergrab in Kerpen-Blatzheim
Bei Ausgrabungen im Vorfeld des Kiesabbaus wurde in Kerpen-Blatzheim (Rhein-Erft-Kreis) ein kleiner Bestattungsplatz mit 16 Gräbern untersucht. Er gehörte zu einem römischen Landgut, das seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. über Generationen von Gutsbesitzerfamilien bewohnt und bewirtschaftet wurde. Erst um 400 n. Chr. wurde die villa rustica aufgegeben.
Unter den zwei Brand- und 14 Körpergräbern fand sich auch die Bestattung eines Kindes. Dessen Leichnam war in einer nur 1,22 m langen und 0,46 m breiten Grabgrube beigesetzt worden. Bis auf wenige Zähne im Osten des Grabes hatte sich vom Skelett im kalkarmen Löss nichts erhalten. Die Lage der Zähne lässt darauf schließen, dass der Leichnam mit dem Kopf im Osten und den Füßen im Westen bestattet wurde. Hinweise auf einen Holzsarg gab es nicht. Am westlichen Ende der Grabgrube und damit zu Füßen der Bestattung waren drei Gefäße fürs Jenseits beigegeben worden: ein Tonteller, ein Glasbecher und ein Glasfläschchen.
Der im Durchmesser knapp 18 cm große Tonteller ist eine typische Form des späten 4. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts und stammt aus Mayener Töpfereien; Speisereste hatten sich nicht erhalten. Der 6,5 cm hohe halbkugelige Glasbecher besteht aus einer transparent grünen, stark blasigen Glasmasse. Der bei der Herstellung abgesprengte Rand des Trinkgefäßes wurde nicht mehr nachgearbeitet und geglättet. Bei dem Glasfläschchen aus transparent blaugrüner, stark blasiger Glasmasse wurde der Rand beim Herstellungsprozesses hingegen umgeschlagen und rundgeschmolzen. Das Fläschchen diente einstmals zur Aufnahme von Salben oder Ölen.
Die dem Kind beigegeben Glasgefäße könnten im nahen Hambacher Forst hergestellt worden sein. Hier sind spätantike Siedlungsplätze mit Glaswerkstätten bekannt.
Anhand der Beigaben lässt sich das Grab in die Zeit um 400 datieren.
Das jung verstorbene Kind könnte somit zur letzten Generation der Gutsbesitzerfamilien gehört haben.
Ulrike Müssemeier