Nicolas Schimerl M. A.
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Größter hadrianischer Münzhort Deutschlands bei Wesseling entdeckt
Auf einem Acker bei Wesseling entdeckte ein Sondengänger bei einer genehmigten Suche mehrere römische Silbermünzen. Das sofort verständigte LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR) konnte bei nachfolgenden Ausgrabungen über 900 römische Denare sicherstellen. Es handelt sich dabei um den größten Münzschatz aus der Zeit des Kaisers Hadrian in Deutschland. Mit insgesamt 3,1 Kilogramm Silber stellt der Hortfund ein beträchtliches Vermögen dar, das wohl im zweiten Viertel des 2. Jahrhunderts n. Chr. absichtlich vergraben wurde. Neben der wissenschaftlichen Bedeutung ist der Fund auch aufgrund des umsichtigen Verhaltens des Finders hervorzuheben. Der Münzschatz wird nun erstmalig im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt.
Oliver Riedl staunte nicht schlecht, als er mit seiner Sonde eine Silbermünze nach dem anderen entdeckte. Selbst nachdem er bereits 15 Münzen geborgen hatte, hörten die Signale seiner Metallsonde nicht auf. „Für mich war klar, dass hier etwas Größeres im Boden liegt“, schildert Riedl. „Ich habe daher umgehend das Amt verständigt.“ Die zuständige Außenstelle Nideggen des LVR-ABR reagierte sofort und nahm Ausgrabungen vor.
Dabei fanden die Archäolog*innen eine dann doch unerwartet hohe Anzahl an Münzen: insgesamt 934 römische Denare aus Silber. Die jüngste Münze wurde 124/125 n. Chr. geprägt, der Schatzfund wurde also offenbar in der Zeit des Kaisers Hadrian (regierte 117–138 n. Chr.) verborgen. „Damit handelt es sich um den größten Münzschatz aus dieser Zeit in Deutschland, weltweit ist es der fünftgrößte“, erläutert Dr. Erich Claßen, Landesarchäologe und Leiter des LVR-ABR. Der Großteil der Münzen datiert aber in die Zeit der flavischen Kaiser (69–96 n. Chr.). Die älteste stammt sogar aus der Zeit der Römischen Republik und wurde 148 v. Chr. gemünzt. Damit war sie bereits mehr als 270 Jahre alt, als der Schatz in den Boden gelangte – aber nach wie vor gültig.
Vermutlich wurde das Vermögen in der Zeit um 100 n. Chr. zusammengetragen, aber erst in hadrianischer Zeit vergraben. „Wir können über die Beweggründe natürlich nur spekulieren, aber sehr wahrscheinlich wollte jemand dieses Geld sicher aufbewahren. Denn Banken gab es damals noch nicht“, so Claßen. Fraglich ist jedoch insbesondere, warum der Schatz nie wieder geborgen wurde. „Möglicherweise verstarb der Besitzer oder die Besitzerin vorher, ohne das Wissen um die Münzen weitergeben zu können.“
Hortfunde aus dem Römischen Reich oder auch aus anderen Zeiten sind nicht selten. Allerdings sind nur wenige aus dem 2. Jahrhundert so umfangreich wie der aus Wesseling. Der damalige Wert lässt sich jedoch nur schwer bemessen. Einen Anhaltspunkt liefert der Sold römischer Legionäre, der aus Schriftquellen gut bekannt ist. „Zu der Zeit verdiente ein einfacher Soldat in der Legion 300 Denare im Jahr. Davon wurde aber etwa die Hälfte für Lebensmittel und Ausrüstung einbehalten“, erklärt Dr. Rahel Otte, wissenschaftliche Referentin am LVR-ABR. Sie hat die Münzen eingehend untersucht. „Ein Legionär hätte somit rund sechs Jahre sein gesamtes verfügbares Geld sparen müssen, um den Wesselinger Schatzfund anzusammeln.“ Wer genau letztendlich dieses beträchtliche Vermögen zusammengetragen hat, bleibt unklar. Möglicherweise lebte die Person auf einem der römischen Landgüter im Umfeld.
Was den Fund aber auch so besonders macht, sind die gute Bergung und Dokumentation. „Herr Riedl hat sich wirklich vorbildlich verhalten“, lobt Erich Claßen. „Durch seine Umsicht waren wir in der Lage den Hortfund fachgerecht und vollständig zu bergen.“ Bei den Ausgrabungen hatte sich schnell eine Konzentration zahlreicher Münzen gezeigt. Um den Fund besser untersuchen zu können, wurde er im Block geborgen und in die Restaurierungswerkstatt des LVR-Landesmuseums Bonn gebracht. Dort wurde der Erdblock mit den Münzen zunächst geröntgt. Auf diese Weise ließen sich vor der Freilegung wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Darin fanden sich auch Fragmente eines Keramiktopfes und Strohreste. „Wahrscheinlich sind die Münzen ursprünglich in einem mit Stroh ausgepolsterten Topf vergraben worden“, meint Rahel Otte. Durch die jahrelange landwirtschaftliche Aktivität wurde das Behältnis allerdings zerstört und die Münzen im Ackerboden verteilt. „Wir haben aber bei unseren Untersuchungen alle Münzen finden und bergen können.“
Wer in Nordrhein-Westfalen mit einem Metalldetektor auf die Suche gehen möchte, benötigt dafür eine Genehmigung der Denkmalbehörden und die Erlaubnis der Grundstückseigentümer*innen. Außerdem ist eine Schulung durch die Fachämter, wie das LVR-ABR, notwendig.
Der Münzschatz wird aktuell auf der Jahrestagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung auch erstmals der Fachwelt vorgestellt. Rund 300 Archäolog*innen aus ganz Deutschland kommen zurzeit aus diesem Grund in Bonn zusammen. Simon Matzerath, Vorsitzender des Verbandes, betont: „Der private Einsatz von Metallsonden kann, wenn sich alle an die Regeln halten, eine unglaubliche Unterstützung für die Wissenschaft sein, leider haben wir aber auch häufig mit sogenannten Raugrabungen zu tun. Daher freut es uns sehr, wenn auch solch ein positives Beispiel bei unserer Tagung vorgestellt werden kann.“
Der Fund von Herrn Riedl ist entsprechend der Regelungen des nordrheinwestfälischen Denkmalschutzgesetzes nun Eigentum des Landes. Da der Finder sich regelkonform verhalten hat, wird er vom zuständigen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen eine Belohnung erhalten.
Der Münzschatz umfasst insgesamt über 900 römische Silbermünzen – hier ein kleiner Ausschnitt.
Copyright: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland)
Unter den Münzen sind auch einige besondere, wie eine stark abgenutzte Münze, deren Wert mit einem Gegenstempel nachträglich bestätigt wurde (rechts).
Copyright: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Der Großteil der Münzen stammt aus der Zeit der flavischen Herrscher und zeigt deren Profil, wie diese hier das des Kaisers Domitian.
Copyright: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit