Fund des Monats September 2026

Ein silbernes kreisförmiges Metallobjekt mit hellgrünen Flecken, das sich spitzförmig zur Mitte hin nach oben wölbt und mit zwei umlaufenden Reihen aus silberfarbenen Noppen verziert ist.

Berührender Fund

Ende Juli 1943 stürzte bei Kerpen-Manheim, Rhein-Erft-Kreis, ein Flugzeug der Royal Air Force ab. Drei Mitglieder der siebenköpfigen Besatzung der Short Stirling III der No. 15 Squadron RAF (Royal Air Force) konnten sich per Fallschirm aus der brennenden Maschine retten und gerieten in Kriegsgefangenschaft; vier galten bislang als vermisst.

Nach über 80 Jahren gelang es einem Team aus Mitarbeitenden der Außenstelle Titz des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland und Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e. V., die Absturzstelle im Vorfeld des Tagebaus Hambach wieder ausfindig zu machen und die Überreste vor den nahenden Tagebaubaggern zu bergen.

In einer vier Meter tiefen Grube konnten schließlich Teile des Flugzeugwracks gesichert werden. Dazu zählen unter anderem Motorzubehör, Teile zweier Fahrwerke, Plexiglas- und Rahmenfragmente der Fenster, Bruchstücke der Instrumentenwand und eine Bordkanone sowie Munition. Doch es kamen auch persönliche Gegenstände ans Licht.

Aus dem Besitz eines Besatzungsmitglieds stammt das Zigarettenetui, das noch immer in der Brusttasche eines Militärblousons steckt. Das Etui aus sogenanntem Tomback, einer Kupferlegierung als Silberimitation, ist stark verbogen und durch Korrosion fest mit dem Jackenstoff aus blauer Wolle verbunden. Erst die im LVR-Landesmuseum Bonn angefertigten Röntgenbilder gaben Aufschluss darüber, um was es sich handelt. Der eiserne Knopf mit Messingüberzug und anhaftenden Resten eines hellen Gewebes diente zum Verschließen der Brusttasche, in der das Etui sicher verwahrt war.

Neben den berührenden Gegenständen aus persönlichem Besitz wie das Zigarettenetui oder auch Resten eines Schuhs und einer Fliegerbrille bewegen vor allem die menschlichen Knochen, die sich bei der Freilegung fanden. Sie stammen wahrscheinlich von vermissten Besatzungsmitgliedern, die beim Absturz der Maschine ihr Leben verloren. Bei den anthropologischen Untersuchungen durch das Bonn Center for Archaeo Sciences (BoCAS) konnten drei Individuen unterschieden werden.

Die zuständigen Stellen in Großbritannien waren von Beginn an informiert und veranlassten vor kurzem eine DNA-Analyse, deren Ergebnis noch aussteht. Die sterblichen Überreste werden auf einem britischen Soldatenfriedhof in Deutschland zur letzten Ruhe gebettet.

Die Untersuchung des Flugzeugwracks zeigt, dass der Umgang mit Relikten der Archäologie der Moderne oft mit besonderen Herausforderungen verbunden ist, denen mit Umsicht begegnet werden muss.

Tünde Kaszab-Olschewski